Weder Bayern noch Dortmund vorn

Wer kauft hier wen kaputt? Transfers von Bundesligisten seit 2017

Schlotterbeck soll den BVB stabilisieren. Foto: Getty Images
Schlotterbeck soll den BVB stabilisieren. Foto: Getty Images

Das Transferkarussell der Bundesliga nimmt zwei Spieltage vor Ende der laufenden Saison an Fahrt auf. Zu Wochenbeginn hat Borussia Dortmund die Verpflichtung von Nico Schlotterbeck bekanntgegeben, die noch spannendere Nachricht scheint aber, dass Matthias Ginter beim SC Freiburg der Nachfolger werden soll.

Schlotterbeck wird beim BVB neben Niklas Süle ein deutsches Innenverteidiger-Duo bilden, wenn nicht Altmeister Mats Hummels auch noch eine große Rolle spielt und daraus sogar ein Trio mit DFB-Ambitionen wird. Neben der Nationalität und ihrer Position auf dem Feld haben die drei noch eine offensichtliche Gemeinsamkeit: Borussia Dortmund hat sie von anderen Bundesliga-Klubs geholt. Schlotterbeck kommt aus Freiburg, Süle vom FC Bayern, der auch einst Hummels an die Schwarzgelben zurück verkauft hat.

Dortmund greift öfter zu als Bayern

Gerade unter internationalen Fußballfans wird bezüglich der Bundesliga oft der Vorwurf laut, die Münchner kauften die Konkurrenz kaputt. Die Behauptung lässt sich aber kaum aufrecht erhalten. Seit Sommer 2017 hat der Rekordmeister neun Spieler von anderen Bundesligisten geholt, aber zum Beispiel keinen vom BVB. Und längst nicht alle Neuzugänge von der Konkurrenz ließen sich beim FC Bayern als Verstärkung für den Spitzenbereich bezeichnen. Noch dürftiger fällt die Bilanz dahingehend bei Dortmund aus, das mit 14 Neuzugängen aus anderen Bundesliga-Klubs deutlich öfter zugeschlagen hat als der große Rivale aus Süddeutschland (Sommer-Transfers bereits inbegriffen). Die Verantwortlichen werden in jedem Fall hoffen, dass Schlotterbeck und Süle eher nach Gregor Kobel kommen denn nach Nico Schulz. Dass Dortmund öfter in der Bundesliga zugreift als Bayern, mag derweil viele Gründe haben. Einer liegt auf der Hand: Nur wenige Spieler aus dem deutschen Oberhaus haben die Qualität für einen Wechsel nach München, deutlich mehr sind gut genug für den BVB.

Union vornweg, Leipzig hat ganz andere Vorliebe

Mit 14 Transfers von Spielern anderer Klubs aus der Bundesliga liegen die Schwarzgelben seit 2017 aber noch nicht an der Spitze des deutschen Oberhauses. Denn Union Berlin hat sogar 17 solche Verpflichtungen getätigt. In der Auflistung finden sich dabei gleich mehrere Spieler, die den Durchbruch (teilweise vielleicht noch) nicht geschafft haben. Während die Eisernen und der BVB die Ausreißer nach oben sind, liegt RB Leipzig am anderen Extrem des Spektrums. Die Sachsen haben mit Kevin Kampl von Bayer Leverkusen und Andre Silva von Eintracht Frankfurt nur zwei Bundesliga-Spieler verpflichtet. Dem stehen alleine sieben Deals mit den RB-Filialen in Salzburg und New York gegenüber.

