Polarisierender Offensivstar

"Kein Vorbild?": Warum die Kritik an Kruse nicht zielführend ist

Max Kruse überragt bei Union Berlin.
Max Kruse überragt bei Union Berlin. Foto: Getty Images

Die Reporter hätten Max Kruse nach dem 5:0-Erfolg von Union Berlin gegen Arminia Bielelfeld gerne befragt. Das Thema wäre wohl weniger der überragende Erfolg, sondern vielmehr das Verhalten außerhalb das Feldes gewesen. Warum eigentlich?

Max Kruse polarisiert außerhalb des Feldes - und trifft damit bei vereinzelten Reportern wieder einmal auf Unverständnis. Der "Tempo-30-Skandal", als er geblitzt wurde und die Polizei in den sozialen Netzwerken als "Schweine" beschimpfte, oder der Besuch einer Shishabar - all das stand bei einigen Journalisten im Vordergrund.

Kritik an Kruse?

So kommentierte der kicker in einer Kolumne: "Man kann als Fußball-Profi durchaus schon mal über die Stränge schlagen - zumindest im Einzelfall. Aber man sollte daraus lernen und danach seiner Vorbildrolle in der Öffentlichkeit einigermaßen gerecht werden. Wenn Kruse dies nicht begreift, muss man um seinen weiteren Werdegang bangen."

Große Anhängerschaft

Doch warum sollte dies passieren? Der 32-Jährige ist bei Jugendlichen sehr beliebt, beim "Zocken" auf Twitch schauen ihm viele zu. Und der Besuch einer Shisha-Bar? Sicherlich: In Coronazeiten unglücklich - und für Jugendliche oft doch eher "cool und lässig". Natürlich ist das Verhalten des so genial auftretenden Offensivmannes nicht immer verständlich.

Kein Musterprofi - aber doch ein eigener Typ

Doch nicht jeder Profi kann - wie ein Joshua Kimmich oder Leon Goretzka - als Musterprofi durch die Karriere wandern. Kruse ist ein anderer Typ, er ist sich treu geblieben und ließ sich bislang auch von Kritik nie verbiegen. Auch das kann vorbildlich sein, weshalb Kolumnen oder Kommentare, die ihn nun wieder scharf kritisieren wollen, wenig zielführend sind.

Florian Bolker  
09.11.2020