Bundesliga

Coronavirus: Drei erholsame Lehren für Fußball-Deutschland

on

Das Coronavirus lähmt Wirtschaft- und Fußballwelt. Die bislang ergriffenen Maßnahmen der deutschen Politiker und Behörden sind durchaus nachvollziehbar. Um in die Zukunft zu blicken: Fußball-Deutschland kann aus den Folgen des Coronavirus aufschlussreiche Lehren ziehen.

Die Bundesliga setzt die kommenden Wochen wohl auf „Geisterspiele“. Partien also, die ohne Fans im Stadion ausgetragen werden. Den Klub- und Wirtschaftsbossen wird dann erstmals im durchkommerzialisierten Fußball deutlich wie nie vor Augen geführt, dass Top-Spiele ohne Zuschauer und Stimmung kein Premiumprodukt darstellen, sondern biedere Massenware. Sprich: Fußball ist dann kein Millionen-Geschäft mehr wert. Kurioserweise ist die Situation derzeit auch ein Wink an die Ultras in Deutschland: Wenn sie wirklich effizient gegen den Kommerz im Fußball ankämpfen wollen, dann brauchen sie nur ein halbes Jahr alle Fans davon abhalten, ins Stadion zu gehen. So krass es klingen mag: Die Folgen durch das Coronavirus zeigen auf, dass das Wirtschaftswunder im Fußball, das 2006 begonnen hat, sich dem Ende zuneigt.

Stadionbesucher als „Melkkuh“

Schlimmer noch: Über Jahre haben in der Bundesliga tätige Funktionäre die deutsche Öffentlichkeit veräppelt, indem sie sinngemäß behaupteten: „Einnahmen durch das Ticketing machen nur noch einen unwesentlichen Teil aus.“ Die Funktionäre redeten es klein, dass der Stadionbesucher immer mehr Geld am Imbiss und an den anschließenden Fanshops zurücklässt. Nun kommt heraus, dass zum Beispiel Borussia Dortmund bei einem ausverkauften Heimspiel in etwa zwei bis drei Millionen Euro einnimmt. Für Klubs der Bundesliga-Mittelklasse mag ein Heimspiel womöglich nur eine Million Euro einbringen, was aber immer noch in der Kalkulation eine hohe Summe ausmacht. Der Stadionbesucher war eben schon immer ein elementarer Bestandteil der Finanzplanung.

Langfristig werden die Spielergehälter verringert

Nun kann es sein, dass den Klubs mehrere „Geisterspiele“ drohen. Für viele Vereine bedeutet dies ein Millionengrab, zumal ihre Finanzpläne auf Kante genäht sind. Die Finanzjongleure der Bundesligaklubs werden zukünftig in ihren Businessplan eine Notfallsumme einplanen müssen, um auf künftige Katastrophen und Epidemien besser reagieren zu können. Eine gewohnte Regel besagt: Das größte Einsparungspotenzial herrscht bei den Personalkosten vor. Das bedeutet, dass sehr viele Klubs schon bald bei den Spielergehältern Einsparungen vornehmen werden. Sicherlich nicht bei den Top-Stars, ziemlich sicher aber bei den zahlreichen Profis der Kategorie Mittelklasse.

So lebens- und existenzbedrohend für viele Menschen und Firmen die Folgen des Coronavirus aktuell sind, für den deutschen Fußball kann diese Krise auch eine Chance bedeuten: Der Wert der Fans wird mehr wertgeschätzt – das Millionen-Geschäft Fußball dagegen mehr denn je hinterfragt.

About Daniel Michel

Daniel Michel gründete im Dezember 2015 das Nachrichtenportal fussball.news. Er ist zudem Co-Herausgeber einer Fußball-Buchreihe und Autor mehrerer Bücher und Kalender.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.