Borussia Dortmund

Dortmund gelingt gegen Atletico das Meisterstück

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Borussia Dortmund hat die vielzitierte Reifeprüfung am Mittwochabend in der Champions League gegen Atletico Madrid mit Bravour bestanden. Nach dem 4:0-Sieg gegen die allseits anerkannte europäische Spitzenmannschaft ist klar: Der BVB gehört in genau diesen Kreis.

Die ungeschlagene Serie von elf Spielen zu Saisonbeginn vor Anpfiff des 3. Gruppenspieltags der Königsklasse war stets mit einem Sternchen markiert: Einen großen Gegner hatte Dortmund noch nicht vor der Brust. Gute Teams, RB Leipzig oder die TSG Hoffenheim, freilich. Aber eben keinen „echten Brocken“, keinen „Härtetest“ auf höchstem Niveau. Den stellte Atletico trotz des am Ende deutlichen Ergebnisses dar. Die Erkenntnis vom Gala-Abend: Dortmund kann in der aktuellen Verfassung jeden Gegner regelrecht an die Wand spielen.

15 Minuten Leiden

Das Besondere am 4:0-Sieg über den spanischen Top-Klub ist dabei nicht etwa die erneute Leistungsexplosion zum Spielende hin. Trotz dreier Jokertore durch Raphael Guerreiro (73., 89.) und Jadon Sancho (83.). Sondern die Tatsache, dass der BVB die Phase unmittelbar nach der Halbzeitpause überstand. Nach diesen vielleicht 15 Minuten zeigte Dortmund, dass in dieser Mannschaft das Potenzial für etwas ganz Großes steckt. Gleich vier Chancen durch Saul Niguez bedrohten zwischenzeitlich die 1:0-Führung. „Wir mussten extrem leiden“, so Kapitän Marco Reus bei Sky zu dieser Phase der Partie.

Kontrolle zurückerlangt

„Atletico hat das Tempo extrem angezogen“, erklärte er. „Wir standen sehr tief und hatten kaum Ballbesitz.“ Das Glück war Dortmund hold, Saul traf mit einem feinen Schlenzer nur das Lattenkreuz (53.). Doch anstatt sich in das zu diesem Zeitpunkt unvermeidlich wirkende Schicksal zu ergeben und das fällige Gegentor zu kassieren, riss der BVB die Kontrolle wieder an sich. Ein beherzter Lauf von Reus gab neben der Einwechslung Guerreiros den Startschuss. Auch wenn Linksverteidiger Achraf Hakimi ihm den Ball in aussichtsreicher Position vom Fuß nahm. Es zeigte, dass Atletico seine Angriffe unzureichend absicherte und Dortmund wieder mutig sein durfte.

2:0 wie von der Taktiktafel

Auf ihre fußballerische Qualität kann sich die Mannschaft von Favre im Augenblick mit großem Selbstvertrauen verlassen. Der Angriff vor dem vorentscheidenden 2:0 durch Guerreiro wirkte wie vom Schweizer an der Taktiktafel entworfen. Der eingewechselte Mahmoud Dahoud spielte Hakimi frei, der den Ball scharf zurück in den Strafraum. Guerreiro schloss mit etwas Glück ab, doch es war das mindeste, was der BVB in der Szene verdiente. Dortmund gelang eine regelrechte Entzauberung des vermeintlichen Abwehr-Bollwerks der Gäste.

Schlüsselmoment für die Saison?

Dass anschließend noch das dritte und vierte Tor fielen, hatte auch viel mit dem Kräfteverschleiß der in die Jahre gekommenen Defensive Atleticos zu tun, zumal das Team von Diego Simeone weiterhin viele Ressourcen ins Offensivspiel einband. Für Dortmund machten sie aus einem tollen Abend eine neuerliche Fußball-Gala. Doch die eigentliche Erkenntnis war da schon gewonnen: Der BVB hatte im schwersten Saisonspiel die schwerste Phase nicht bloß überstanden, sondern umgekehrt. Sollte es am Ende der Spielzeit Anlass geben, auf ihre Schlüsselmomente zu schauen: Am Mittwochabend lieferte Dortmund ein absolutes Meisterstück ab.

Reus mit einer Warnung

Freilich ist es noch zu früh, an Saisonrückblicke zu denken, und daran, was am Ende der Spielzeit für diese Mannschaft herausspringen mag. „Es wird darauf ankommen, wenn es mal nicht so läuft“, warnte Reus zurecht, dass der „Rausch der vergangenen Wochen“ nicht ewig halten werde. Junge Spieler wie Hakimi oder die Innenverteidiger Abdou Diallo und Dan-Axel Zagadou haben ihre erste echte Reifeprüfung bestanden. Aber es werden weitere kommen, so seine Botschaft. Für die darf sich Dortmund nach diesen 90 Minuten, die für lange Zeit in Erinnerung bleiben werden, jedoch mehr als bereit wähnen.

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