Bundesliga

Fall Katar: FC Bayern droht politischer Gegenwind

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Bayern München muss sich künftig auf mehr Widerstand einstellen, wenn es um seine Geschäftsbeziehungen zu Katar geht.

Seit 2011 halten die Münchner ihr Winter-Trainingslager im Emirat Katar ab. Zunächst war das öffentliche Interesse an diesem politisch heiklen Vorhaben relativ gering. 2012/13 jedoch wurde ein Bericht veröffentlicht, wonach Katar in Vorbereitung auf die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2022 vor allem ausländische Bauarbeiter menschenunwürdig behandelt. Dabei fiel auch der Begriff der „modernen Sklavenhaltung“. Die Münchner hielten aber an ihre Partner in Katar konsequent fest und dehnten die wirtschaftlichen Beziehungen zuletzt noch aus, indem Katars staatlich geförderte Fluglinie zum Ärmelsponsor bei den Roten aufstieg. Bei Kritik am Trainingslager in Katar wartete der FC Bayern zuletzt mit einem eher ungewöhnlichen Verhalten auf: schweigen. Die Bayern lehnten Statements zum Thema Katar ab – unter anderem gegenüber dem Magazin 11Freunde. Selbst eine von Bayern-Fans veranstaltete Diskussionsrunde zum Thema Katar musste dem Vernehmen nach ohne einen offiziellen Vertreter des Klubs stattfinden. Wenn sich die Münchner doch mal zu ihrer Beziehung zu Katar äußerten, dann betonte vor allem Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, die Mennschenrechtslage habe sich in Katar „nachweislich“ verbessert. Viele Beobachter warten aber bis heute darauf, was Rummenigge mit „nachweislich“ meinte – detaillierte Zahlen lieferte er nicht.

„Wanderarbeiter in Katar können nach wie vor ihre Arbeitskraft nicht frei vermarkten“

Nun aber könnte es der deutsche Rekordmeister mit seiner abwehrenden Haltung zu weit getrieben haben. Denn die Münchner Politik hat den FC Bayern ins Visier genommen. In einem Fraktions-übergreifenden Antrag zahlreicher Oppositionsparteien haben Stadträte von Grünen, ÖDP, Linken und FDP den FC Bayern zu einer klaren Haltung in Sachen Katar aufgefordert. „Katar steht seit Jahren wegen der ausbeuterischen Arbeitsbedingungen von Wanderarbeitern in der Kritik. Trotz anderslautender Beteuerungen ist die Lage der häufig aus Südostasien stammenden Arbeiter nach wie vor prekär. Dies wurde bei einem Gespräch deutlich, das mehrere Stadtratsmitglieder vor kurzem mit zwei Vertretern des Arbeiter-Netzwerks ’shramik sanjal‘ im Rathaus führten“, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen. Betont wird: „Wanderarbeiter in Katar können nach wie vor ihre Arbeitskraft nicht frei vermarkten, sie müssen beträchtliche Teile ihres Lohns für menschenunwürdige Unterkünfte zahlen und werden an der freien Heimkehr in ihr Heimatland gehindert. Tausende kamen in den letzten Jahren durch die widrigen Arbeitsbedingungen auf katarischen Baustellen ums Leben. Leidtragende sind dabei vor allem die Hinterbliebenen, die nicht entschädigt werden.“

Opposition fordert „Runden Tisch“

In dem Stadtratsantrag wird nun gefordert, dass es zum Thema Katar einen „Runden Tisch“ geben soll, an dem selbstverständlich auch Vertreter des FC Bayern teilnehmen. Zudem sollen die Todesfälle von Wanderarbeitern in Katar seit 2013 „unabhängig untersucht und die Daten veröffentlicht werden“. Die Grünen-Politikerin Anna Hanusch betonte: „Der FC Bayern München ist ein prominentes Aushängeschild Münchens. Es ist daher im Sinne der Stadt, dass der weltweit agierende Verein im Einklang mit den Menschenrechten und den Werten der Stadt agiert. Dies ist in Katar gegenwärtig nicht der Fall.“

München könnte neue Stadtregierung erhalten

Das machtpolitisch brisante für den FC Bayern: Am Sonntag stehen in München Stadtratswahlen an, der amtierenden Großen Koalition aus CSU und SPD droht der Verlust der Regierungsmehrheit. Umfragen zufolge könnten die Grünen die mit Abstand stärkste politische Kraft in München werden – und auch bei der Wahl für das Oberbürgermeisteramt läuft es auf ein Duell zwischen SPD und Grünen hinaus. Sollten also bald die Grünen die Stadtregierung in München anführen, dürfte es für den FC Bayern deutlich ungemütlicher werden, seine Geschäftsbeziehungen zu Katar vor jeglicher Kritik abzubügeln.

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1 Comment

  1. qzfzw0

    12.03.2020 at 18:10

    Tja, Herr Rummenigge – ich denke ein Tag unter den Verhältnissen arbeiten, wie sie in Katar für die dort ausländischen Arbeiter vorherrschen, und du würdest anders denken. Zumindest soweit die Geldgeilheit es zulässt. Armer Geist!

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