2. Bundesliga

„Dinge, die den HSV umgebracht haben“ – Warum Hecking mit seiner Kritik Unrecht hat

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Seit vielen Jahren diskutieren Fans und Verantwortliche des Hamburger SV über den Druck und die Erwartungshaltung in Hamburg. Wie schwierig ist es in der Hansestadt wirklich, in Ruhe etwas aufzubauen?

Cheftrainer Dieter Hecking nahm das 1:2 gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokal als Anlass, um seine persönliche Meinung zu diesem Thema kundzutun: „Wenn man nach Erfolgen direkt meint, das muss jetzt immer so laufen, dann kann ich nur sagen, man hat es immer noch nicht hundertprozentig verstanden in Hamburg. Genau das sind Dinge, die den HSV in der Vergangenheit immer umgebracht haben. Es wird noch ein weiter Weg. Man kann nicht erwarten, dass man immer so Leistungen wie beim 6:2 gegen Stuttgart [in der Liga, d. Redaktion] sieht.“

Keine Unruhe aufkommen lassen

Was war passiert? Sportvorstand Jonas Boldt, der sich die Spiele in einer Loge auf der Haupttribüne ansieht, habe ihm erzählt, dass es „so wie immer“ gelaufen sei und einige Fans ihrem Unmut über das Ausscheiden in der 2. Runde des DFB-Pokals Luft gemacht hätten. Das sei laut Hecking gefährlich, weil damit Unruhe aufkomme. Der 55-Jährige schießt mit dieser Zurechtweisung einiger weniger Kritiker wohl über das Ziel hinaus. Natürlich müssen Fans und Umfeld verstehen, dass die „großen Zeiten“ des HSV vorbei sind und für den Neuaufbau Geduld erforderlich ist. Es wäre tatsächlich zu viel von dieser Mannschaft verlangt, jeden Gegner in der 2. Bundesliga Woche für Woche an die Wand zu spielen.

Top Zuschauerschnitt

Aber wer und vor allem wie viele haben derart utopische Erwartungen? Das Gegenteil ist der Fall: Die Fans sind den qualvollen Weg vom regelmäßigen Europa-League-Teilnehmer zum Absteiger mitgegangen und haben dem HSV jede Niederlage und Peinlichkeit in den letzten Jahren großzügig verziehen. Noch immer kommen im Schnitt über 47.000 Zuschauer zu den Heimspielen. Dass es darunter auch Kritiker gibt, muss ein Verein wie der Hamburger SV aushalten können. Das gilt natürlich auch für Trainer Dieter Hecking.

About Daniel Jovanov

Daniel Jovanov zählt zu den führenden Reportern in Sachen Hamburger SV. Er berichtet unter anderem für die ZEIT und NDR.de. Seit Sommer 2019 zählt er auch zum Autorenteam von fussball.news. Sein Buch über den HSV „Der Abstieg: Wie Funktionäre einen Verein ruinieren“ (Rowohlt-Verlag; 2018) zählte zu den Bestsellern im Bereich Fußball-Bücher.

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