Bundesliga

Bobic bleibt cool: Die Vor- und Nachteile eines gelassenen Eintracht-Bosses

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Trotz einer schwachen Hinserie in der Bundesliga mit einer Formkurve, die zum Schluss immer weiter nach unten ging, lässt sich Eintracht Frankfurt in Form von Sportvorstand Fredi Bobic nicht aus der Ruhe bringen.

Trainerdiskussion, Transferdruck und Leistungsdelle – manch einer im Frankfurter Umfeld verliert schon die Nerven. Frankfurts Boss aber bleibt unbeeindruckt. Im Erfolgsfall eine Stärke. Findet die Eintracht auch in der Rückrunde nicht zurück in die Spur, könnte Bobic die stoische Ruhe aber auch gehörig um die Ohren fliegen. Der zeigte in seinen dreieinhalb Jahren bei Eintracht Frankfurt allerdings auch deutlich, dass er seiner Linie treu bleibt und nicht in Aktionismus verfällt. Das gefällt nicht jedem.

Bobic hält seinen Trainern die Treue

Schon bei Niko Kovac hatten nach dessen bekanntgewordenem Wechsel zum FC Bayern München viele eine sofortige Entlassung des damaligen Eintracht-Trainers erwartet. Von den Diskussionen ließ sich Bobic allerdings nicht beeindrucken, hielt  vielmehr an Kovac fest und stärkte diesem in der Öffentlichkeit den Rücken. Und das obwohl er intern durchaus mit der Vorgehensweise des Kroaten nicht einverstanden war. Mit dem anschließenden Pokalsieg behielt Frankfurts Sportchef recht und ließ die Kritiker verstummen. Diese Linie behält er nun auch bei Adi Hütter bei. Die sportliche Talfahrt in der vergangenen Rückrunde ließ Bobic nicht vom Coach abrücken. Nach der Niederlage in Paderborn stellte er sich vor den Österreicher und machte deutlich, dass es in Frankfurt keine Trainerdiskussion gebe. Schon Mitte November, als die Krise der Hessen noch gar nicht in Sicht war, machte Bobic gegenüber Sky deutlich: „Einem Trainer das Gefühl zu geben, dass er sich entfalten kann und die Zeit bekommt, ist für mich das Wichtigste. Er kann auch zwei, drei Spiele verlieren und es passiert gar nichts“. Eine solch vorgelebte Loyalität ist in der Bundesliga fast schon einzigartig. Problematisch wird das allerdings, wenn Hütter sein Team in der Rückrunde nicht wieder in die Spur bringt. Dann wird Bobic sich vorwerfen lassen müssen, dass er den geeigneten Zeitpunkt für einen Trainerwechsel in der Winterpause verpasst hat. Aktuell aber lässt die vorgelebte Ruhe in der Trainerdiskussion auch das Umfeld größtenteils verstummen.

Kein Aktionismus in Sachen Transfers

In den sozialen Medien fordern die Eintrachtfans schon seit Öffnung des Transferfensters am 1. Januar fast minütlich die offizielle Vorstellung von Neuzugängen. Dass den Hessen die eine oder andere Verstärkung sicherlich gut tun würde, ist unstrittig. Doch Bobic stellte sich nach dem letzten Spieltag vor die Medienvertreter und verkündete: „Keiner von uns ist der Meinung, dass wir brutal aktionistisch auf Teufel komm raus auf dem Transfermarkt handeln müssen. Es ist kein Muss, dass wir etwas machen.“ Wenn sich die Möglichkeit ergebe und alle Parameter stimmen, sei es aber dennoch denkbar. Bobic behält auf dem Transfermarkt in einer Regelmäßigkeit die Ruhe. In der Vergangenheit bestach er dabei auch immer wieder mit der nötigen Geduld, auch auf den letzten Drücker einen Transfercoup stemmen zu können. Die Beispiele Ante Rebic und Martin Hinteregger haben das eindrucksvoll gezeigt. Doch klar ist auch, dass das Umfeld die Schwachstellen der Mannschaft erkannt hat und entsprechend unruhig werden könnte, wenn am Ende tatsächlich kein Spieler mehr verpflichtet wird. Die „Büffelherde“ konnte im vergangenen Transfersommer nicht adäquat ersetzt werden, der gewünschte Anstieg der spielerischen Qualität blieb aus. Zeit für Korrekturen hat Frankfurts Sportvorstand allerdings noch. Gelingt das nicht, könnte ihm auch hier die gelebte Ruhe zum Verhängnis werden.

Gelebte Rückendeckung in der Öffentlichkeit

Bobic bleibt in der Öffentlichkeit im Hinblick auf seine Spieler und Trainer immer loyal. In der Rückserie warf man ihm deutschlandweit dabei in der Causa David Abraham auch falsche Werte vor, als er den Vorfall mit Freiburgs Trainer Christian Streich runterspielte und den Spieler in Schutz nahm. Doch der ehemalige Stuttgarter lässt sich davon nicht beirren, bleibt seiner Linie treu. In der Mannschaft kam die Rückendeckung für Frankfurts Kapitän positiv an. Nach der schlechten Hinserie stellte sich Bobic auch vor die Mannschaft und hob deren durchaus schon gezeigte Qualitäten hervor. Mit Kritik hält sich der 49-Jährige in der Öffentlichkeit zurück. Intern allerdings zeigt er bisweilen durchaus auch ein anderes Gesicht. Dennoch könnte auch die gelebte, öffentliche Rückendeckung beim Anhalten der Krise wie ein Boomerang als Vorwurf zurückkommen. Die Ruhe des Fredi Bobic kann im Erfolg ein absolut wichtiger Faktor sein, im Misserfolg allerdings hat der ehemalige Nationalspieler dann nur noch wenige Argumente.

About Benjamin Heinrich

Benjamin Heinrich, Jahrgang 1990, ist Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und zählt seit der Saison 2019/20 zum Autorenteam von fussball.news.

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