Bundesliga

Festhalten an U21, Top 6 und Thema Reschke: Wie Weinzierls aktuelle Aussagen zu interpretieren sind

on

Markus Weinzierl hat dem kicker ein ausführliches Interview gegeben. Dabei versteckt er seine Meinung oftmals in diplomatischen Worthülsen. fussball.news schlüsselt sie auf:

Der VfB Stuttgart erwägt Medienberichten zufolge, ähnlich wie RB Leipzig seine U21-Auswahl aufzulösen. Markus Weinzierl betonte im kicker, es liege nicht in seinem Verantwortungsbereich, über die Zukunft der U21-Auswahl der Schwaben zu entscheiden. Er fügte aber diplomatisch an: „Ich glaube schon, dass eine zweite Mannschaft hilfreich sein kann, um Talente an die Profis heranzuführen. Talente aus dem eigenen Nachwuchs heraus zu entwickeln, muss ein Baustein für uns sein.“ Was Weinzierl wirklich meint: Wer nicht auf den eigenen Nachwuchs setzt, muss dann teure Profis hinzukaufen. Es wäre deshalb aus seiner Sicht sehr unvernünftig, das U21-Team aus dem Rennen zu nehmen.

„Wenn man einen Tabellen-18. übernimmt, braucht man nicht an die langfristige Zukunft zu denken“

Doch wie sieht die Perspektive des VfB Stuttgart aus? Während Klubchef Wolfgang Dietrich für die kommenden drei Jahre Ziele wie die Top 3 und die Top 6 der Bundesliga-Tabelle ausgibt, rudert Sportchef Michael Reschke nahezu wöchentlich zurück von ambitionierten Plänen der Klubführung. Für Reschke zählt vor allem 2018/19 nur noch der Klassenerhalt. Und was sagt Weinzierl? „Wenn man einen Tabellen-18. übernimmt, braucht man nicht an die langfristige Zukunft zu denken, sondern nur an das Kurzfristige. Mein ganzer Fokus ist bisher auf den Klassenverbleib ausgerichtet. Ich denke nicht daran, was in zwei, drei Jahren sein kann.“ Weinzierl stellt sich damit inhaltlich an die Seite von Reschke. Somit könnte es schon bald zu Problemen mit dem ehrgeizigen Klubchef kommen.

Vergleich Reschke/Reuter

Andererseits scheint sich Weinzierl in kleinen Schritten von Reschke wegzubewegen. Beim FC Augsburg hatte Markus Weinzierl mehrere Jahre großen Erfolg, auch weil er ein inniges Verhältnis zu Manager Stefan Reuter pflegte. Auf die Frage, ob er nun auch so eine Verbindung zu Michael Reschke verspüre, sagte Weinzierl mit aller Vorsicht: „Ich bin sicher, dass wir die auch in Stuttgart haben. Mit Stefan Reuter, der damals neu und unbelastet dazukam, konnte ich nach einer sehr komplizierten Hinrunde quasi einen Neustart hinlegen. Daraus entstand eine sensationelle Erfolgsgeschichte.“ Interessant ist besonders das Wort „unbelastet“ – Reuter kam als neuer Manager zum FC Augsburg, es gab keine Pro- oder Contra-Fraktion gegen den Weltmeister von 1990. Bei Michael Reschke kann keine Rede mehr von „unbelastet“ sein. Manche Beobachter werfen Reschke vor, der neuen Aufgabe als Manager eines Traditionsklubs nicht gewachsen zu sein, zumal er bei den Trainerentlassungen von Hannes Wolf und Tayfun Korkut jeweils ein schlechtes Bild abgab. Weinzierl, so kann man interpretieren, will die Beziehung zu Reschke neutral halten. Denn für beide Protagonisten ist die latente Gefahr vorhanden, beim nächsten Rückschlag schon wieder um den eigenen Job bangen zu müssen.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.