Bundesliga

Erst freigeschwommen – jetzt die Handschrift verpasst? So entwickelt Hütter die Eintracht

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Die Frankfurter Eintracht landete gegen Fortuna Düsseldorf einen 7:1-Kantersieg und feierte so den vierten Sieg in Folge. Nachdem sich Trainer Adi Hütter zunächst in neuer Umgebung freischwimmen musste, wird inzwischen seine Philosophie und Handschrift immer deutlicher sichtbar.

Drei Bundesligasiege in Serie, dazu ein Torverhältnis von 13:3: Die Eintracht ist nach Stotterstart inzwischen voll angekommen in der Saison 2018/19. Erstmals erlebten die Zuschauer dabei den Fußball, der Adi Hütter vorschwebt: „Es geht grundsätzlich darum, dass man eine Idee hat, wie man nach vorne kommt und sich Tormöglichkeiten herausspielt. Wir wollen Begeisterung entfachen.“ Dies ist der Eintracht im Duell gegen Düsseldorf gelungen. Waren in den Begegnungen zuvor noch viele Elemente von Ex-Coach Niko Kovac zu erkennen, so zeigten die Hessen am Freitagabend ein völlig neues Gesicht.

Defensive wird stabiler

Die Defensive wird Woche für Woche nicht nur stabiler: Sie steht dabei noch höher, verteidigt konsequenter und beteiligt sich am Offensivspiel. David Abraham wagte im zweiten Durchgang einige effektive Vorstöße und Toptalent Evan N’Dicka agiert immer mutiger. War er in den ersten Partien noch zurückhaltender, so „hat er sich heute nicht umgedreht und zurückgespielt. Er ist dann gleich nach vorne gegangen und so kommen wir noch besser in die Tiefe“, erkannte Hütter. 88 Prozent seiner Pässe kamen beim Mitspieler an, zudem hatte der 19-Jährige Pech, dass ein Kopfball an die Latte klatschte. Über allem steht aber der in Topform aufspielende Makoto Hasebe, der in seinen Aktionen permanent die richtige Balance findet und hochintelligent viele gegnerische Angriffe abläuft. Die Dreierkette: Sie ist unabhängig vom Gegner das Fundament für erfolgreichen Fußball bei den Frankfurtern. In dieser Formation fühlen sich die Spieler offenbar am wohlsten und lassen kaum Möglichkeiten zu.

Überragende Offensive

Ganz vorne läuft die Offensivmaschinerie auf Hochtouren. Luka Jovic überstrahlte mit seinem Fünferpack und somit insgesamt sieben Saisontoren alle. Doch neben dem Serben überragte auch Sebastien Haller. Der Franzose ist mit fünf Treffern und sechs Vorlagen Topscorer der Bundesliga. „Oft sind es gute Gespräche, die da helfen“, freute sich Hütter für den 24-Jährigen. Er habe eine gute Form und trainiere gut. Seine Fähigkeiten helfen dem Team: „Sebastien ist physisch sehr stark, er kann Bälle fest machen und nutzt das Momentum.“ Haller sei ein anderer Spielertyp als Jovic und Ante Rebic, der Gelb Rot-gesperrt fehlte. „Er nimmt eine tolle Entwicklung“, lobte der Trainer. Ferner konnte die Mannschaft, wie schon in der Europa League gegen Lazio Rom (4:1) zeigen, dass sie ohne Rebic Treffer erzielen und Partien gewinnen kann. „Es ist doch gut für uns, dass wir auch ohne Ante Tore schießen können. Er hat andere Elemente als Luka und Sebastien. Ich bin sehr glücklich, solche Spieler in der Offensive zu haben.“

Gelungene Transferpolitik

Der gegnerische Coach Friedhelm Funkel, der von 2004 bis 2009 seine schönste Zeit als Übungsleiter bei der Eintracht erlebte, zeigte sich überrascht, wie schnell der Klub die Abgänge von Leistungsträgern wie Lukas Hradecky, Omar Mascarell, Kevin-Prince Boateng und Marius Wolf verkraftet habe. Die Transferpolitik kann – Stand jetzt – als geglückt bezeichnet werden. Torhüter Kevin Trapp wird immer stärker, N’Dicka zählt zu den Überraschungen der Bundesliga, Filip Kostic ist auf links in neuer Rolle unentbehrlich geworden und Lucas Torro ist mit seinem körperbetonten Spiel und seiner Kopfballstärke ein entscheidender Faktor geworden. Goncalo Paciencia und Francisco Geraldes können verletzungsbedingt noch nicht bewertet werden, Frederik Rönnow soll als Ersatz von Trapp aufgebaut werden, Allan Souza durfte bereits zweimal mitwirken und Nicolai Müller konnte mit einem Treffer gegen den SC Freiburg (2:0) zu einem gelungenen Start beitragen. Als Flop muss wohl Felix Wiedwald bezeichnet werden. Der aus Leeds United gekommene Schlussmann ist nach der Vorbereitung in der Torhüter-Hierarchie nach ganz hinten abgerutscht. Intern haben sich die Verantwortlichen bereits damit abgefunden, dass man sich bei diesem Transfer einen „Fehlgriff“ geleistet habe.

Rotation passt

Gegen Düsseldorf tauschte Hütter auf vier Positionen, die Angreifer wechseln sich ab und auch im Mittelfeld gibt es ständig Veränderungen. Es sei nicht sein erstes Jahr auf internationalem Parkett, betonte Hütter. „Ich habe seit vier Jahren Erfahrung gesammelt“, sagte er weiter. Für ihn sei es entscheidend, dass die Spieler seine Entscheidungen verstehen und die Pause nutzen, „um mit Frische ins nächste Spiel zu gehen. Jeder Spieler hat so das Gefühl, wichtig für die Mannschaft zu sein.“

Hütter kann sich auch auf „Rückkehrer“ verlassen

Ein Beispiel für die gelungene Integration: Hütter kann sich zudem auf alle Spieler in seinem Kader verlassen, auch auf diejenigen, die bis zum 31. August noch die sogenannte „Trainingsgruppe 2“ gebildet haben. Als Simon Falette gebraucht wurde, war er da und legte den Siegtreffer in der Europa League bei Olympique Marseille (2:1) auf. Marc Stendera kämpfte sich aus den Tiefen heraus und zeigte nach kurzer Anlaufzeit gegen Düsseldorf als Ersatz von Torro, der verletzungsbedingt zur Halbzeitpause (Schambeinprobleme) ausgewechselt wurde, einen ordentlichen Auftritt. Hütter sah den etwas schleppenden Start als normal an, schließlich sei der 22-Jährige kein reiner Sechser. Am Ende zeigte Stendera aber sein Potenzial und spielte mutige Bälle nach vorne. „Die Spieler müssen bereit sein, wenn sie zum Zug kommen“, betonte Hütter. Seine Akteure – sie liefern!

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