Borussia Dortmund

DFB-Elf ohne BVB-Vertreter: Na und?

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Die deutsche Nationalmannschaft hat am Montagabend ihre Spielzeit 2018 mit einem 2:2 gegen die Niederlande beendet. Unter den 33 Spielern, die Bundestrainer Joachim Löw im Jahr 2018 einsetzte, befindet sich mit Marco Reus nur ein Vertreter von Borussia Dortmund. Dem Bundesliga-Tabellenführer kann das herzlich egal sein.

Ein Kommentar von fussball.news-Autor Lars Pollmann

Die Anhänger des BVB, denen die Nationalmannschaft etwas wert ist, dürften geschmunzelt haben, als sich kürzlich Ralf Rangnick und Rudi Völler über die Medien eine kleine Privatfehde über die Nominierungspraxis des Bundestrainers lieferten. Dass sich der Trainer und Sportchef von RB Leipzig angesichts des Fehlens von Spielern wie Diego Demme, Marcel Halstenberg oder Lukas Klostermann derart echauffierte, dass er sich einen Seitenhieb auf den aktuellen Tabellen-13. und seine drei Nationalspieler nicht sparen konnte, sprach Bände über das Selbstverständnis der Sachsen. Sie suchen die Legitimation durch die DFB-Auswahl, die immer noch als das Flaggschiff des deutschen Fußballs fungiert.

Auch Bayern seit jeher mit großem Interesse an der DFB-Auswahl

Ähnlich ist der FC Bayern seit Jahrzehnten unterwegs. Eine deutsche Nationalmannschaft, die nicht von Spielern der Münchner geprägt ist – das kommt Uli Hoeneß und Co. wie ein Affront vor. Spätestens seit dem 3:2-Sieg der Dortmunder über den Rekordmeister unmittelbar vor der Länderspielpause haben sich die Kräfteverhältnisse hierzulande aber zumindest kurzzeitig verschoben. Der BVB ist, Stand November 2018, klar die beste Mannschaft der Bundesliga. Doch von den Verantwortlichen ist kein Ton zu hören, dass der Klub beim DFB zu wenig repräsentiert sei. Im Gegenteil, die Chefs der Schwarzgelben dürften sogar froh sein, dass einige Spieler nicht in internationalem Einsatz waren.

Zorc erklärte den hohen Anteil an Legionären

Das Selbstverständnis des BVB hat sich noch nie sonderlich stark über die Nationalmannschaft definiert. Das gilt für viele Fans gleichermaßen wie für die Verantwortlichen. Anders als etwa die Bayern würde Dortmund wohl kaum Spieler bevorzugt verpflichten, weil sie dem Verein gegebenenfalls einen weiteren deutschen Nationalspieler bescheren könnten. Sportdirektor Michael Zorc erklärte erst kürzlich, dass eine solche Strategie für den Tabellenführer wirtschaftlich gar nicht darstellbar ist. Stattdessen haben die Schwarzgelben ihre starke Mannschaft mit Spielern aus den unterschiedlichsten Herkünften zusammengestellt.

Nur ein Deutscher in der A-Elf

Zwei Dänen und Schweizer und je ein Belgier, Engländer, Franzose, Marokkaner, Pole und Spanier standen zuletzt neben Kapitän Reus in der A-Elf von Trainer Lucien Favre. Mit Mahmoud Dahoud (bei der U21 aktiv), Mario Götze, Maximilian Philipp und Julian Weigl, sowie dem derzeit verletzten Marcel Schmelzer, gibt es zwar weitere Deutsche mit durchaus nennenswerten Spielanteilen. Sich nachhaltig für die DFB-Elf empfohlen hat sich davon aber zuletzt keiner. Insofern hätte man sich in Dortmund auch nur schwer für ein größeres BVB-Kontingent bei den Länderspielen stark machen können.

WM-Folgen waren 2014 schlimm genug

Ein solches gab es in den Vorjahren durchaus immer wieder mal. Höhepunkt der Entwicklung war die WM 2014, als mit Erik Durm, Kevin Großkreutz, Mats Hummels und Roman Weidenfeller gleich vier Schwarzgelbe Weltmeister wurden. Der BVB profitierte davon nicht. Tatsächlich folgte eine abenteuerlich schlechte Hinrunde, in der selbst jahrelange Leistungsträger wie Hummels und Weidenfeller ihr Niveau seltenst erreichten. Am Ende der Saison standen die Trennung von Jürgen Klopp und Schäden, die den Verein bis heute begleiten. Auch deshalb dürfte in Dortmund niemand ein ernstes Problem damit haben, dass der Tabellenführer für Bundestrainer Löw keine große Rolle spielt.

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