Bundesliga

Eintrachts Erfolgsrezept: Dreierkette und eiskalte Angreifer

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Als Trainer Adi Hütter nach dem 4:1-Heimsieg der Frankfurter Eintracht gegen Hannover 96 von einem Befreiungsschlag sprach, wirkte es etwas hochgegriffen. Sieben Tage später nach drei Pflichtspielsiegen in Folge ließ sich festhalten: Der Turnaround ist geglückt.

Die Analyse von fussball.news vor der ersten Länderspielpause Anfang September fiel noch kritisch aus: Die Problemliste war lang, die Maschinerie der Frankfurter lief nach drei Niederlagen in vier Partien noch nicht rund. Das Pressing funktionierte nur selten, die Passquote unterdurchschnittlich schwach, die Abwehr stand in der Viererkette sehr unsicher, mit Ausnahme von Angreifer Sebastien Haller strahlte kein Angreifer Gefahr aus und wie lange Ante Rebic ausfallen würde, war noch nicht prognostizierbar.

Deutlich stabilere Abwehr

Geblieben ist die noch immer deutlich ausbaufähige Passquote (71 Prozent), die es für den nächsten Schritt – vor allem gegen die auf dem Papier schwächeren Gegner – zu beheben gilt. Rund fünf Wochen später nach den Erfolgen gegen Hannover, Lazio Rom (4:1) und die TSG Hoffenheim (2:1) lässt sich aber vor allem positiv festhalten, dass unter Hütter eine Entwicklung sichtbar geworden ist. Vor allem das Defensivgerüst wirkt deutlich stabiler nach der Umstellung von Vierer- auf Dreierkette mit Makoto Hasebe als letztem Mann. Der Japaner lenkt und dirigiert das Spiel der Eintracht, er ist erste Anspielstation beim Spielaufbau, antizipiert gefährliche Situationen frühzeitig und gibt damit eine zu Saisonbeginn vermisste Stabilität. Hütter wollte die Umstellung nicht überbewerten und verwies auf die einzige Zu-Null-Partie am ersten Spieltag beim SC Freiburg (2:0). Allerdings hatten die Hessen im Breisgau viel Glück, die Abwehr stolperte von einer Verlegenheit in die andere und konnte sich am Ende auch bei Schlussmann Frederik Rönnow bedanken, dass es keinen Gegentreffer gab.

„Ruhepol“ Hasebe

Hasebe spielte zu diesem Zeitpunkt noch keine Rolle unter dem Österreicher, für ihn war kein Platz im Kader der Hessen. In der Europa League gegen Olympique Marseille kehrte der 34-Jährige zurück in die Startelf, im defensiven Mittelfeld zog der „Ruhepol“, wie ihn die Frankfurter Rundschau kürzlich taufte, die Fäden. Allerdings wurde in dieser Begegnung, ebenso eine Woche später im Duell bei Borussia Mönchengladbach (1:3) deutlich: Auf dieser Position fehlt Hasebe bei aller strategischen Klasse und Übersicht inzwischen das nötige Tempo für den schnellen Umschaltfußball. Am besten ist der „Franz Beckenbauer Japans“ auf der Position des „Kaisers“: Als letzter Mann vor Schlussmann Kevin Trapp und somit hinter den Innenverteidigern.

Eintracht lässt weniger Chancen zu

Inzwischen lassen die Hessen deutlich weniger zu, gegen RB Leipzig (1:1), Hannover, Rom und Hoffenheim stand die Defensive deutlich sicherer, auch die Offensive arbeitet gut mit. Dennoch zeigen sich die Angreifer – obwohl sie viel arbeiten und viele Kilometer laufen müssen – vor dem gegnerischen Tor eiskalt. Gegen die Niedersachsen, Lazio und Hoffenheim reichten rund 19 Möglichkeiten für zehn Treffer: 53 Prozent sind eine überragende Bilanz, über die gesamte Saison betrachtet zeigt sich bislang nur Borussia Dortmund noch zielstrebiger vor dem gegnerischen Gehäuse (46 Prozent genutzte Möglichkeiten/Eintracht hat 42,4 Prozent verwertet). Zudem verteilen sich die Treffer über mehrere Schultern, Rebic (drei), Haller (drei), Luka Jovic (zwei), Jonathan de Guzman, Gelson Fernandes, Evan N’Dicka und Nicolai Müller (je einmal) waren erfolgreich. Positiv zudem: Bei allen zwölf Toren hatten die Stürmer entweder als Schützen oder Vorlagengeber ihre Füße (oder Köpfe) mit im Spiel.

Spielglück kehrt zurück

Innenverteidiger Marco Russ, der Kapitän David Abraham bestens vertrat und bei der Frankfurter Erfolgswoche komplett mit auf dem Feld stand, erkannte allerdings auch: „Das Spielglück war auf unserer Seite.“ Die Hessen blieben nach der Gelb-Roten-Karte für Ante Rebic 30 Minuten stabil, sie ließen bei allem Druck nur wenige Möglichkeiten zu – und hatten in Kevin Trapp einen stabilen Torhüter (auch wenn er beim Anschlusstreffer unglücklich wirkte). Mit zehn Punkten, 12:11 Toren und der makellosen Europa-League-Bilanz (zwei Spiele, sechs Punkte, 6:2 Tore) belegt die Eintracht den siebten Rang. Der kicker zog daher das Fazit nach 100 Tagen Hütter: „Er hat nicht alles richtig gemacht, ist aber auf einem guten Weg, die erfolgreiche Entwicklung – seine persönliche und die des Klubs – fortzusetzen.“ Auch deshalb, weil er von seiner Doktrin, Viererkette samt wildem Offensivspiel, abgewichen ist und auf defensive Stabilität und eine klare Grundordnung auf dem Feld setzt.

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