Bundesliga

Eintracht faszinierte Europa: Als Sarri die „Büffelherde“ fast ungehört lobte

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Es waren große Tage, die Eintracht Frankfurt in der Vorsaison in der Europa League erlebte. Im Halbfinale trafen die Hessen als absoluter Underdog auf den FC Chelsea – und brachten den Champions-League-Sieger von 2012 an den Rande des Ausscheidens. Trainer Maurizio Sarris warnende Worte gingen in der Berichterstattung beinahe unter.

Olympique Marseille, Lazio Rom, Schachtor Donezk, Inter Mailand, Benfica Lissabon – und im Halbfinale der FC Chelsea! Eintracht Frankfurt hat eine Europa-League-Saison auf allerhöchstem Niveau erleben dürfen. Die Partien gegen die Blues, immerhin Champions-League-Sieger 2012, galt als Krönung einer Entwicklung, die im Sommer 2018 nach durchschnittlicher Vorbereitung und 1:2-Blamage in der ersten Runde des DFB-Pokal beim SSV Ulm noch nicht absehbar war.

Stärken der Eintracht?

Mit Maurizio Sarri saß bei den Londonern ein Trainer auf der Bank, der Eintracht-Coach Adi Hütter in seinem Denken geprägt hat. In der Pressekonferenz vor dem Duell gegen die Hessen ging es den englischen Reportern hauptsächlich um die personelle Lage bei Chelsea und den Blick auf die heimische Liga. Inmitten der vielen Fragen, richtete fussball.news den Fokus auf die Stärken der Frankfurt.

Sarri drückte seinen „großen Respekt“ aus

Sarri holte tief Luft und überlegte genau: „Ich habe großen Respekt vor der Eintracht. Sie sind sehr gefährlich, sehr dynamisch und spielen mit einer großen Intensität.“ In der Runde zuvor hatten sich die Blues gegen das zweite Überraschungsteam Slavia Prag (1:0/4:3) durchgesetzt. Die Frankfurter seien „physisch“ zwar auf einem ähnlichen Bereich unterwegs.

„Büffelherde“ im Blickfeld

Doch der Italiener erkannte eine andere Gefahr für sein Team: Die „Büffelherde“, bestehend aus Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic. „Die Qualität in der Offensive ist eine andere. Ich denke, dass die Eintracht sehr gefährlich ist: Daheim und auch auswärts.“ Sarri prognostizierte, was vor allem die zahlreichen englischen Journalisten eher als Understatement wahrnahmen, knifflige Duelle: „Für uns wird es sehr schwer ins Finale einzuziehen.“

Jovic als Torschütze gegen Chelsea

Dabei fehlten der Eintracht im Hinspiel vor heimischem Publikum mit dem am Bauchmuskel verletzten Haller und dem gelbgesperrten Rebic zwei der drei „Büffel“, die die Bundesliga und Europa aufmischten. Und dennoch gelang es Jovic zu beweisen, dass er auch ohne diese prominenten Zulieferer Tore erzielen kann. Er traf im Hinspiel per Traumkopfball nach Flanke von Filip Kostic zum 1:0 und nur eine Woche später im Rückspiel nach starkem Zuspiel von Landsmann Mijat Gacinovic zum 1:1.

Luiz verhindert Finaleinzug der Eintracht

Welche Qualität das Trio insgesamt ausstrahlt, wurde an der Stamford Bridge deutlich: Rebic und Jovic stellten die Abwehr der Blues bis zum Ende der regulären Spielzeit vor große Probleme, dann kehrte für die Verlängerung noch Haller zurück. Hätte David Luiz in der 100. Minute nicht auf der Linie gerettet – die Hessen hätten große Chancen gehabt, ins Finale einzuziehen und gegen das damals durchaus formschwache Arsenal den ersten internationalen Titel seit 1980 an den Main zu holen.

„Büffelherde“ bricht auseinander

So ist das Ende trotz „Büffelherde“ und drückender Überlegenheit bekannt: Martin Hinteregger und Goncalo Paciencia vergaben im Elfmeterschießen und die Frankfurter unterlagen dramatisch und tränenreich mit 3:4. In zuvor rund 210 Minuten bewies die Eintracht aber, die im Frühjahr 2019 wohl stärkste Sturmreihe Europas zu haben. Am Ende war das Trio für den Traditionsclub deshalb nicht mehr zu halten. Jovic (17 Tore und sieben Vorlagen in 48 Pflichtspielen) zog für 60 Millionen Euro zu Real Madrid, Sebastien Haller (20/12/41) für 50 Millionen Euro zu West Ham United und Ante Rebic (10/6/38) zunächst auf Leihbasis zum AC Mailand. Nicht nur Sarri wird über die Sprengung der „Büffelherde“erleichtert gewesen sein.

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