Radikale Ideen zum internationalen Kalender

Wenger fordert: "Wir müssen die Nations League loswerden"

Wenger plädiert für die Abschaffung der Nations League. Foto: Boris Streubel/Getty Images for Laureus
Wenger plädiert für die Abschaffung der Nations League. Foto: Boris Streubel/Getty Images for Laureus

Deutschland hat am Samstag mit einem 2:1 in der Ukraine den ersten Sieg in der UEFA Nations League eingefahren. Der Wettbewerb genießt kein sonderlich hohes Ansehen. Nicht bei Fans, erst recht nicht bei Experten wie Arsene Wenger. Der Elsässer würde das Konstrukt flugs streichen.

"Wir müssen die Nations League loswerden und dafür klarere Wettbewerbe finden, die jeder versteht", sagt er gegenüber Bild am Sonntag. "Wenn Sie auf die Straße gehen und Leute fragen, worum es bei der Nations League geht, werden Sie nicht viele finden, die das erklären können." Es gibt verschiedene Vorrunden und eine Endrunde, die Nations League spielt auch bei der Qualifikation zur Europameisterschaft eine Rolle. Durchsichtig ist der Wettbewerb nicht, der sportliche Stellenwert ist gerade für die großen Nationen eher gering. Das DFB-Team von Bundestrainer Joachim Löw etwa entging dem Abstieg nach der ersten Austragung, weil die Gruppen kurzerhand aufgestockt wurden. Zuschauer in Deutschland holt der Wettbewerb kaum vor die TV-Geräte.

"WM und EM alle zwei Jahre"

Wenger spricht sich auch deshalb für eine radikale Veränderung des internationalen Spielkalenders aus. "Wir müssen so wenige Wettbewerbe wie möglich haben. Eine WM und EM alle zwei Jahre würde vielleicht besser in die moderne Welt passen", so die Trainerlegende des FC Arsenal. Sein Vorschlag sähe vor, dass jedes Jahr ein großes Turnier stattfindet. Dafür würde die Qualifikation eingestampft werden und innerhalb eines Monats stattfinden. "Ein bisschen wie das Champions-League-Turnier in Lissabon dieses Jahr. Einfach und verständlich für die Fans."

"Es wäre echter Wettbewerb"

"Man hat keine Qualifikationen mehr, die die Leute nicht mehr verstehen. Es wäre ein echter Wettbewerb!", zählt Wenger die Vorzüge seiner Idee auf. Allerdings ist ihre Umsetzung wohl schwer vorstellbar. Zum einen müsste die UEFA einen erst zwei Jahre alten Wettbewerb abbrechen. Zum anderen dürften Ligen und Klubs etwas dagegen haben, ihre Spieler mitten in der Saison für Qualifikationsturniere abstellen zu müssen. Fraglich außerdem, ob Top-Events ihren Reiz behalten, wenn sie in noch kürzerer Folge über die Bühne gehen.

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Lars Pollmann  
11.10.2020