Poker um neuen Vertrag

Kritik an Bayern: Will Mislintat von eigener Vertragssituation ablenken?

Sven Mislintat hat nur einen Vertrag bis 2023 beim VfB Stuttgart. Foto: Getty
Sven Mislintat hat nur einen Vertrag bis 2023 beim VfB Stuttgart. Foto: Getty

Sven Mislintat hat bundesweit ein Thema gesetzt: Nämlich den Klassiker, ob der FC Bayern seinen Erfolg auch einer ominösen "Lobby" verdankt. Doch lenkt der frühere Dortmunder mit dieser provokativen Aussage womöglich von einem viel aktuelleren Thema ab: nämlich seiner heiklen Vertragssituation beim VfB Stuttgart.

Will die neue Führung des VfB Stuttgart um Vorstand Alexander Wehrle den Vertrag von Sven Mislintat über 2023 hinaus wirklich verlängern? Und wenn ja, sind es für Sportchef Sven Mislintat annehmbare Konditionen? Fasst man die Berichte, Gerüchte und Stimmen der vergangenen Wochen zusammen, dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Irgendwie will der VfB Mislintat halten, irgendwie will Mislintat beim VfB bleiben, aber so richtig glücklich wirken beide Seiten nicht. Der Grund dürfte womöglich darin liegen, dass Mislintat in seiner Machtfülle beschnitten wird. Schließlich gab der VfB am Sonntag offiziell bekannt, gleich drei ehemalige Profis als Berater in den Verein einzubinden: Die Weltmeister Philipp Lahm und Sami Khedira sowie den deutschen Meister Christian Gentner.

Rückschritt für Mislintat?

Offiziell lässt sich diese Aktion als die Ausweitung von Erfahrung und Knowhow für den Klub verkaufen, doch im Haifischbecken Profifußball geht es auch um Machtpolitik und Eitelkeiten. Sven Mislintat muss davon ausgehen, dass er künftig in Stuttgart, bevor er Entscheidungen trifft, noch mehr Personen mitreden lassen muss. Für jemand, der die letzten Jahre um mehr Machtfülle gekämpft hat und vom Chefscout in Dortmund zum Manager in Stuttgart aufgestiegen ist, dürfte sich dies als Rückschritt in der persönlichen Entwicklung anfühlen. Zuletzt hatte Mislintat im SWR als Seitenhieb an die VfB-Führung angemerkt: "Es hätte schon mehrere gute Zeitpunkte gegeben, über eine Vertragsverlängerung zu sprechen." Ein Vollzug wurde nicht gemeldet - und mit der Mitgliederversammlung am gestrigen Sonntag und der Verkündung des neuen Beratertrios dürfte eine Vertragsverlängerung zeitnah nicht geschehen. Man darf gespannt sein, wie Mislintat die nächsten Wochen auf diese Veränderung im Klub reagiert - erstmal aber hat nun Mislintat etwas Zeit gewonnen, in dem er das Bayern-Bashing medienwirksam lanciert hat.

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Daniel Michel  
12.09.2022