Borussia Dortmund

Drittes Remis in Serie: BVB-Auftritte unter Favre gegen die Klub-DNA

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Borussia Dortmund hat am Samstag zum dritten Mal in Folge eine 2:1-Führung in der Bundesliga nicht über die Zeit gebracht. Beim SC Freiburg setzte es durch ein Eigentor von Manuel Akanji kurz vor Schluss das ebenso vielte 2:2 in Serie. Für Lucien Favre dürfte es eine unbequeme Länderspielpause werden. Daran trägt der Cheftrainer durchaus Mitschuld.

Dass der BVB beim Überraschungsteam aus dem Breisgau nur einen Punkt holt, wäre in der Isolation noch zu verkraften gewesen. Der Sportclub bringt derzeit eine gehörige Wucht mit, schwebt auf der Welle des unerwarteten Erfolgs. Nach zuvor schon zwei Remis bei Eintracht Frankfurt und gegen Werder Bremen, und eingedenk der Auswärtsniederlage bei Union Berlin Ende August aber ergibt sich eine durchaus bedenkliche Gemengelage für den Klub, der vor Saisonbeginn genug Selbstbewusstsein in sich trug, um sich selbst als Titelkandidaten zu deklarieren.

BVB bereitet Kopfzerbrechen

Mehr noch als die inzwischen wiederholt ausbleibenden Ergebnisse in der Bundesliga bereiten die Auftritte von Borussia Dortmund bei Beobachtern Kopfzerbrechen und bei Fans echte Sorgen. Gerade außerhalb des eigenen Stadions gleichen sich die Leistungen der Schwarzgelben inzwischen wie Abziehbildchen. Dabei hat die Mannschaft selbst in schwachen Spielen genügend Qualität, um sich zu Führungen zu mogeln. Wird danach aber derart passiv, dass der große Rückschlag beinahe immer wie eine Frage des Wann und nicht des Ob wirkt. Häufig ist dabei die Rede von alten Mustern, in die die Elf von Favre falle.

Sieg von Mittwoch verpufft

Tatsächlich ist inzwischen aber festzuhalten, dass Borussia Dortmund diese Muster zwischenzeitlich gar nicht mehr abzulegen im Stande ist. Darüber täuscht auch nicht das in Entstehung und Ergebnis schmeichelhafte 2:0 bei Slavia Prag unter der Woche hinweg, dessen Wirkung als so erhoffter ‚dreckiger Arbeitssieg‘ im Breisgau mit jeder Minute mehr zu verpuffen schien. Gegen diesen Trend, der im Grunde genommen seit Jahresbeginn Einzug gehalten hat, findet der BVB bislang keinerlei wirksame Mittel. Dass dies während der kommenden Länderspielpause auf die Füße von Favre fallen dürfte, ist keine mutige Prognose.

Vermeintliche Leistungsträger glänzen allenfalls am Mikrofon

Letztlich ist es schließlich das Kreuz des Cheftrainers, für die Gesamtentwicklung seiner Mannschaft verantwortlich zu sein. Ungeachtet der Tatsache, dass sich vermeintliche Leistungsträger wie Kapitän Marco Reus, Verteidiger Akanji und Torhüter Roman Bürki dieser Tage allenfalls am Mikrofon zu Höchstleistungen aufschwingen, muss Favre dafür gerade stehen, dass die Entwicklung bei Borussia Dortmund ganz gehörig in die falsche Richtung zeigt. Dabei drohen die jüngsten Leistungen sogar, die Geduld des eingefleischtesten Fans der Schwarzgelben auf eine echte Belastungsprobe zu stellen.

Auftritte mit der BVB-DNA nicht vereinbar

Wie die BVB-Mannschaft dieser Tage auftritt, wie sie bei Führungen den sprichwörtlichen Schwanz einzieht und sich in ihr Schicksal regelrecht zu ergeben scheint, das ist dieses Vereins unwürdig. Es ist, noch viel mehr, eines Teams unwürdig, das ernsthaft um die Meisterschaft spielen will. Ganz gleich, wie gering der Abstand zur Konkurrenz sein mag. Borussia Dortmund dürfte seit Amtsantritt von Lucien Favre als Chefcoach nie weiter weg vom Titelgewinn gewesen sein, als Anfang Oktober 2019. Stimmten wenigstens Einsatz in allen Lagen, die Einstellung der Mannschaft und der Wille, sich gegen Negativerlebnisse zur Wehr zu setzen, wäre dies zu verkraften. Jedoch sind die Auftritte in jüngster Zeit mit der zur Schau gestellten DNA von Borussia Dortmund völlig unvereinbar.

Eigentore kosten vier Punkte

Die eigene Passivität wurde dem Team dabei wenig überraschend auch in Freiburg zum Verhängnis. Wer sah, wie sich das Starensemble von Favre nach dem Glückstreffer von Achraf Hakimi in der 67. Minute einigelte, im 4-4-0-2 verteidigte, der musste ahnen, dass sich dies irgendwann rächen würde. Schließlich dürfte er sich wie bei einem Deja-vu an vergangene Misserfolge erinnert gefühlt haben. Dem Ganzen setzt freilich die Krone auf, dass wie schon in Frankfurt ein Eigentor den zweifachen Punktverlust besiegelte. Durchaus sinnbildlich dabei aber, dass es diesmal Akanji erwischte.

Festhalten an Akanji fällt auf Favre zurück

Der Schweizer ist seit Monaten weitgehend außer Form, kann sich der Nibelungentreue seines Cheftrainers bislang aber sicher sein. Das Festhalten von Favre an seinem Landsmann ist seit Wochen schwer zu begreifen, nun dürfte es womöglich auch ein öffentliches Thema werden. Denn nicht nur verursachte Akanji den Ausgleich mit einer unglücklichen Aktion vor dem eigenen Tor. Schon beim 1:1 von Luca Waldschmidt ließ er sich dilettantisch aus seiner Position ziehen. Andere Stellungsfehler ließ der Angreifer zuvor noch glimpflich ausgehen. Natürlich ist in erster Linie der Spieler selbst für seine wiederholten Fehler zu kritisieren. Doch es kommt der Punkt, an dem auf den Trainer zurückfällt, wenn er nicht die logischen Schlüsse daraus zieht.

Harte Gegner nach der Länderspielpause

Bis zum nächsten Bundesligaspiel gegen Favres frühere Liebe Borussia Mönchengladbach wird aufgrund der Reisen zahlreicher Auswahlspieler zu den Nationalmannschaften mit inhaltlicher Arbeit auf dem Trainingsplatz kaum eine große Wende zum Guten erfolgen können. Ein Blick auf den Spielplan zwischen den Länderspielpausen im Oktober und November verdeutlicht aber, wie wichtig genau das wäre. Gegen Gladbach geht es auch im Pokal, in der Champions League gleich zweimal äußerst richtungsweisend gegen Inter Mailand, zudem warten das Revierderby beim wiedererstarkten FC Schalke 04 und der Bundesliga-Schlager beim FC Bayern auf den BVB.

Wann kommt die Trainerdiskussion?

Sofern man sich nicht der Theorie verschreibt, dass Spiele gegen hochwertige Gegner für diese Mannschaft von Borussia Dortmund passender sind als solche, bei denen ein Sieg zwingend erwartet wird, ist das nichts anderes als ein Hammer-Programm. Für das sich der BVB dieser Tage kaum bereit zeigt. Sollten die Schwarzgelben also in den kommenden zwei Wochen um eine große Diskussion nicht zuletzt um die Person und Position von Lucien Favre herum kommen, mag diese womöglich nur aufgeschoben sein.

About Lars Pollmann

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