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Bundesliga

Fünf Gründe, warum Hertha die Top Sechs verfehlt

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Am Samstagabend empfängt Hertha BSC die Borussia aus Dortmund. Obwohl der aktuelle Tabellenzweite der Bundesliga nach Berlin reist, könnten die Blau-Weißen als Favorit gehandelt werden. Nur eins der letzten fünf Heimspiele hat Hertha gegen Dortmund verloren, regelmäßig zeigen die Hauptstädter den deutschen Topteams die Grenzen auf. Europa scheint für die Berliner trotz dieser Bilanz in weite Ferne gerückt zu sein. fussball.news nennt fünf Gründe für die mangelnde Konstanz der „alten Dame“.

„Wenn du so viele Punkte liegen lässt wie wir, dann bist du einfach noch nicht weit genug für die nächste Stufe“, stellte Herthas Trainer Pal Dardai gegenüber Berliner Morgenpost nach der 1:2-Niederlage in Freiburg fest. „Immer wieder die gleichen Spiele, immer wieder die gleichen Fehler – das hat auch etwas mit Qualität zu tun“, monierte der Ungar. Nach 25 Spieltagen belegt Hertha BSC mit 35 Punkten den zehnten Tabellenrang. Vier Punkte trennen die Berliner von Platz elf, genauso viele aber auch vom siebten VfL Wolfsburg – auf Rang sechs sind es sogar sieben Zähler. „Die nächste Stufe“, wie Dardai sie genannt hatte, ist in der laufenden Saison wohl nicht mehr zu erklimmen, stattdessen droht erneut das Niemandsland der Bundesliga-Tabelle. Dass die Berliner Gefahr laufen, trotz eines talentierten Kaders am Saisonende mit leeren Händen dazustehen, lässt sich an fünf zentralen Gründen festmachen.

1. Herthas Problem mit den „kleinen“ Teams

Die Saisonvorbereitung nutzte das Berliner Trainerteam vor allem, um Herthas Angriffsspiel weiterzuentwickeln. Das Training hat gefruchtet, denn Hertha gehört in der laufenden Spielzeit zu den konterstärksten Bundesliga-Teams. Durch das gefährliche Umschaltspiel hat sich Hertha zu einem echten Favoritenschreck entwickelt und Teams wie den FC Bayern München (2:0), Eintracht Frankfurt (1:0) und Borussia M’Gladbach (4:2, 3:0) geschlagen. In Partien gegen tabellarisch schlechter positionierte Gegner, in denen die Berliner viel Ballbesitz verzeichnen, tut sich die Mannschaft allerdings deutlich schwerer. So verlor der Tabellenzehnte gegen Fortuna Düsseldorf (1:4), den VfB Stuttgart (1:2) und SC Freiburg (1:2), vor heimischen Publikum konnten die Hauptstädter nicht gegen den FC Augsburg (2:2) gewinnen. Das Spiel mit dem Ball wirkt oft oftmals zu träge und ideenlos, als dass Hertha wirkliche Gefahr erzeugen könnte. Viel zu leicht lässt sich das Team kämpferisch den Schneid abkaufen, wodurch läuferisch und defensiv starke Gegner wie Freiburg oder Mainz leichteres Spiel gegen die Berliner haben.

2. Ungewohnte Probleme in der Abwehr

In den ersten Jahren unter Pal Dardai gehörte Hertha zu den defensivstärksten Teams der Bundesliga. Kaum eine Mannschaft spielte gerne gegen die Berliner, da sie durch exzellentes Stellungsspiel und giftiges Zweikampfverhalten bestachen. Diese Attribute bringt das Team in der aktuellen Saison meist nur gegen spielerisch starke Gegner auf den Platz, da die Spieler sich gegen beispielsweise Dortmund oder Bayern auf das Verteidigen konzentrieren können. In Begegnungen mit Mannschaften auf Augenhöhe lässt Hertha solch große Disziplin vermissen und erlaubt sich zahlreiche Fehler, die zu Gegentoren führen. Beim Freiburger 1:0-Treffer am vergangenen Spieltag kritisierte Dardai schlechtes Stellungsspiel, wie auch mangelnde Konzentration und Einstellung seiner Schützlinge. Es war der 14. Rückstand im 25. Saisonspiel – zwar holte nur Dortmund noch mehr Punkte nach Rückstand als Hertha (zehn), dennoch muss die „alte Dame“ andauernd einem 0:1 hinterherlaufen und verliert dadurch wichtige Punkte.

