Wie Mourinho und Guardiola?

Zoff an der Linie: Wird Tuchel vs. Conte das neue Trainer-Hass-Duell?

Thomas Tuchel und Antonio Conte gerieten am Sonntag aneinander (v.l.). Foto: Getty Images.
Thomas Tuchel und Antonio Conte gerieten am Sonntag aneinander (v.l.). Foto: Getty Images.

Während des Premier-League-Duells zwischen dem FC Chelsea und Tottenham Hotspur am Sonntag (2:2) rückten die beiden Trainer, Thomas Tuchel und Antonio Conte, in den Vordergrund. War die doppelte Auseinandersetzung der Beginn einer neuen Trainerfeindschaft?

Thomas Tuchel und Antonio Conte sind zwei emotionale Coaches, und beide ließen sich am Sonntag vom intensiven Duell ihrer Mannschaften mitreißen. Nachdem der FC Chelsea in der 19. Minute durch Kalidou Koulibaly in Führung ging und Pierre-Emile Höjbjerg nach 68 Minuten das zwischenzeitliche 1:1 erzielte, jubelte Spurs-Coach Antonio Conte frenetisch über den Treffer seiner Spurs, woraufhin der Italiener erstmals mit Tuchel aneinandergeriet. Zwar traf Reece James in der 77. Minute zur erneuten Führung der Blues und Harry Kane in der 96. Minute zum 2:2-Endstand, über das furiose Finale an der Stamford Bridge sprach nach dem Spiel aber kaum jemand - vielmehr standen erneut Tuchel und Conte im Vordergrund. Zwischen beiden Trainern entwickelte sich beinahe ein Handgemenge, nachdem Conte Tuchel beim Handshake nicht in die Augen sah und dieser ihn daraufhin fest am Arm packte. Schiedsrichter Anthony Taylor sah sich nach der Deeskalation dazu gezwungen, beiden die Rote Karte zu zeigen. 

 

 

Während Tuchel die Auseinandersetzung mit Conte nach dem Schlusspfiff herunterspielte (fussball.news berichtete), legte letztgenannter in der Nacht auf Montag via Instagram nach. Der Spurs-Coach kommentierte einen Clip, auf dem zu sehen ist, wie Tuchel beim Jubel über das 2:1 an ihm vorbeilief, mit den Worten: "Zum Glück habe ich dich nicht gesehen. Dir ein Bein zu stellen, wäre wohlverdient gewesen." Den Schlusspunkt setzten lachende Emojis, diese deuten aber ebenso wenig wie die TV-Bilder darauf hin, dass das Wiedersehen in der Premier League friedlich verlaufen wird. Stattdessen erinnerte der Sonntagnachmittag an einige historische Trainerfeindschaften der vergangenen Jahre, die fussball.news noch einmal beleuchtet.

Jupp Heynckes vs. Christoph Daum

In der Bundesliga-Saison 1998/89 duellierten sich der FC Bayern und der 1. FC Köln um die deutsche Meisterschaft. Den Höhepunkt der Rivalität stellte das Spitzenspiel am 31. Spieltag dar. Vor dem direkten Aufeinandertreffen lag Bayern mit zwei Punkten vor dem FC an der Tabellenspitze, doch viel eher als der 3:1-Sieg der Münchner ist das im Vorfeld ausgetragene Streitgespräch zwischen Daum und Heynckes im "Aktuellen Sportstudio" des ZDF im Gedächtnis geblieben. Heynckes störte sich an "massiven Beleidigungen" von Daum, der ihn "unterhalb der Gürtellinie" getroffen habe. Der damalige FC-Coach hielt entgegen, dass "die Bayern für sich natür­lich immer in Anspruch nehmen, die Höhe der Gür­tel­linie zu beur­teilen, auch, wie sie einige andere Dinge beur­teilen." Daraufhin schaltete sich Uli Hoeneß in die Diskussion ein und warf Daum unter anderem vor, geäußert zu haben, dass "die Wet­ter­karte inter­es­santer als ein Gespräch mit Heynckes" sei. Aller Worte zum Trotz hatten die Geißböcke aus sportlicher Sicht das Nachsehen gegen den FC Bayern, der mit fünf Punkten Vorsprung Meister wurde.

