Abwärtstrend?

Warum geht Hoffenheim schnell die Puste aus?

Die TSG Hoffenheim will im Europacup spielen. Foto: Getty
Die TSG Hoffenheim will im Europacup spielen. Foto: Getty

Die TSG Hoffenheim will um die Europacupplätze mitspielen. Nach dem 1:1 am Sonntagabend gegen Abstiegskandidat Mainz 05 rangieren die Sinsheimer auf Platz sechs der Bundesligatabelle. Dennoch ist ein gefährlicherTrend zu beobachten.

Gegen Mainz hatten die Hoffenheimer beim Remis enorm viel Glück. Unter anderem hielt Hoffenheim-Keeper Oliver Baumann einen Elfmeter von Aymen Barkok (68.). Die Mainzer, die durch Marco Richter (39.) in Führung gegangen waren und durch Robert Skov den Ausgleich (48.) hinnehmen mussten, trafen zudem noch zweimal das Aluminium. In den vergangenen fünf Partien konnte Hoffenheim nur einen Sieg einfahren, holte insgesamt fünf von 15 möglichen Zählern. Das ist eher die Bilanz eines Teams, das im Abstiegskampf steckt. Und das weckt Erinnerungen an die vergangene Saison: Hoffenheim war damals mit Ex-Coach Andre Breitenreiter nach zehn Spieltagen auf Platz vier gestanden, dann begann der Negativkreislauf: Die folgenden 14 Partien wurden nahezu alle verloren, es gab nur zwei Remis, keinen Sieg. Breitenreiter musste zwischenzeitlich seine Koffer packen und wurde von Pellegrino Matarazzo abgelöst. Dieser sicherte den Klassenerhalt mit der TSG - und stand in der aktuellen Saison nach vier Siegen und einer Niederlage nach fünf Spieltagen auf Platz fünf - punktgleich mit Stuttgart und Leipzig auf den Rängen drei und vier.

Auch unter Hoeneß folgte der Einbruch

Stuttgart ist dabei ein gutes Stichwort: Denn Matarazzo wurde dort als Chefcoach zuvor entlassen, nun gerade führt Sebastian Hoeneß die Schwaben zu neuen sportlichen Höhen. Dieser wiederum wurde im Sommer 2022 in Hoffenheim von Andre Breitenreiter als Coach abgelöst. Der Grund: Nach 25 Spieltagen der Saison 2021/22 lag Hoffenheim auf Champions-League-Platz vier, dann ging es noch runter auf Platz neun.

Es sieht also erneut danach aus, dass Hoffenheim die Puste ausgeht im Wettkampf um die Europacupplätze. Bleibt die Frage nach dem Warum? Wie immer, wenn man Teams bei einem Negativkreislauf jeglicher Art analysiert, kann man bei der Mentalität der Spieler beginnen und bei der taktischen Ausrichtung des Trainers aufhören. Womöglich gibt es aber bei Hoffenheim noch eine andere Erklärung, die auch schon öfter bei Vereinen mit hohen Ambitionen festgestellt wurde. Zwischen den Ansprüchen und Zielen des Vereins und der Qualität der Mannschaft klafft vielleicht eine große Lücke, die schnell zu Unzufriedenheit führt und für Kurzschlussreaktionen wie jene bei Sebastian Hoeneß sorgt.

Nur Platz elf in der Marktwerttabelle

In der aktuellen Saison zum Beispiel ist Hoffenheim in der Marktwerttabelle von transfermarkt.de nur Elfter. Dabei sollte man in Hoffenheim auch das Spielplanglück hinzunehmen. Vier seiner sechs Siege in dieser Saison holte Hoffenheim gegen Abstiegskandidaten. In der Hinrunde warten noch die Topteams FC Bayern und RB Leipzig auf die TSG. Ähnlich verhielt es sich vergangene Saison beim Topstart nach zehn Spieltagen: Vier der fünf Siege wurden gegen damals im Abstiegskampf befindliche Teams geholt. Die Kernfragen für Hoffenheim in dieser Saison lauten demnach: Genügt die individuelle Qualität der Mannschaft wirklich, um im Kampf um die Europacupplätze einzugreifen? Und: Lässt man sich wieder von Spielplanglück täuschen - oder kann die TSG tatsächlich überperformen und deshalb um die Top Sieben mitspielen?

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Daniel Michel  
26.11.2023