3. Verletzungspech bei Leistungsträgern

Die genannten Schwächen im Defensivverhalten sind auch am Personal festzumachen. Aufgrund von ständigen Ausfällen mehrerer Leistungsträger konnte Trainer Dardai keine Stammelf aufbauen. In der Verletzungstabelle (fussballverletzungen.com) belegte Hertha in der Hinrunde Platz zehn, durchschnittlich 28,66 Tage fielen Berliner Spieler aus. Die Statistik zeigt allerdings nicht den sportlichen Wert der jeweiligen Akteure auf. Herthas Abwehrkern bilden Niklas Stark, Karim Rekik und Jordan Torunarigha. Alle drei Innenverteidiger mussten in der Hinrunde verletzungsbedingt wochenlang aussetzen, sodass keine Routine und damit einhergehende Stabilität in Herthas Defensive einkehren konnte. Auch Marko Grujic hat bereits elf Spiele verpasst – in 15 Bundesligaspielen mit dem Serben holte Hertha zwei Punkte pro Partie. In zehn Begegnungen, die er verpasste, hingegen nur 0,7 Punkte. Mittelstürmer Davie Selke, der mit drei Toren und neun Vorlagen Herthas zweitbester Scorer ist, fehlt die komplette Sommervorbereitung, weshalb er erst zum Ende der Hinrunde aufgeblüht war. Javairo Dilrosun fehlt bereits seit vier Monaten. Der junge Niederländer gehörte im ersten Saisondrittel zu den Shootingstars der Bundesliga. All diese Ausfälle lassen das wahre Potenzial der „alten Dame“ nur in Ansätzen erkennen.

4. Der sehr junge Kader

Hertha wird zurecht für seine herausragende Aus- und Weiterbildung junger Spieler gelobt. Eigengewächse wie Arne Maier (20), Maxi Mittelstädt (21) und Jordan Torunarigha (21) stehen stellvertretend für die hohe Durchlässigkeit zwischen Jugend- und Profibereich in Berlin. Auch extern dazugeholte Talente wie Valentino Lazaro (22), Niklas Stark (23), oder Davie Selke (24) haben unter Coach Dardai den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht. Solch ein junger Kader birgt allerdings auch Gefahren, da es aufgrund der mangelnden Erfahrung oftmals an Konstanz fehlt. Routiniers wie Salomon Kalou (33) und Vedad Ibisevic (34) bilden zwar ebenfalls Eckpfeiler in Herthas Kader, jedoch befinden sich auch die beiden in einem Alter, in dem sie nicht mehr jede Woche Höchstleistung zeigen können. Was den Blau-Weißen fehlt, sind Spieler auf ihrem Leistungsoptimum im Alter von 25-28 Jahren. Auf keiner einzigen Position in Berlins Startelf lässt sich solch jemand finden, da Marvin Plattenhardt (27), Vladimir Darida (28) und Mathew Leckie (28) mit Verletzungspech und Formschwankungen zu kämpfen haben. Somit mangelt es dem Kader an verlässlichen Leistungsträgern, die Woche für Woche funktionieren.

5. Die Konkurrenz ist stärker geworden

Hertha spielt keine auffällig schwache Saison, im Gegenteil, zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Spielzeit verbuchten die Berliner vier Punkte weniger. Mit seinen 35 Zählern hätte der Hauptstadtverein sogar auf Platz sieben der Bundesliga-Tabelle 17/18 gestanden. Durch die Liga scheint allerdings ein Ruck gegangen zu sein, der zu einem heißen Kampf um die europäischen Plätze geführt hat. Eintracht Frankfurt, aktueller Platz fünf, wäre mit seinen 43 Punkten in der Saison 17/18 Tabellenzweiter gewesen. Die Zahlen belegen, wie viel stärker die Konkurrenz im Vergleich zur Vorsaison geworden ist, sodass Hertha einen gewaltigen Entwicklungsschritt hätte machen müssen, um zu dieser Phalanx zu gehören. „Ein einstelliger Tabellenplatz“ ist das offiziell formulierte Saisonziel der Berliner und da Platz neun nur einen Zähler entfernt ist, sind sie nahe am Soll. Man ist sich in Berlin bewusst, dass es eine außerordentliche Saison oder aber schwächelnde Konkurrenz benötigt, um eine Rolle für Europa spielen zu können. Beides scheint dieses Jahr nicht der Fall zu sein, sodass Hertha ohne einen herausragenden Saisonendspurt das internationale Geschäft verwehrt bleiben wird.

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