Borussia Dortmund

Dank zweiter Halbzeit: Dieser BVB ist Titelfavorit

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Borussia Dortmund hat am Samstagabend im Sechs-Punkte-Spiel gegen den FC Bayern dank einer erheblichen Leistungssteigerung nach der Pause und großer Moral einen 3:2-Sieg eingefahren. Dabei musste der Tabellenführer eine äußerst schwache erste Hälfte überwinden.

Auf die ein oder andere Weise dürfen sich neben den Optimisten auch die Skeptiker bestätigt fühlen. Die zwei so unterschiedlichen Halbzeiten gegen den Rekordmeister gaben beides her. In den ersten 45 Minuten wirkte es so, als sei der BVB, gerade nach der ersten Saison-Niederlage bei Atletico Madrid, nicht bereit für den größten mentalen Härtetest der Spielzeit. Seltsam passiv kamen die Schwarzgelben daher. Trainer Lucien Favre schien sich gar klassisch vercoacht zu haben, weil er nicht etwa auf den Kämpfer Thomas Delaney oder den Antreiber Mahmoud Dahoud, sondern auf die Passmaschine Julian Weigl neben Axel Witsel setzte.

Experiment Weigl schlägt fehl

Der 23-Jährige ist ein Spieler, der volles Vertrauen in sich selbst benötigt. Dieses kann er zurzeit kaum verspüren, da ihm die Konkurrenz im Zentrum enteilt ist. Ihn ausgerechnet gegen die Bayern zum erst zweiten Mal in der Bundesliga von Beginn zu bringen, wirkte bereits vor der Partie wie ein großes Risiko von Favre. Es wurde prompt bestraft: Weigl spielte unsicher, holte sich eine Gelbe Karte ab und musste bereits zur Halbzeit mehr oder minder erlöst werden. Mit Dahoud kam die offensivere Variante gegenüber Abräumer Delaney, der weithin in der Startelf erwartet worden war.

Umstellung mit großer Wirkung

Lucien Favre wäre aber nicht Lucien Favre, und der BVB im Jahr 2018 nicht der BVB, hätte die beinahe erzwungene Umstellung in der Halbzeitpause nicht viele Probleme gelöst. Dortmund war nun ballsicherer und dynamischer unterwegs, was gerade gegen die müder werdende zentral-defensive Achse der Gäste zwangsläufig zu mehr Zugriff auf das Spiel für die Schwarzgelben führte. War die Spielfeldmitte in der 1. Halbzeit noch bayerisches Hoheitsgebiet, riss Dortmund jetzt mehr und mehr die Kontrolle an sich und konnte seine Konter aus der Zentrale fahren. Der BVB machte nun seine klaren athletischen Vorteile geltend und kam immer wieder zu Überzahlsituationen tief in der gegnerischen Hälfte.

Reus mit Gala-Abend

Letztlich war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Angreifer des Tabellenführers genügend Chancen wahrnehmen und den am Ende durchaus verdienten Erfolg auf den Weg bringen würden. Dass es dafür allerdings unter anderem eines Traumtores per Volley-Schuss von Kapitän Marco Reus bedurfte, passte zur besonderen Angelegenheit des Abends. Es konnte nur der 29-Jährige sein, der sein Team bereits nach dem zwischenzeitlichen 1:1 vom Strafstoßpunkt wachgeküsst hatte. Der Nationalspieler, seit Wochen in herausragender Form, lieferte sein Meisterstück ab, war von den Bayern in der 2. Halbzeit zu keinem Zeitpunkt zu greifen.

Protagonisten wollen von der Meisterschaft nichts wissen

Das M-Wort will der BVB dabei allerdings noch immer nicht hören. „Viel zu früh“ sei entsprechendes Gerede, sagte Reus bei Sky. „Sehr viel zu korrigieren“ habe er, ließ Favre wissen. „Nicht einmal ein Drittel der Saison“ sei gespielt, erinnerte Sportchef Michael Zorc. Es ist der neuen Demut des BVB durchaus abzunehmen, dass die drei Protagonisten ihre Aussagen vollkommen ernst meinten. Es ändert nichts an den Tatsachen: Spätestens seit Samstagabend, circa 20:26 Uhr, ist Borussia Dortmund Favorit auf die Meisterschaft. Sieben Punkte Vorsprung auf den FC Bayern, der selbst mit einer seiner besten Saisonleistungen ohne Punkte aus dem Ruhrgebiet nach Hause reisen musste, sprechen eine eindeutige Sprache.

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