Bundesliga

Die stille Rache des Sebastian Rudy

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Sebastian Rudy hat wesentlichen Anteil am 2:1-Sieg der TSG Hoffenheim beim FC Bayern. Für den früheren Münchner dürfte der Erfolg mehr als Genugtuung sein.

In der 54. Spielminute luchste Sebastian Rudy Bayerns Corentin Tolisso den Ball ab und passte auf Dennis Geiger, der wiederum Sargis Adamyan die 1:0-Führung auflegte. Die Aktion von Rudy erinnerte an einen Point Guard im Basketball, der bei gegnerischem Angriff mit einem Steal den schnellen Konter einleitet, um für sein Team zu punkten. Rudy ist dies in München in beeindruckender Weise gelungen – ausgerechnet in München!

Rudy wechselte im Sommer 2017 zum FC Bayern

Zur Erinnerung: Als im Winter 2016/17 sein Wechsel von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern bekanntgegeben wurde, da musste Rudy fast jede Woch einem Journalisten nochmal ein Interview geben, um sinngemäß zu betonen: Ja, ich habe die Qualität, um mich beim FC Bayern durchzusetzen! Leider kam es dann anders. Trainer Carlo Ancelotti setzte zwar auf Rudy im Mittelfeld, doch der italienische Starcoach durfte noch nicht wirklich den Umbruch in München einleiten und wurde von den etablierten Spieler abgesägt, wie Präsident Uli Hoeneß damals öffentlich kundtat. Unter Trainer Jupp Heynckes verkam Rudy zur Randnotiz in München: Er switchte zwischen Ersatzbank und Tribüne, Einsätze waren dagegen selten. Erst als die Meisterschaft praktisch gesichert war und die Belastung in der Champions League zunahm, erhielt Rudy wieder Einsätze in der Bundesliga. Im DFB-Pokalfinale etwa, also wenn es darauf ankam, erhielt Rudy keine Einsatzminute. Neuer Auftrieb sollte ihm die WM 2018 mit der deutschen Nationalmannschaft geben, doch Rudy verletzte sich im zweiten Gruppenspiel und die WM war für das DFB-Team bereits nach der Vorrunde beendet.

Wechselschmach von München

Beim FC Bayern übernahm währenddessen Niko Kovac das Regiment, er hatte ein Überangebot an Mittelfeldspielern, Rudy spielte in seinen Planungen eine untergeordnete Rolle, weshalb der Mittelfeldstar sich kurzfristig zu einem Wechsel zu Schalke 04 entschloss. Rudy sollte das Schalker Team, damals amtierender Vizemeister, anführen, doch Rudy wurde nach schwachen Leistungen zum Sündenbock abgestempelt. Von Manager Christian Heidel und Trainer Domenico Tedesco gab es harte Kritik. Die Höchststrafe folgte beim Gastspiel in München im Februar 2019: Rudy hatte sich gerade ein Stück wieder in die Mannschaft gekämpft, als er beim 1:3 beim FC Bayern bereits nach 33 Minuten ausgewechselt wurde. Eine absolute Demütigung, was selbst den FC-Bayern-Fans leidtat.

„Steal-Gott“ Rudy

Im Sommer 2019 beendete Rudy das für ihn unrühmliche Kapitel Schalke 04 und wechselte zur TSG 1899 Hoffenheim zurück. Der 29-Jährige fühlt sich in bewährtem Umfeld wohl – und der Sieg in München dürfte ihm zweierlei Genugtuung verschafft haben. Rudy zeigte seinen Münchner Ex-Kollegen, dass er an guten Tagen internationales Format besitzt – der Steal gegen Tolisso war von Weltklasse-Format. Und: Rudy kann sich mental wieder aufrichten und die Auswechselschmach vom Februar endgültig abhaken.

About Daniel Michel

Daniel Michel, Jahrgang 1981, gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Zuvor war er als freier Journalist u.a. bei Sport1, Eurosport und der Perform Group tätig. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

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