Ex-BVB-Profis in Frankfurt

Von Knauff bis Götze: Wie die Eintracht (Ex-)Dortmunder auf Vordermann bringt

Rode (hinten) und Knauff (vorne) kämpfen mit vereinten Kräften um den Ball. Foto: Getty
Rode (hinten) und Knauff (vorne) kämpfen mit vereinten Kräften um den Ball. Foto: Getty

Eintracht Frankfurt ist Europa-League-Sieger und spielt in der kommenden Saison Champions League. Ein Erfolgsgeheimnis, auf das der Klub offenbar auch in der neuen Saison setzt, lautet: (ehemalige) Spieler von Borussia Dortmund in Topform bringen.

Kapitän von Eintracht Frankfurt ist Sebastian Rode. Einst verließ der Mittelfeldakteur die Eintracht, um bei Bayern München Erfolg zu haben. Doch beim Rekordmeister scheiterte Rode schnell, weshalb er beim zweiten deutschen Topklub, Borussia Dortmund, umso mehr nachweisen wollte, dass er zu den besten Fußballern in Deutschland zählt. Doch auch dort brachte der gebürtige Hesse zwischen 2016 und 2018 wenig auf die Beine - es ging zurück zur Eintracht. Rode war von Verletzungen geplagt, doch er bekam Vertrauen und Zeit, um in Frankfurt zurück zu alter Stärke zu finden. Der Lohn: Im Europa-League-Finale gegen Glasgow wurde er bereits zu Beginn des Spiels schwer am Kopf getroffen, doch der 31-Jährige spielte daraufhin wohl das Spiel seines Lebens und wurde erst nach 90 Minuten völlig ausgepowert ausgewechselt. Eine halbe Stunde und ein Elfmeterschießen später stemmte Rode überglücklich den Cup in die Höhe.

Zwei Erfolgsfaktoren

Vertrauen und Zeit schenken - das sind offenbar zwei Faktoren, die es in München und Dortmund bei hoher Erwartungshaltung, großer Konkurrenz und viel Zeitdruck kaum gibt.  Eintracht Frankfurt kann sich das dagegen (noch) leisten. Und genau diese Methode hilft den Spielern besonders, wie auch das Beispiel Ansgar Knauff aufzeigt. Borussia Dortmund war formal mit einem Top-Trainerteam 2021/22 aufgestellt. Der Leader Marco Rose, der Ex-Bayernstar Alexander Zickler und der überragende Taktiktheoretiker Rene Maric sollten dem jungen Knauff einfach auf der rechten Außenbahn ein bisschen Spielzeit geben, ein bisschen Know-How mit an die Hand geben und den 20-Jährigen behutsam aufbauen. Doch Knauff erhielt in der Bundesliga-Hinrunde gerade mal 110 Spielminuten, wurde in die 2. Mannschaft abgeschoben und begann selbst dort schlecht zu spielen. So durfte er nur einmal in der 3. Liga über 90 Minuten ran. Sein Selbstvertrauen, keine Frage, war gering. Doch im Winter schlug die Stunde von Eintracht Frankfurt und Sportchef Markus Krösche. Er lotste Knauff auf Leihbasis zur SGE - und der Außenbahnspieler löste das langjährige Eintracht-Problem auf der rechten Seite auf Anhieb. Knauff stieg zu einem Leistungsträger des Teams auf, der eindeutige Beweis: seine Tore in der Europa League gegen Barcelona und West Ham! Bei Dortmund im Grunde zu schlecht für die 2. Mannschaft - bei Frankfurt nun Europa-League-Sieger und ein Kandidat für die Nationalmannschaft. Wissenschaftlich ist diese Entwicklung kaum zu erklären, man kann wohl nur zu der Schlussfolgerung kommen, dass Vertrauen im Fußball immer noch eine bedeutende Währung darstellt.

Hält Frankfurt sein Konzept durch?

Die Frage ist natürlich, ob Frankfurt diese Rahmenbedingungen bei nun gesteigerter Erwartungshaltung weiter aufrecht erhalten kann. Einen neuen Beweis kann die Eintracht schon in Kürze antreten, denn seit dieser Woche steht fest: Das ehemalige Dortmunder "Wunderkind" und Deutschlands WM-Held 2014, Mario Götze, will es in der Bundesliga nochmal allen zeigen. Nachdem er 2013 von Dortmund nach München gewechselt war, kam Götze kaum mehr in große Spiellaune. Er wollte ab 2016 wieder bei Borussia Dortmund sein Können aufblitzen lassen, doch Götze kam aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr in Fahrt. Ein Grund war sicherlich, dass, bis auf eine kurze Episode bei Trainer Peter Bosz, kein Coach mehr Götze auf seiner Lieblinsgposition im offensiven Mittelfeld konsequent aufgestellt hatte. Von 2020 an versuchte Götze bei der PSV Eindhoven dann sein Glück zu finden. In den Niederlanden spielte Götze relativ konstant, weshalb er sich jetzt für ein weiteres Abenteuer in der Bundesliga gestärkt fühlt. Auch hier wieder wichtig zu erwähnen: Die Eintracht hat dem Vernehmen nach Götze versprochen, ihn eher offensiv im Mittelfeld einzusetzen. Es ist eine Sache des Vertrauens. Hält die Eintracht ihr Versprechen, könnte der nächste Ex-Dortmunder in Frankfurt voll durchstarten.

Durm geht - kommt Weigl?

Bleiben noch zwei Spieler zu erwähnen: Auch Weltmeister Erik Durm, der von 2013 bis 2018 für Dortmund spielte, bekam in Frankfurt Zeit und Vertrauen geschenkt. Das zahlte sich besonders in der Saison 2020/21 aus, als der Defensivakteur in 21 BL-Einsätzen sehr überzeugende Leistungen bot und seinen Anteil an Platz fünf der Eintracht in der Bundesliga hatte. Zuletzt warfen Durm aber dann doch zu viele Verletzungen zurück, weshalb er die Eintracht verlässt und zu Zweitligist 1. FC Kaiserslautern wechselt.

Dafür steht quasi schon der nächste Ex-Dortmunder in den Startlöchern: Mittelfeldspieler Julian Weigl soll laut Frankfurter Rundschau Benfica Lissabon verlassen wollen, um in der Bundesliga wieder Fuß zu fassen. Ein Abnehmer könnte die Eintracht sein. Das langfristige Ziel von Weigl: eine Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft. Das ist von den aktuellen Frankfurter-Profis mit Dortmund-Vergangenheit noch keinem geglückt. Doch kann die Eintracht ihr Konzept durchziehen, dürfte auch Bundestrainer Hansi Flick bald aufmerksam nach Frankfurt blicken.

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Daniel Michel  
22.06.2022