Bundesliga

Auf dem Transfermarkt: Diese Schritte muss Eintracht als nächstes gehen

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Eintracht Frankfurt hat in diesem Sommer so viel Geld wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte in die Hand genommen und den Kader für rund 60 Millionen Euro verstärkt – qualitativ und in der Breite! Doch schon jetzt müssen die Weichen für die kommenden Transferperioden gestellt werden. Auf welchen Positionen herrscht dringender Nachholbedarf? Eine Übersicht.

Fredi Bobic, Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt, erklärte im Frühjahr im Check24 Doppelpass auf Sport1, worauf es bei der Transferstrategie der Hessen ankäme: „Talent haben alle Spieler, aber die für uns interessanten müssen eine gewisse Mentalität haben, deshalb schaue ich immer eine Schublade unter den ganz Großen – bei denen, die sich bei uns entwickeln können.“ Übersetzt lautet dies: Schneller sein als die Mannschaft, die sich auf Augenhöhe bewegen und eine klare Strategie haben. Bobic hat genau dafür das Scoutingsystem seit seiner Ankunft im Juni 2016 auf ein ganz neues Niveau gehoben und mit Ben Manga seine Vertrauensperson installiert. Inzwischen wird nicht nur in Europa, sondern auch in Südamerika genau hingesehen. Dadurch konnten begabte Akteure wie Sebastien Haller, Luka Jovic, Ante Rebic, Evan N’Dicka oder Omar Mascarell an den Main gelockt, weiterentwickelt und teilweise sehr teuer verkauft werden.

Eintracht konnte Neuzugänge langfristig binden

Umbrüche sind dabei eine Selbstverständlichkeit, doch in diesem Sommer konnte der Klub erstmals neue Wege gehen. Die Neuzugänge wurden allesamt langfristig für vier oder fünf Jahre verpflichtet, komplizierte Klauseln und Weiterverkaufsbedingungen wurden auf ein Minimum reduziert. Die Eintracht konnte die Einnahmen in diese Bereiche investieren und befindet sich dadurch in einer neuen Ausgangsposition. Das Gerüst steht und darauf kann aufgebaut werden. Doch was fehlt den Hessen derzeit noch, damit auf Dauer sogar der Sprung in die Champions League gelingen kann?

Frankfurt braucht in der Offensive noch mehr Tempo

Mit Rebic haben die Hessen an Tempo verloren. Der Kroate agierte technisch zwar nicht auf Topniveau, doch seine Geschwindigkeit war vor allem bei Kontersituationen enorm wichtig. Dieser Faktor fehlt derzeit bei den Frankfurtern, mit Ausnahme von Filip Kostic gibt es keinen typischen Sprintertypen im Kader. Natürlich: Durch Djibril Sow, Daichi Kamada oder Andre Silva wurden Handlungsschnelligkeit, Flexibilität und Technik deutlich erhöht. Um noch unausrechenbarer zu werden, benötigt Trainer Adi Hütter Speed in der Offensive. Dieses bringen die drei Angreifer Silva, Bas Dost und Goncalo Paciencia nicht im herausragenden Bereich mit.

Kein richtiger Ersatz für Kostic

So gut das Zentrum auch besetzt ist: Für Kostic gibt es keinen wirklichen Ersatz, für ihn müsste ein Rechtsfuß wie Timothy Chandler, Danny da Costa oder Erik Durm auf der falschen Seite agieren. Außerdem steht nicht fest, ob der Serbe auch über das Jahr 2020 hinaus bleibt. Zudem kann Hütter nur schwer auf sein Lieblingssystem mit Viererkette zurückgreifen. Dafür fehlen vor allem offensive Flügelspieler, Mijat Gacinovic oder da Costa wären nur Notlösungen in dieser Rolle. Der jetzige Kader bietet Rotationsmöglichkeiten, allerdings ist er auf das System mit Dreierkette ausgelegt. Bobic ist gefragt, Spieler für mehr taktische Variabilität zu finden…

Nächster Umbruch wird die Abwehr betreffen

… und die Abwehr zu verstärken. Kapitän David Abraham kämpft erneut mit Verletzungssorgen, die Wade bereitet regelmäßig Probleme. Der Argentinier wird, wie auch der aktuell verletzte Marco Russ oder Libero Makoto Hasebe, nicht jünger. Da Simon Falette in den Planungen von Hütter nur noch eine untergeordnete Rolle spielt, stehen ihm mit Martin Hinteregger, N’Dicka und Almamy Toure drei Akteure mit Potenzial zur Verfügung. So souverän Hasebe aktuell noch agiert: Schon jetzt muss für den Fall der Fälle nach einer dauerhaften, zukunftsträchtigen Alternative gefahndet werden. Hinteregger kann punktuell einspringen, ist aber in der Innenverteidigung am stärksten. Ansonsten bietet der Kader keinen Alternative zu dem 35 Jahre alten Japaner. In der Abwehr – das zeigt der Blick auf die Altersstruktur – wird der nächste Umbruch anstehen.

Die zentralen Fragen

Innenverteidigung, Flügelspieler und Geschwindigkeit: Nachdem die Eintracht dem Zentrum einen neuen Anstrich verpassen und die spielerische Qualität erhöhen konnte, stehen nun die Außenbahnen im Blickfeld. Da mit Hasebe die Schlüsselfigur der Dreierkette nicht mehr wird ewig spielen können, müssen die nächsten Schritte sitzen: Wird mit Blick auf eine Viererkette eingekauft? Kann Hütter sein Wunschsystem 4-4-2 einstudieren? Oder bleibt der Klub bei der Dreierabwehrreihe und findet perspektivisch einen Ersatz für Hasebe? Nur einen Monat nach dem Ende der Transferperiode müssen diese zentralen Fragen geklärt werden – damit Ben Manga und sein Team die nächsten Perlen fischen können.

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