Exklusiv-Interview

Ex-Frankfurter Willems: "Bei der Eintracht ist jetzt alles neu"

Jetro Willems (m.) im Fürth-Trikot gegen RB Leipzig. Foto: Getty Images

Wenn Eintracht Frankfurt am Sonntagabend (19:30 Uhr) in der Bundesliga bei der SpVgg Greuther Fürth antritt, dann trifft Jetro Willems mit den Franken erstmals auf seinen Ex-Klub. Im exklusiven fussball.news-Interview spricht der Linksverteidiger über das Wiedersehen mit der Eintracht und seinen persönlichen Neustart.

Nach 65 Pflichtspielen, sieben Vorlagen und einem Pokalsieg endete das Kapitel Eintracht Frankfurt für Jetro Willems im vergangenen Sommer. 2017 war der Niederländer für die damals beachtliche Ablösesumme von knapp fünf Millionen Euro an den Main gewechselt. Für die Hessen war die Verpflichtung des Nationalspielers seinerzeit ein kleiner Transfercoup, zum Ende seiner ersten Saison feierte Willems mit der Eintracht den DFB-Pokalsieg - Frankfurts erster Titel nach 30 Jahren. Unter Ex-Trainer Adi Hütter geriet der 27-Jährige 2019 dann aber aufs Abstellgleis und wechselte leihweise in die Premier League zu Newcastle United. Weil er sich dort aber einen Kreuzbandriss zuzog, verzichteten die Engländer auf das Ziehen der Kaufoption. Nach der Rückkehr im Sommer 2020 kämpfte sich der Linksfuß zwar nach der schweren Verletzung zurück, Hütter aber verzichtete auf einen Einsatz des Defensivspielers. Eine schwere Zeit für Willems. Darüber, aber auch über die schönen Zeiten bei der Eintracht, die Fähigkeiten eines Toptrainers, den Wechsel nach Fürth, den ersten Heimsieg und die Übernahme von Ex-Klub Newcastle United spricht er im exklusiven Interview mit fussball.news

fussball.news: Herr Willems, am Sonntag spielen Sie mit ihrem Klub SpVgg Greuther Fürth gegen Ihren Ex-Klub Eintracht Frankfurt, mit dem Sie 2018 den DFB-Pokal gewonnen haben. Aus dem damaligen Spieltagskader sind nur noch Danny da Costa und Makoto Hasebe übrig. Sind Sie noch in Kontakt zu Ihren ehemaligen Teamkollegen und wie ist Ihre Erinnerung an diese magische Nacht?

Jetro Willems: Ich hatte eine wirklich gute und schöne Zeit in Frankfurt. Diese Zeit und was ich mit dem Klub damals erreicht habe, werde ich niemals vergessen. Ich bin immer noch in Kontakt mit einigen Mitarbeitern und Spielern, die jetzt noch bei der Eintracht sind. Ich freue mich sehr auf das Wiedersehen.

fussball.news: Nach dem 1:6 mit der Eintracht in Leverkusen im Mai 2019 gab es ein Disput mit dem damaligen Trainer Adi Hütter. Im Sommer wechselten Sie dann per Leihe zu Newcastle United. Nach Ihrer Rückkehr zur Eintracht durften Sie unter Hütter kein einziges Spiel mehr absolvieren, obwohl Sie noch 13-mal im Kader standen. Wie sehr hat Sie das damals mitgenommen? 

Willems: Das ist eine Sache, ein Umstand, mit dem wir als Fußballspieler leben müssen. Wenn du dich weigerst deinen Vertrag zu verlängern, dann setzt dich der Klub nicht mehr ein, dann wirst du nicht mehr gebraucht. Da sind dann Spieler gefragt, die ihre Zukunft auch im Klub sehen. Es liegt also an dir selbst, ob du das akzeptierst und weiter an dir arbeitest oder ob du das nicht tust und die Sache entsprechend zu einem Problem wird.

fussball.news: In diesem Sommer entschieden Sie sich trotz diverser Angebote dazu, in der Bundesliga zu bleiben. Warum fiel die Entscheidung auf Fürth?

Willems: Der Klub hat einiges zu bieten. Vor allem aber gute Menschen, die mir dabei helfen, den alten Jetro wieder hervorzuholen. Deshalb fühle ich mich hier zuhause.

fussball.news: Fürth wartet noch auf den ersten Bundesliga-Heimsieg überhaupt. Wie bereit sind Sie und das Team für das Spiel gegen Frankfurt? Was braucht es für einen Sieg?

Willems: Ja, unglücklicherweise warten wir immer noch auf den ersten Bundesligasieg in unserem Stadion, aber wir glauben weiterhin an unsere Ziele, die wir erreichen wollen. Wir kommen dem ersten Heimsieg immer näher und näher. Es ist nur eine Frage der Zeit.

fussball.news: Mit einem Sieg gegen die Eintracht könnten Sie auch über das Schicksal von Trainer Oliver Glasner entscheiden. Spielt das irgendeine Rolle? Und wie haben Sie Frankfurt in den letzten Wochen und Monaten nach Ihrem Abgang erlebt?

Willems: Es spielt keine Rolle und ist ja auch nicht unser Thema. Aber ich denke, dass er ein guter Trainer ist, bei der Eintracht ist jetzt aber alles neu. Nicht nur für ihn, sondern auch für die Spieler. Manchmal braucht es einfach Zeit. Ich habe die letzten Spiele der Eintracht gesehen und sie haben den gleichen Kampfgeist wie früher, aber sie brauchen vielleicht auch einfach mal etwas Glück.

fussball.news: Sie haben schon einiges erlebt in Ihrer Karriere: Nationalmannschaft, Champions League, Pokalsieg. Wie sehr hat sich der Fußball in dieser Zeit verändert? Was mögen Sie an dem Geschäft möglicherweise nicht mehr?

Willems: Ich habe schon unglaublich viel gesehen und erlebt. Aber es ist, wie Sie gerade erwähnt haben, ein Geschäft. Das verändert sich von Jahr zu Jahr. Ich selbst liebe immer noch den Fußball und die Tatsache, dass ich nach wie vor spielen und den Sport genießen kann. Da gibt es nichts, das ich nicht mag.

fussball.news: Sie haben in ihrer Karriere auch unter vielen Trainern gespielt. Louis van Gaal, Philipp Cocu, Dick Advocaat, Niko Kovac, Adi Hütter und jetzt Stefan Leitl. Wer hat Sie am meisten geprägt? Was braucht ein guter Trainer in Ihren Augen?

Willems: Von allen konnte ich etwas lernen und das macht jeden Einzelnen auch besonders. Es gibt gute Motivatoren, Trainer, für die du durchs Feuer gehst und es gibt gute Taktiker, die dir beibringen, wie du dieses Spiel spielst. Wenn du als Trainer beides vereinst, macht dich das zu einem ganz großen.

fussball.news: Ihr Ex-Klub Newcastle United wurde zuletzt von einem saudischen Konsortium übernommen. Wie haben Sie dieses Ereignis verfolgt und was denken Sie über Investoren im Fußball allgemein?

Willems: Auf der Insel ist das ja praktisch schon normal. Ich weiß nicht, wie sich Newcastle in Zukunft aufstellen wird, was dort die genauen Pläne sind. Aber ich hoffe sehr, dass der Klub noch größer wird, als er ohnehin schon ist.

Das Interview führte fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Benjamin Heinrich  
07.11.2021