Bundesliga

1 Punkt gewonnen – oder 2 verloren? Eintracht-Remis lässt Fragen offen

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Eigentlich ist der Jubel groß, wenn eine Mannschaft nach einem 1:3 noch 3:3 spielt. Doch bei Eintracht Frankfurt war nach dem Ende der Partie gegen den SC Freiburg vor allem die Enttäuschung greifbar. Wie ordnet man das Ergebnis am Main nun ein?

Aus Frankfurt berichtet fussball.news-Reporter Christopher Michel

Am Ende waren sich die Statistiker nicht mehr einig darüber, wie oft Eintracht Frankfurt auf das Tor des SC Freiburg geschossen hat. 35mal? 36mal? Oder doch 39mal? Gefühl, sagte Trainer Adi Hütter zurecht, habe es Abschlüsse im Minutentakt gegeben. Die Hessen waren dem Gegner aus dem Breisgau hochüberlegen, manch einer spekulierte nach Abpfiff darüber, dass die Büffelherde um Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic dem völlig überforderten Kontrahenten sieben oder acht Treffer eingeschenkt hätte.

xG-Wert bei 4,41

Dazu hätten auch Bas Dost, Daichi Kamada und Andre Silva die Chance gehabt. Der xG-Wert (Expected Goals) lag bei 4,41. Zur Erklärung: Das Expected-Goal-Modell zeigt auf, wie hoch die Chance auf das Tor wirklich war und berechnet für jeden Abschluss anhand mehrerer Faktoren einen Wert. Sprich: Die Eintracht hatte Möglichkeiten in Hülle und Fülle, Freiburgs Wert etwa lag bei 0,82 – mit nur wenigen Großchancen.

Hütter nach Remis enttäuscht

So war der Jubel bei der Eintracht, obwohl das Team einen 1:3-Rückstand aufholte, am Ende nicht laut. Was zunächst paradox klingt, lässt sich statistisch eindeutig belegen – es gab nur ein Team, das den Sieg verdient gehabt hätte. „Wir wollten unbedingt gewinnen und sind daher nicht zufrieden mit dem einen Punkt“, sagte Hütter. Im Fokus standen neben der Chancenflut auch die vielen Patzer in der Defensive. Jeder Schuss ist derzeit ein Treffer, Torhüter Kevin Trapp hat seit dem Re-Start gefühlt noch keinen Ball gehalten. Wenn die Gegner abschließen, dann zumeist in der gefährlichen Zone – und kommt doch mal ein Ball von außerhalb des Strafraums, wird dieser unhaltbar abgefälscht.

Bei der Eintracht bleiben viele Fragen offen

Die Partie gegen Freiburg lässt also viele Fragen offen. Hat man einen einen Punkt gewonnen – oder deren zwei verloren? Ist der erste Punktgewinn nach fünf Bundesliganiederlagen gleichbedeutend mit einem turnaround? Hat die starke Leistung mitsamt der Aufholjagd für dringend benötigtes Selbstvertrauen gesorgt? Konnte Hütter mit dem Systemwechsel die Wende einleiten? Aber auch: kann der Chefcoach die Probleme in der Defensive lösen? Bleiben die beiden Stürmer Dost und Silva fit bis Ende Juni? Und werden sie vor dem gegnerischen Tor effektiver?

Positive Aspekte unübersehbar

Doch auch positive Aspekte sollten nicht unerwähnt bleiben: Die Spielfreude war erstmals wieder sehr groß, die Anzahl an Chancen spricht auch für die große Wucht, die die Mannschaft – optimal auf- und eingestellt – haben kann. Zudem konnte die Eintracht in der Schlussphase eine Schippe drauflegen, während die eigentlich so laufstarken Breisgauer platt wirkten. Und: Auch ohne Fans zeigte das Team bei einem klaren Rückstand die nötigen Eigenschaften Emotionalität, Mut und Moral.

Was macht Düsseldorf?

Mit nun 29 Zählern auf dem Konto werden die Hessen gespannt schauen, wie sich Fortuna Düsseldorf gegen den FC Schalke 04 behauptet. Bei einem Sieg der Rheinländer wäre Relegationsrang 16 nur noch zwei Punkte entfernt – und die Sorge im aktuell unruhigen Umfeld der Frankfurter würde weiter steigen. Was dieses Unentschieden also wert war, wird sich möglicherweise erst nach dem 34. Spieltag erahnen lassen. Aktuell ist es nur ein Remis, das viele Fragen offen lässt.

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