Viele Abgänge

Neben teuren Neuzugängen: Warum die Topklubs auch viele Spieler abgeben

Während Niklas Süle (l.) zum BVB gewechselt ist, stürmt Erling Haaland (r.) für Manchester City. Foto: Getty Images.
Während Niklas Süle (l.) zum BVB gewechselt ist, stürmt Erling Haaland (r.) für Manchester City. Foto: Getty Images.

Die Fußballvereine an der europäischen Spitze haben erneut einige große Namen verpflichtet. Die Topklubs neigen in diesem Sommer aber auch dazu, sich von mehreren Spielern zu trennen und den Kader umzuwälzen.

Im laufenden Transfersommer sind bereits einige kostspielige Deals über die Bühne gegangen. Der FC Liverpool lässt sich die Dienste von Darwin Nunez bis zu 100 Millionen Euro kosten, Real Madrid zahlt ebenfalls bis zu 100 Millionen Euro für Aurelien Tchouameni und Manchester City hat Erling Haaland für 75 Millionen Euro unter Vertrag genommen. In der Bundesliga erhalten höherpreisige Transfers ebenfalls wieder Einzug: Borussia Dortmund zahlte alleine für Karim Adeyemi und Sebastien Haller zusammengerechnet über 60 Millionen Euro, der FC Bayern hat Sadio Mane für bis zu 41 Millionen Euro unter Vertrag genommen und arbeitet an einem Transfer von Matthijs de Ligt, der dem Vernehmen nach zwischen 70 und 80 Millionen Euro kosten könnte.

Bayern und Dortmund mit vielen Abgängen

Die Spitzenklubs wollen in diesem Jahr aber nicht nur einkaufen, sie lassen auch Spieler ziehen. Der FC Bayern trennte sich beispielsweise von den glücklosen Marc Roca, Omar Richards, Lars Lukas Mai, Christian Früchtl und Corentin Tolisso, zudem entschied sich Niklas Süle für eine Luftveränderung und wechselte nach Dortmund. Auch Robert Lewandowski plant einen Tapetenwechsel, noch hat der FC Barcelona den FC Bayern aber nicht von einem Verkauf überzeugen können. Borussia Dortmund hat indes die Verträge von Axel Witsel und Dan-Axel Zagadou auslaufen lassen, während das Arbeitspapier von Roman Bürki vorzeitig aufgelöst und neben Haaland Sturm-Talent Steffen Tigges verkauft wurde. Ihnen könnten Manuel Akanji, Raphael Guerreiro und Nico Schulz folgen, um finanziellen Spielraum für weitere Neuzugänge zu schaffen. 

Viele Verkaufskandidaten in Leipzig

Während Bayer Leverkusen Lucas Alario (Frankfurt) verkauft und den Vertrag von Julian Baumgartlinger nicht verlängert hat, ist RB Leipzig darum bemüht, den Kader auszudünnen. Tyler Adams und Hee-chan Hwang wurden bereits verkauft, doch auch das in der vergangenen Saison verliehene Trio um Brian Brobbey, Yvon Mvogo und Ademola Lookman könnte abgegeben werden. Laut Sky Sport zählt Nordi Mukiele ebenfalls zu den Verkaufskandidaten, da der Rechtsverteidiger nur noch ein Jahr Vertrag hat. 

Auch englische Spitzenklubs sind in Verkaufslaune 

Die Premier League ist aufgrund der hoch dotierten TV-Verträge und der zahlreichen Investoren weniger in Geldnot, doch auch auf der Insel herrscht ein reger Verkauf. Der FC Liverpool hat Neco Williams, Marko Grujic, Divock Origi, Takumi Minamino, Ben Woodburn und Sadio Mane abgegeben. Manchester City trennte sich von Gabriel Jesus, Fernandinho, Ko Itakura sowie Pedro Porro und wird womöglich Raheem Sterling und Nathan Ake verkaufen. Der FC Chelsea konnte die Verträge von Antonio Rüdiger und Andreas Christensen nicht verlängern, die missglückte Rückkehr von Romelu Lukaku wurde durch die Leihe zu Inter Mailand vorerst rückgängig gemacht und die ebenfalls glücklosen Danny Drinkwater und Charles Musonda Jr mussten die Blues ebenfalls verlassen. Manchester United verpasste es indes, den Vertrag von Paul Pogba zu verlängern und ließ auch Nemanja Matic, Jesse Lingard, Edinson Cavani und Juan Mata ziehen.

Real trennt sich unter anderem von Bale und Jovic

Auch Real Madrid hat einen Fehler aus vergangenen Tagen korrigiert. Luka Jovic, im Sommer 2019 für über 60 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt verpflichtet, wurde ablösefrei an die AC Florenz verkauft; Gareth Bale, der 2013 sogar 101 Millionen Euro kostete und schon länger keine Rolle mehr gespielt hat, erhielt keinen neuen Vertrag; auch Isco und Marcelo mussten die Königlichen verlassen. Derweil verkaufte der FC Barcelona Philippe Coutinho für 20 Millionen Euro an Aston Villa, während Rückkehrer Dani Alves keinen neuen Vertrag erhielt und Clement Lenglet an Tottenham Hotspur ausgeliehen wurde. Die Gerüchte über einen Verkauf von Frenkie de Jong an Manchester United halten sich zudem hartnäckig. 

Juve lässt Quartett ziehen

In Italien sorgt Juventus Turin mit namhaften Abgängen für Aufsehen. Federico Bernardeschi, 2017 für 40 Millionen Euro von Florenz verpflichtet, ist seit dem 1. Juli vereinslos - genau wie Paulo Dybala, der 2015 noch 41 Millionen Euro gekostet hat und für die Bianconeri in 293 Spielen 115 Tore erzielte. Während auch Douglas Costa keinen neuen Vertrag erhielt, verabschiedete sich Vereinsikone Giorgio Chiellini gen USA. Zudem könnte Matthijs de Ligt verkauft werden, am Montag begannen Verhandlungen mit dem FC Bayern über einen Transfer des Niederländers. 

Vier Gründe ausschlaggebend

Die Gründe für die zahlreichen Abgänge sind unterschiedlich. Spieler wie Marc Roca, Nico Schulz, Brian Brobbey, Romelu Lukaku oder Luka Jovic haben trotz teilweise hoher Investitionen - mit einer Ablösesumme in Höhe von 113 Millionen Euro war Lukaku der teuerste Transfer dieser Auflistung  - die Erwartungen nicht erfüllt. Andere Akteure wie Gareth Bale oder Paulo Dybala bezogen ein hohes Gehalt, das die Vereine nicht mehr gewillt waren, zu zahlen. Im Falle von Niklas Süle, Sadio Mane, Marcelo und Giorgio Chiellini haben sich die Spieler für eine Luftveränderung entschieden, während Talenten wie Omar Richards, Christian Früchtl oder Steffen Tigges der Durchbruch verwehrt blieb. Die vielen Abgänge sorgen für eine hohe Fluktuation bei den Spitzenvereinen, die die Einnahmen wiederum in Neuzugänge investieren, um den Kader entweder punktuell zu verstärken oder einen Umbruch zu vollziehen. Dementsprechend dürften bis September noch zahlreiche Deals über die Bühne gehen. 

Florian Bajus  
11.07.2022