Seit 2017: So oft haben die Klubs in der Bundesliga zuschlagen

1. Union Berlin: 17 Transfers aus 10 Vereinen, 3x Augsburg

(Friedrich, Gikiewicz, Heintz, Jaeckel, Kade, Khedira, Knoche, Luthe, Mees, Öztunali, Rönnow, Seguin, Teuchert, Torrejon, Uchida, Ujah, Voglsammer)

2. Borussia Dortmund: 14 Transfers aus 10 Vereinen, je 2x Bayern, Freiburg, Gladbach, Hoffenheim

(Brandt, Dahoud, Delaney, Diallo, Hazard, Hitz, Hummels, Kobel, Philipp, Schlotterbeck, Schulz, Süle, Toljan, Wolf)

3. SpVgg Greuther Fürth: 11 Transfers aus 7 Vereinen, 3x Frankfurt

(Asta, Aycicek, Cavar, Griesbeck, Hrgota, Jaeckel, Parker, Raschl, Seguin, Seufert, Willems)

4. FC Augsburg: 10 Transfers aus 8 Vereinen, je 2x Union und Schalke

(Caligiuri, Friedrich, Giefer, Gikiewicz, Gregoritsch, Khedira, Niederlechner, Schieber, Strobl, Uduokhai)

= 4. VfB Stuttgart: 10 Transfers aus 8 Vereinen, je 2x Freiburg und Köln

(Badstuber, Castro, Churlinov, Gomez, Kempf, Kobel, Müller, Nartey, Thommy, Stenzel)

6. FC Bayern: 9 Transfers aus 6 Vereinen, je 2x Hoffenheim, Leipzig, Schalke

(Cuisance, Gnabry, Goretzka, Nübel, Pavard, Sabitzer, Süle, Upamecano, Wagner)

= 6. 1.FC Köln: 9 Transfers aus 8 Vereinen, 2x Leipzig

(Andersson, Cordoba, Duda, Geis, Horn, Kainz, Krahl, Schmitz, Terodde)

= 6. FSV Mainz 05: 9 Transfers aus 8 Vereinen, 2x Frankfurt

(Adler, Barkok, da Costa, Ingvartsen, Ji, Lucoqui, Maxim, Stach, Szalai)

9. TSG Hoffenheim: 8 Transfers aus 7 Vereinen, 2x Gladbach

(Bruun Larsen, Gacinovic, Grifo, Grillitsch, Prömel, Raum, Schulz, Stafylidis)

= 9. Bayer Leverkusen: 8 Transfers aus 7 Vereinen, 2x Hoffenheim

(Amiri, Andrich, Bender, Demirbay, Kirschbaum, Kohr, Hradecky, Weiser)

= 9. VfL Wolfsburg: 8 Transfers aus 8 Vereinen

(Baku, Bornauw, Brooks, Ginczek, Kruse, Mehmedi, Wimmer, Verhaegh)

12. Eintracht Frankfurt: 7 Transfers aus 6 Vereinen, 2x Leverkusen

(da Costa, Grahl, Hinteregger, Kohr, Lenz, Rode, Zuber)

= 12. SC Freiburg: 7 Transfers aus 5 Vereinen, je 2x Augsburg und Hoffenheim

(Gondorf, Grifo, Itter, Niederlechner, Schmid, Stenzel, Terrazzino)

= 12. Hertha BSC: 7 Transfers aus 6 Vereinen, 2x Leipzig

(Belfodil, Cordoba, Cunha, Kempf, Richter, Selke, Schwolow)

= 12. Borussia Mönchengladbach: 7 Transfers aus 7 Vereinen

(Bobadilla, Embolo, Friedrich, Ginter, Grifo, Netz, Wolf)

16. VfL Bochum: 6 Transfers aus 5 Vereinen, 2x Hoffenheim

(Blum, Holtmann, Janelt, Sam, Soares, Zulj)

17. Arminia Bielefeld: 4 Transfers aus 4 Vereinen

(Hartel, Lucoqui, Putaro, Quaschner)

18. RB Leipzig: 2 Transfers aus 2 Vereinen

(Kampl, Silva)

[Angaben via Transfermarkt; berücksichtigt werden nur Zugänge von Teams, die zum Wechselzeitpunkt der Bundesliga angehört haben; inkl. bereits bekannter Sommer-Transfers 2022]

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Lars Pollmann  
03.05.2022