Landsmann des Trainers

23 Minuten: Wie Hütter Ilsanker für den Eintracht-Erfolg opfert

Stefan Ilsanker ist bei der Eintracht aktuell nur noch Reservist. Foto: Imago

"Des einen Freud ist des anderen Leid", sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter zuletzt zum Erfolg seiner Mannschaft und den damit verbundenen Einzelschicksalen auf der Ersatzbank. Mit Stefan Ilsanker ist dort auch ein Akteur zu finden, der in der Hinserie noch Stammspieler war.

An den ersten elf Spieltagen dieser Saison stand Stefan Ilsanker neunmal in der Startelf von Eintracht Frankfurt, absolvierte 777 Einsatzminuten. Nach der 1:2-Niederlage beim VfL Wolfsburg Mitte Dezember, dem achten sieglosen Spiel in Serie, wurde der Druck der Öffentlichkeit immer größer, das Umfeld der Eintracht erhitzte kaum eine Causa so sehr wie die des Österreichers. In den Wochen zuvor stand Hütter wie eine Wand hinter dem 31-Jährigen, zu dem er ein besonderes Verhältnis pflegt, mit Ilsankers Vater Herbert ist der Eintracht-Coach nach wie vor befreundet, gemeinsam spielten sie fünf Jahre für Austria Salzburg. Und selbst mit Stefan Ilsanker lief Hütter noch zum Ausklang seiner Karriere bei den Red Bull Juniors gemeinsam auf.

Startelf bei Leverkusen-Pleite

Nach dem Wolfsburg-Spiel allerdings der "Turnaround" beim 51-Jährigen. Nach der Sieglos-Serie, den ausbleibenden Ergebnissen musste Hütter, wollte Hütter etwas ändern. Im darauf folgenden Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach (3:3) saß Ilsanker auf der Bank, kam nur für die letzten sechs Minuten in die Partie, beim 2:0-Sieg in Augsburg traf er allerdings nach seiner Einwechslung sogar noch zum erlösenden Endstand. An diesem Tag begann für die Hessen eine Erfolgsserie von neun ungeschlagenen Spielen (acht Siege), die Eintracht ist aktuell die formstärkste Mannschaft der Bundesliga. Und Ilsanker? Der kam im Kalenderjahr 2021 nur noch zu 23 Einsatzminuten, ist quasi komplett außen vor. Seinen einzigen Startelfeinsatz konnte der Nationalspieler bei der 1:4-Niederlage bei Bayer Leverkusen im DFB-Pokal verbuchen. Bezeichnend. 

Kommt Ilsanker nochmal zurück?

Die Eintracht schwebt aktuell auf Wolke sieben, auch weil das Team einen attraktiven, offensiven Fußball spielt. Ilsanker hingegen verkörpert Robustheit, Mentalität und Zweikampfstärke. Attribute, die die Frankfurter sicherlich nicht gänzlich ad acta gelegt haben, die aber derzeit nur noch selten gefragt sind, weil spielerische Überlegenheit gefragt war und ist. Besserung ist für Ilsanker bei der aktuellen Performance des Teams nicht in Sicht, obgleich Hütter niemanden abschreibt. Die Partien gegen die Topteams könnten Ilsanker noch einmal auf den Plan rufen. Hütter könnte dort auf Defensivstärke des Ex-Leipzigers setzen. Zuletzt war der Frankfurter Coach aber nicht gewillt, seine Erfolgself zu verändern, auf Einzelschicksale kann und darf er da auch keine Rücksicht nehmen. Des einen Freud ist des anderen Leid. Seit dem Ilsanker-Aus erlebt die Eintracht einen Höhenflug. Der Erfolg gibt Hütter auch bei dieser Entscheidung recht.

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Benjamin Heinrich  
17.02.2021