 

Jose Mourinho vs. Pep Guardiola

Als Jose Mourinho im Jahr 1996 beim FC Barcelona als Co-Trainer anheuerte und Pep Guardiola noch für die Azulgrana spielte, pflegten die aktuellen Trainer der AS Rom und von Manchester City ein harmonisches Verhältnis. Dieses soll allerdings ins Negative gekippt sein, nachdem die Barca-Bosse 2008 Guardiola anstelle von Mourinho zum Cheftrainer ernannten, obwohl der Spanier keine Erfahrungen im Profi-Bereich nachweisen konnte und Mourinho unter anderem 2004 mit Porto die Champions League gewann. Der erste Höhepunkt der Rivalität stellte das Halbfinal-Duell in der Königsklasse 2010 dar, als Mourinho mit Inter Mailand das Hinspiel gegen Guardiolas Barcelona mit 3:1 gewann und trotz einer 0:1-Niederlage im Camp Nou ins Endspiel von Madrid einzog, das mit 2:0 gegen den FC Bayern gewonnen wurde. Kurz darauf heuerte "The Special One" bei Real Madrid an und lieferte sich regelmäßig Duelle mit Guardiola. Beide Trainer schreckten vor und nach den Spielen nicht vor harschen Worten zurück, an der Seitenlinie kam es indes zu unschönen Szenen; wie 2011, als Mourinho dem damaligen Co-Trainer des FC Barcelona, Tito Vilanova, ins Auge stach. 

Jose Mourinho vs. Arsene Wenger

Auch mit Arsene Wenger entwickelte Mourinho keine Freundschaft. Als Wenger von 1996 bis 2018 den FC Arsenal trainierte und Mourinho von 2004 bis 2007 sowie von 2013 bis 2015 für den FC Chelsea tätig war, gerieten beide Coaches während der Stadt-Derbys häufig aneinander. Bereits 2005 bezeichnete Mourinho Wenger als "kranken Voyeur", die Rivalität gipfelte schließlich mit einer Äußerung im Jahr 2014: "Er (Arsene Wenger, d. Red.) ist ein Spezialist im Versagen. Acht Jahre ohne einen einzigen Titel, das ist das absolute Versagen. Wenn ich acht Jahre keinen Titel geholt hätte, wäre ich nicht nach London zurückgekommen." Nachdem Wenger Mourinho in seiner Autobiografie nicht erwähnt hatte und dieser daraufhin erneut zu provozieren versuchte, konterte der Elsässer: "Es sind permanente Provokationen. Ich fühle mich wie im Kindergarten, aber das ist Teil seiner Persönlichkeit." Die persönliche Abneigung, so wirkt es, besteht auch außerhalb des Spielfeldes.

Arsene Wenger vs. Sir Alex Ferguson

In seiner Trainerlaufbahn hatte Wenger auch eine Rivalität mit Sir Alex Ferguson, der zwischen 1986 und 2013 mit Manchester United 13-mal die Meisterschaft und zweimal die Champions League gewann. Bereits als Wenger 1996 vom japanischen Klub Nagoya Grampus zu Arsenal wechselte, sagte Ferguson gemäß dem Blog Cavanis Friseur: "Ihr sagt er ist ein intelligenter Mann, weil er fünf Sprachen beherrscht? Richtig? Ich habe einen 15-jährigen von der Elfenbeinküste, der kann das auch." Später lag auch auf dem Platz Spannung in der Luft, da sich Arsenal unter Wenger zu einem ernsthaften Titelkonkurrenten entwickelte. Zwischen 1998 und 2005 wurden die Gunners fünfmal Vizemeister und errangen dreimal den Titel, 2003/04 gelang sogar der Triumph ohne eine einzige Niederlage (26 Siege, 12 Unentschieden). Im selben Zeitraum wurde United viermal Meister, einmal Vizemeister und dreimal Dritter. In den Folgejahren landete Arsenal zumeist auf dem dritten und vierten Tabellenplatz, während die Red Devils fünf weitere Meisterschaften feierten. 

Florian Bajus  
15.08.2022