Bundesliga

Bayern und das Ego: Warum für Demichelis bis Alaba die taktische Position so wichtig ist

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Stammplatzgarantie, hohe Gehälter, Titelgewinne fast jede Saison: Ein Traum für wohl alle Bundesligaspieler. Manchem beim FC Bayern ist allerdings selbst das nicht genug.

David Alaba ist das aktuellste, aber längst nicht das einzige Beispiel: Der 27-jährige Österreicher steht beim deutschen Rekordmeister regelmäßig von Beginn an auf dem Platz, gehört bei Bayern zu den Topverdienern, hat mit acht deutschen Meisterschaften, fünf DFB-Pokalsiegen und dem Triple 2013 alles erreicht, was es auf Vereinsebene zu erreichen gilt. Dennoch ist Alaba unzufrieden, liebäugelt mit einem möglichen Wechsel zu Real Madrid oder zum FC Barcelona. Mit ein wesentlicher Anlass laut Sport-Bild: Der Bayern-Außenverteidiger, der derzeit in der Innenverteidigung spielt, strebt die Position des zentralen Mittelfeldspielers an, die er auch in der österreichischen Nationalelf bekleidet.

Franck Ribery forderte wütend seine Position auf der linken Außenbahn ein

Alaba folgt hier schon fast einer Tradition bei Bayern-Spielern: Franck Ribery soll 2009 Trainer Louis Van Gaal wütend angegangen sein, da der ihn als Spielgestalter und nicht als linker Flügelflitzer einsetzen wollte. Noch 2019 rechnete der Niederländer im Interview mit France Football mit Ribery ab: „Er dachte immer mehr an sich als an die Mannschaft.“ Martin Demichelis verweigerte gar seinem damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld 2008 die Positionierung im defensiven Mittelfeld. Er sei Innenverteidiger. Punkt. Demichelis wurde daraufhin von Hitzfeld suspendiert, kehrte aber alsbald auf seine gewünschte Position wieder zurück.

Individueller Marktwert kommt vor dem allgemeinen Nutzen für das Team

Was treibt diese Spieler an, der Position, auf der sie nach Meinung des Trainers der Mannschaft am meisten nützen würden, ihre Wunschposition vorzuziehen? Fast sieht es so aus, als wollten viele Spieler – erstmal auf der Topbühne FC Bayern angekommen – ab sofort vor allem ihren eigenen, individuellen Marktwert puschen. Egal, ob dieser sich dann in einem Wechsel zu einem vermeintlich noch größerem Club oder in einer Vertragsverlängerung inklusiver satter Gehaltserhöhung widerspiegelt. Und dieser Marktwert lässt sich eben am besten auf der Position steigern, wo man sich am wohlsten fühlt und vermeintlich am deutlichsten seine Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.

Philipp Lahm zeigt, wie es anders geht

Dass es auch anders geht, stellte Philipp Lahm unter Beweis. Der legendäre FC Bayern-Außenverteidiger wollte, vom damaligen Trainer Pep Guardiola angespornt, ab der Saison 2013/14 lieber das Spiel gestalten und wurde somit – auch in der DFB-Elf – auf die zentrale Sechser-Position befördert. Während der WM 2014 – nach einem fast misslungenen Auftritt der DFB-Elf im Achtelfinale gegen Algerien und der Verletzung von Rechtsverteidiger Shkodran Mustafi – rückte Lahm im Viertelfinale gegen Frankreich ohne Murren zurück auf seine alte Position. Und wurde eben dort mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister.

About Christoph Kastenbauer

Christoph Kastenbauer startete seine Karriere beim Münchner Merkur als Zeitungsredakteur. In vielen Bereichen tätig, u.a. als Autor und Copywriter, verschlug es ihn dann wieder zurück zum Sportjournalismus. Seit 2020 verstärkt er die Redaktion von fussball.news.

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