Bundesliga

3 Gründe, warum Rebic frustriert ist

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Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Das Thema Ante Rebic polarisiert bei Eintracht Frankfurt. Vor dem so wichtigen Rückspiel in den Playoffs der Europa League gegen Racing Club Straßbourg steht der Kroate im Kreuzfeuer der Kritik. Können sich der frustriert wirkende Spieler und Trainer Adi Hütter für das „wichtigste Spiel der Saison“ – wie es von Torhüter Kevin Trapp bezeichnet wird – noch einmal zusammenreißen? Bei der 0:1-Niederlage im Elsass kochten die Emotionen, die sich über einen längeren Zeitraum angedeutet hatten, über.

Ante Rebic hat Eintracht Frankfurt bereits im Frühjahr vehement klar gemacht, dass er eine neue Herausforderung bei einem anderen Klub suchen werde. Wie fussball.news aus gut unterrichteten Kreisen in Frankfurt erfahren hat, wurde sein Frust über die aktuelle Situation erstmals bei der Abschlussreise nach China im Mai deutlich. Der 25-Jährige soll damals bereits keinen Hehl um seine schlechte Stimmungslage gemacht haben, was im Team nicht unbeobachtet blieb. Die Wechselgerüchte rund um die Sturmpartner Luka Jovic und Sebastien Haller – die von Topklubs umworben wurden – hatten ihr Übriges dazu beigetragen.

Frustfaktor 1: Top-Angebote für Sturmpartner – fehlende Offerten für Rebic

Rebic konnte dafür nur wenig Verständnis aufbringen. Der Held des DFB-Pokal-Finales 2018 und Vize-Weltmeister war offenbar vor allem bei Jovic der Überzeugung, dass dieser nur durch dessen Vorlagen und Läufe so glänzen konnte. Der Stachel saß tief, weshalb Rebic auf dem Feld vor allem mit sich und seiner persönlichen Lage beschäftigt wirkte. Nach Ballverlusten blieb er desöfteren stehen, winkte ab und ließ seinem großen Ärger freien Lauf. Rebic den Vorwurf zu machen, er spiele lustlos, wirkt jedoch nicht stimmig. Gegen Waldhof Mannheim etwa rettete er mit einem Dreierpack (5:3) das Weiterkommen. Das Frustpotenzial bei Rebic ist dennoch groß: Während Jovic und Haller schnell attraktive Angebote hatten und dem Klub – ohne jeglichen Abzüge – rund 110 Millionen Euro einbrachten, zeigte sich bei ihm bislang hingegen kein Verein bereit, die geforderten 40 Millionen Euro, von denen die Hälfte der Summe in Richtung Ex-Klub AC Florenz fließt, zu zahlen.

Frustfaktor 2: Hütter vermied bislang ein klares Bekenntnis zu Rebic

Der Offensivmann muss bislang in Frankfurt bleiben, die teilweise in der Öffentlichkeit als Abnehmer gehandelten Vereine Atletico Madrid und Inter Mailand waren (bislang) wohl nicht überzeugt genug, die Summe zu bezahlen. Auch die Gerüchte rund um den FC Bayern München sind – Stand jetzt – trotz der guten Beziehung zu Coach Niko Kovac als unrealistisch einzuordnen, nach Sport Bild-Informationen will der deutsche Rekordmeister keine weiteren Neuzugänge verpflichten. Das Problem: Bei Hütter ist Rebic nach dessen provokantem Verhalten der vergangenen Wochen und Monaten offenbar auch nicht mehr unumstritten. Der Trainer bekannte sich bei Nachfrage nicht vollständig zu seinem Angreifer und ließ immer wieder das Türchen offen, dass doch noch etwas in dieser Transferperiode passieren könne. Nach der schwachen Leistung gegen Straßbourg platzte Hütter der Kragen und er wurde ungewohnt deutlich: „Wenn er hierbleiben möchte, dann soll er das zeigen – und wenn nicht, dann müssen wir eine Lösung finden.“

Frustfaktor 3: Die falsche Position

Rumms! Im Elsass brachte Rebic aber nicht nur den Coach, sondern nach fussball.news-Informationen endgültig auch die Führungsspieler gegen sich auf. Als Ein-Mann-Stürmer – in denen er zuerst in der Bundesliga gegen die TSG Hoffenheim (1:0) und dann auch in Straßbourg permanent auf massierte Dreier- oder Fünferketten zulief und nicht durchkam – fühlte sich der Nationalspieler verloren und nicht wirklich von seinen Teamkollegen und dem Trainer unterstützt. Stattdessen wich er auf den Flügel aus und agierte auf seiner Wunschrolle. Dort hatte er aber keine Abnehmer in der Mitte und tauchte im Laufe der Partie mehr und mehr ab. In der Halbzeit machte Rebic unmissverständlich klar, für diese Partie nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Er soll – hier decken sich fussball.news-Informationen mit denen von Sport Bild – sich ausgezogen und wortlos in Richtung Dusche bewegt haben. Hier prallen zwei unterschiedliche Sichtweisen aufeinander: Während Rebic sich taktisch nicht nicht richtig eingesetzt sieht, werfen ihm Trainer und Führungsspieler zu wenig Einsatzbereitschaft vor. Torhüter Kevin Trapp hatte danach – ohne einen Namen zu nennen – zwischen den Zeilen zu verstehen gegeben, was er von der Leistung des Stürmers hielt: „Wir haben in der ersten Hälfte extrem viele Räume gelassen, weil nicht alle mitgearbeitet haben.“

Die zentrale Frage: Können Rebic und Trainer Hütter nach den Vorfällen noch einmal zusammenfinden?

Durch dieses Thema herrscht Unruhe zur Unzeit bei den Frankfurtern. Am Donnerstag wartet gegen Straßbourg das „wichtigste Spiel des Jahres“, wie Torhüter Trapp nicht nur einmal betonte. Rebic kehrte zwar ins Training zurück. Doch können sich alle Parteien noch einmal ganz pragmatisch für 90 Minuten – oder mehr – zusammenreißen? In der Partie bei RB Leipzig (1:2) wurde trotz sehr gefälliger Leistung der Eintracht deutlich: Ein Rebic kann dem Klub bei richtiger Einstellung mit seiner Wucht helfen und dem Gegner Probleme bereiten. Doch nur wenn der Kroate klar im Kopf und fokussiert ist, zeigt sich sein Wert. Hütter wird sich auf sein Gefühl nach den Gesprächen mit dem Offensivmann verlassen müssen. Klar ist: Rebic kann nur dann aufgestellt werden, wenn die Bereitschaft stimmt, individuelle Klasse alleine darf bei aller Wichtigkeit der Partie keine Rolle spielen. Die Qualitäten helfen nicht, wenn das Team im Gesamten keine Harmonie findet. Für die Eintracht ergibt sich daraus insgesamt eine komplizierte Position: Die Konkurrenz weiß, wie sehr der Baum rund um Rebic brennt – was auf Kosten der Ablöse gehen könnte. Die Hessen ihrerseits benötigen aber dann dringend Ersatz, wobei das Transferfenster nur noch bis Montag geöffnet ist.

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