Transferschluss

Wie die Transferperiode der Eintracht zu bewerten ist

Auch für Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic war es ein langer Transfersommer. Foto: Imago

Das Transferfenster in der Bundesliga ist geschlossen und Eintracht Frankfurt hat diesmal keinen Last-Minute-Transfer getätigt. fussball.news ordnet den Transfersommer der Frankfurter ein.

Eintracht Frankfurt konnte in diesem Sommer fünf externe Spieler verpflichten. Die Offensivspieler Ajdin Hrustic (FC Groningen), Amin Younes (SSC Neapel, zweijährige Leihe), Stürmer Ragnar Ache (Sparta Rotterdam), Außenbahnspieler Steven Zuber (TSG Hoffenheim) und Keeper Markus Schubert (FC Schalke 04). Die letzten beiden sind in Rahmen von Tauschgeschäften mit Frederik Rönnow (Schalke) und Mijat Gacinovic (Hoffenheim) an den Main gewechselt. Zudem kehrten mit Aymen Barkok (Fortuna Düsseldorf), Jetro Willems (Newcastle United) und Tuta (KV Kortrijk) gleich drei Spieler von ihren Leihen zurück. Andre Silva wurde nach seiner Leihe vom AC Mailand fest von den Frankfurtern verpflichtet.

Abgegeben haben die Hessen hingegen neben den zwei Tauschpartnern auch Stürmer Goncalo Paciencia (FC Schalke 04, Leihe), Lucas Torro (CA Osasuna), Keeper Felix Wiedwald (FC Emmen), Verteidiger Simon Falette (Hannover 96) und Ante Rebic (AC Mailand, nach Leihe). Verliehen wurden zudem die Talente Rodrigo Zalazar (FC St. Pauli), Dejan Joveljic (Wolfsberger AC) und Nils Stendera (Lokomotive Leipzig). Gelson Fernandes, Jan Zimmermann und Marco Russ beendeten ihre Karrieren, Jonathan de Guzman ist seit Vertragsende im Sommer vereinslos. Die Abgänge von Sahverdi Cetin und Patrick Finger fielen dabei nicht ins Gewicht.

Younes und Hrustic für das Kreative

Positiv zu bewerten ist in dieser Transferperiode die Tatsache, dass die Hessen durch die Zugänge von Amin Younes und Ajdin Hrustic die Kreativdefizite auf den Außenbahnen und in der Zentrale beheben konnten. Durch die beiden Neuen wird vor allem Spielmacher Daichi Kamada entlastet, auf dem bislang fast alle Kreativhoffnungen im Kader lagen. Zudem konnten die Verantwortlichen um Sportvorstand Fredi Bobic alle Leistungsträger halten. Ob Kevin Trapp, Martin Hinteregger oder Filip Kostic: Um alle rankten sich während der Transferperiode diverse Gerüchte, alle wurden am Ende gehalten.

Dazu setzten die Frankfurter mit der festen Verpflichtung von Andre Silva durchaus ein Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt. Ohne Nachwuchsspieler ist der Kader nach den Last-Minute-Abgängen von Felix Wiedwald und Simon Falette mittlerweile auf eine für Hütter angenehme Größe von 26 Spieler reduziert worden, ohne die Dreifachbelastung durch einen europäischen Wettbewerb ein immens wichtiger Aspekt, der mit Blick auf den Geldbeutel in Coronazeiten ebenfalls Entlastung schafft. Außerdem sind im aktuellen 3-5-2-System alle Positionen durch polyvalent einsetzbare Spieler doppelt besetzt.

Linksverteidiger fehlt - Krachertransfer auch

Dennoch ist der Kader nach der Transferphase immer noch nicht ganz ausgewogen. Vor allem im Sturm plant die Eintracht mit zwei verletzungsanfälligen Stürmern. Bas Dost und Andre Silva harmonieren aktuell prächtig, doch die vergangenen Spiele haben gezeigt, dass Backup Ragnar Ache noch Zeit und Entwicklung benötigt, um im Fall der Fälle eine Verstärkung zu sein. Klar ist aber auch, dass das Team von Adi Hütter an sich stets mit wenigen Verletzungen auskommt. Die medizinische Abteilung leistet wertvolle Arbeit, die Trainingssteuerung greift. Dennoch gerade im Angriff ein Balanceakt, der gutgehen kann, aber nicht muss.

Während sich auf der rechten Seite gleich drei Akteure mit Stammspielerpotential (da Costa, Toure, Chandler) tummeln, verfügen die Frankfurter abgesehen von dem derzeit Verletzten Jetro Willems über keinen einzigen etatmäßigen Linksverteidiger. Eine Variabilität in Sachen Grundformation ist damit auf hohem Niveau quasi ausgeschlossen, weil auf der linken Defensivseite ein Spieler für die Viererkette fehlt. Mit Stefan Ilsanker verfügen die Hessen zudem nur über einen klaren Sechser, mit Djibril Sow, Dominik Kohr, Sebastian Rode, Aymen Barkok, Steven Zuber und Ajdin Hrustic aber über sechs potentielle Achter. 

Eine Topverpflichtung ist der Eintracht in diesem Sommer nicht gelungen. Zwischenzeitlich war eine Rückkehr von Luka Jovic (Real Madrid) ein Thema, das schürte im Umfeld durchaus Erwartungen. Amin Younes könnte sich zumindest zu einem Toptransfer entwickeln, zu seiner Zeit bei Ajax Amsterdam hat er seine internationale Klasse bereits unter Beweis gestellt. Aber auch in Sachen "Knaller-Transfer" waren der Eintracht die Hände gebunden, finanzielle Vernunft überwog am Ende, was durchaus nachvollziehbar ist.

Alles ist möglich

Auch Trainer Adi Hütter machte deutlich, dass mit dem aktuellen Kader wohl so ziemlich alles möglich ist. "An einem guten Tag sind wir in der Lage, viele Gegner zu schlagen. Haben wir den nicht, tun wir uns schwer, wie gegen Bielefeld", ordnete er die Leistungsfähigkeit seines Kaders auf Nachfrage von fussball.news zuletzt ein. Die hat sich durch die Verpflichtung von Amin Younes nicht gravierend verändert. Zwischen Platz vier und zwölf scheint für die Frankfurt in dieser Saison alles drin zu sein. Am Ende werden Nuancen über den Tabellenplatz entscheiden.

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Benjamin Heinrich  
05.10.2020