Bundesliga

Ausgebootet statt Führungsspieler: Was Eintracht bei da Costa verpasste

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Danny da Costa spielte sich bei Eintracht Frankfurt in der Saison 2018/19 als Stammspieler auf der rechten Außenbahn bis in den Fokus der Nationalmannschaft. Der Sprung vom Leistungsträger zum Führungsspieler wäre logisch gewesen. Doch in der laufenden Runde ist der 26-Jährige bei den Hessen bisweilen nur noch zweite Wahl. Eine Situation, die nur Verlierer kennt.

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Nachdem Danny da Costa im Mai 2018 mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal gewann und im Finale über die volle Distanz spielte, absolvierte der gebürtige Neusser in der Folgesaison 2018/19 unter dem damals neuen Trainer Adi Hütter 50 Pflichtspiele, stand dabei in allen 34 Spielen in der Bundesliga auf dem Feld und konnte getrost das Prädikat „unverzichtbar“ für sich beanspruchen. Auf der Bank ging stetig die Angst umher, wenn der Rechtsverteidiger auf dem Platz auch nur einmal mit schmerzverzerrter Miene auf dem Boden lag. Verletzen durfte er sich nicht, fehlte über weite Teile der Saison doch ein Back-Up für den ehemaligen Leverkusener im 3-4-3 auf der rechten Seite. Mit wettbewerbsübergreifend neun Torbeteiligungen zeigte da Costa neben Einsatzwille und Kampfgeist auch durchaus seine Offensivqualitäten, die Rufe nach der Nationalmannschaft wurden zwischenzeitlich immer lauter.

Da Costa torgefährlicher denn je

Als Leistungsträger in die aktuelle Saison gestartet, musste da Costa immer wieder Rückschläge hinnehmen. Die Monopolstellung auf der rechten Seite der Hessen verlor er durch die Rückkehr von Timothy Chandler, der Verpflichtung von Weltmeister Erik Durm und der Versetzung von Almamy Toure. Von 28 Ligaspielen stand da Costa lediglich zwölfmal in der Startelf, in der Rückserie gar nur zweimal, einmal davon bei der Auswärtspleite in München als offensiver Rechtsaußen. Die Verunsicherung war beim Rechtsfuß durch das schwindende Vertrauen immer wieder zu spüren, das Selbstvertrauen litt darunter merklich. Dabei kann sich der Blick auf die reinen Statistiken durchaus sehen lassen. Mit elf Scorerpunkten (drei Tore, acht Vorlagen) in 31 Spielen war da Costa in der laufenden Saison offensiv gefährlicher als in der Vorsaison und das obwohl er bislang weniger als die Hälfte an Pflichtspielminuten absolvierte. Den Sprung zum Führungsspieler hat der meinungsstarke und im Team durchaus beliebte Verteidiger aber verpasst.

Neue Führungsspieler werden bei der Eintracht gebraucht

Die Gründe dafür sind allerdings vielfältig. Die Verantwortlichen der Eintracht haben es dabei versäumt, einen Spieler, der sich mit dem Verein identifiziert, seinen Vertrag schon im Winter 2018 vorzeitig bis 2022 verlängert hat und mit seiner Verlobten in der Region sesshaft geworden ist, mittelfristig als potentiellen Führungsspieler aufzubauen. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass zeitnah wohl ein Umbruch im Führungskreis des Teams ansteht, ein riskantes Unterfangen. Durch das Karriereende von Leader Gelson Fernandes, den durchaus möglichen Abgängen von Kapitän David Abraham, Ur-Gestein Marco Russ und des hohen (Fußballer-)Alters von Makoto Hasebe, droht eine große Lücke. Mit Stefan Ilsanker verpflichteten die Frankfurter zwar im Winter einen Wunschsspieler Hütters, der Verantwortung übernehmen soll. Im Team muss sich der am Mikrofon offensive Österreicher diesen Status aber durchaus erst noch erkämpfen.

Verhältnis zu Hütter angespannt

Mit da Costa hingegen wäre jener Führungsspieler schon in den eigenen Reihen gewesen, doch die Kommunikation mit Coach Adi Hütter gestaltet sich schwierig. Das Verhältnis ist angespannt, wie fussball.news bereits schon Ende Februar berichtete. Der 50-jährige Österreicher setzte den gelernten Rechtsverteidiger zuletzt immer wieder auf ungeliebter Position in der Offensive ein und hielt auf dessen angestammter Position trotz dessen durchwachsener Leistungen seit dem Re-Start der Bundesliga bis zum Wolfsburg-Spiel an Toure fest. Vier-Augen-Gespräche mit dem Trainer gab es seit der Coronakrise ohnehin nicht, wie da Costa zuletzt in einer virtuellen Presserunde kundtat. Hütter nimmt da Costa als Führungsspieler offensichtlich nicht wahr. Dabei hat dessen Wort im Team durchaus Gewicht, auch junge Spieler wie Sahverdi Cetin holen sich Rat beim 26-Jährigen.

Zeichen stehen aktuell wohl auf Abschied

Der fiel auch immer wieder damit auf, dass er über den Tellerrand hinaus blickt, selbstkritisch und reflektiert agiert – alles Eigenschaften, die einem Führungsspieler neben der Einsatzbereitschaft auf dem Platz gut zu Gesicht stehen. Doch die Eintracht verpasste den nächsten Schritt mit da Costa, ihn auch sportlich zu stützen, als Leader aufzubauen und neben den Rückkehrern Kevin Trapp und Sebastian Rode zum Gesicht der Zukunft zu machen. Einer der wenigen überregionalen Sympathieträger der Hessen ist er ohnehin schon – sei es mit einer klaren Haltung im Kampf gegen Rassismus oder humorvollen Interviews und Selbstinterviews. Sollte sich die sportliche Situation unter Hütter allerdings nicht noch schlagartig ändern, stehen die Zeichen aktuell wohl auf Trennung. Eigene Ambitionen, den Verein verlassen zu wollen, hegte da Costa bislang keineswegs, fühlt er sich doch in Stadt und Verein an sich pudelwohl. Doch mit seinen 26 Jahren steht er nun auch sportlich am Scheideweg seiner Karriere.

About Benjamin Heinrich

Benjamin Heinrich, Jahrgang 1990, ist Mitglied im Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) und zählt seit der Saison 2019/20 zum Autorenteam von fussball.news.

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