Deutschsprachig als Voraussetzung

Trainerwahl: Warum "Einheitsbrei" der Bundesliga nicht guttut

Marco Rose wurde nach einem Jahr bei Borussia Dortmund entlassen. Foto: Getty
Marco Rose wurde nach einem Jahr bei Borussia Dortmund entlassen. Foto: Getty

Das Gejammer in der Bundesliga ist derzeit groß: Man habe zu wenig Geld im Vergleich zu den internationalen Topligen zur Verfügung und könne deshalb kaum konkurrenzfähig sein. Zum Teil ist dies eine sehr billige Ausrede deutscher Topklubs, um hausgemachte Fehler zu rechtfertigen. So kann bekanntlich eine Mannschaft über sich hinauswachsen, wenn sie einen Toptrainer besitzt. Nur fehlt den Bundesligaklubs meist der Mut dazu, sich für eine spannende Lösung zu entscheiden.

Bei der Trainerauswahl in der Bundesliga fehlt den Klubs oftmals Innovation und Mut. Das führt zwangsläufig zu Rückständigkeit, denn neben dem Gehalt als Topargument will ein Spieler natürlich unter Coaches trainieren, die ihn fordern und weiterbringen.

Alle Bundesligateams setzen derzeit auf einen deutschen beziehungsweise deutschsprachigen Trainer. Wer keinen deutschen Coach ausgewählt hat, der hat zumindest bei "Kindern der Bundesliga" wie dem Kroaten Niko Kovac (Wolfsburg) und dem Dänen Bo Svensson (Mainz) zugegriffen oder holte Österreicher wie Oliver Glasner (Frankfurt) und Schweizer wie Gerardo Seoane (Leverkusen) und Urs Fischer (Union). Augsburg hat noch keinen Coach ausgewählt, aber vermutlich wird es ein, Überraschung, deutschsprachiger Trainer. Auffällig auch: Selbst das Trainermodell Niederlande (deutschsprachig, strukturierter Offensivfußball) ist in der Bundesliga offenbar ausgestorben.

Premier League als Gegenmodell

Zum Vergleich: In der Premier League arbeiten derzeit 10 Cheftrainer, deren Muttersprache nicht Englisch ist. Diese ausländischen Coaches bringen jedoch eine andere Kultur und Biografie mit auf die Insel und befruchten die Teams mit neuen Ideen. Der europäische Topfußball lebt von Pluralität, hier gemeint im Sinne von taktischer und emotionaler Vielfalt - und sie beginnt meist beim Trainer.

In der Bundesliga setzt man dagegen auf deutsche Coaches, meistens mit Lehrjahren beim Konzern Red Bull in Salzburg oder Leipzig (8 von 18 Coaches zu Saisonbeginn 2021/22). Der neueste Trend für 2022/23: Man holt sich Coaches, die mal für die Jugend von Borussia Dortmund gearbeitet haben (u.a. Terzic/BVB, Farke/Gladbach, voraussichtlich Maaßen/Augsburg). Selbstverständlich besitzen viele dieser Trainer Qualität, viele individuelle Entscheidungen der Klubs lassen sich auch nachvollziehen, doch in Gänze muss man fragen: Warum haben die Klubs so viel Angst vor ausländischen Trainern? Eine naheliegende Vermutung: Die Funktionäre sehen es mittlerweile als Voraussetzung für den Erfolg in der Bundesliga an, dass der Trainer die deutsche Sprache beherrscht.

 

Half Guardiola mit, den WM-Titel 2014 für Deutschland zu holen?

Internationale Topcoaches würden aber vielleicht auch Stars aus ihrer Heimat mit in die Bundesliga bringen (es klappte einst beim Italiener Trapattoni und beim Spanier Guardiola) und den deutschen Fußball bereichern und attraktiver machen. Einige Experten behaupten, Deutschland wurde 2014 vor allem deshalb Weltmeister, weil zuvor der Spanier Pep Guardiola die deutschen Bayernstars auf ein neues Niveau gehievt hatte.

Natürlich machen auch ausländische beziehungsweise nicht-deutschsprachige Coaches Fehler, vielleicht scheitern sie auch am Ende in der Bundesliga. Aber formal sind ja zuletzt auch Marco Rose (Dortmund) und der Österreicher Adi Hütter (Gladbach) kläglich nach nur einer Saison gescheitert. Den beiden Klubs hat das Missverständis wohl jeweils über zehn Millionen Euro gekostet, denn neben einer zunächst hohen Ablöse folgte dem Vernehmen nach auch eine hohe Abfindung obendrauf.

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Daniel Michel  
06.06.2022