Positiver Trend

Warum Borussia den Fans wieder Spaß macht

Borussia Mönchengladbach steht im Pokal-Viertelfinale. Foto: Getty Images.
Borussia Mönchengladbach steht im Pokal-Viertelfinale. Foto: Getty Images.

Das Pokal-Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg war kein Leckerbissen, trotzdem herrschte nach Manu Kones Siegtreffer in der 120. Minute Ekstase. Borussia vermag nicht immer zu glänzen, bewegt ihre Fans aber stärker als in der vergangenen Saison.

Die beiden Achtelfinal-Tage des DFB-Pokals zeigten zwei unterschiedliche Gesichter. Während am Mittwoch in Saarbrücken, Berlin und Stuttgart Spektakel herrschte, bot der Dienstag deutlich weniger Unterhaltung. Das Duell der Bundesligisten Borussia Mönchengladbach und VfL Wolfsburg war frei empfangbar, dürfte über weite Strecken jedoch die wenigsten Zuschauer gefesselt haben.

Ekstase nach dem Siegtor

In den sozialen Netzwerken war nach dem Ende der Verlängerung ein gänzlich anderes Bild wahrzunehmen. Der späte 1:0-Sieg der Fohlen-Elf weckte bei Fans Erinnerungen an den 7. November 2019, als Marcus Thuram in der 95. Minute des Europa-League-Gruppenspiels gegen die AS Rom den 2:1-Siegtreffer erzielte. Es war ein Gefühl der Glückseligkeit wahrzunehmen, ein Adrenalinschub - so wie bei den Spielern, die gemeinsam jubelten, als Manu Kone den Ball nach Vorarbeit von Florian Neuhaus einnickte. Bereits am Wochenende herrschte Euphorie und Ekstase, obwohl die Partie gegen Hoffenheim eine zähe Angelegenheit war - doch auch in diesem Fall ging Borussia als Sieger vom Platz, obwohl sie Spiele dieser Art in der jüngeren Vergangenheit gerne verloren hat.

Erinnerungen an Resilienz

Ex-Trainer Daniel Farke hatte nach seinem Amtsantritt im Sommer 2022 den Begriff "Resilienz" mehrfach hervorgehoben. Die Fohlen-Elf sollte sich gegen Widerstände wehren, Hürden überwinden. Bei den Spielen in Bremen (1:5), Berlin (1:4), Mainz (0:4) und Dortmund (2:5) war allerdings das Gegenteil der Fall. Erst in dieser Saison, mit Gerardo Seoane an der Seitenlinie und einer veränderten Mannschaft, so wirkt es, tritt Borussia resilienter auf.

Gladbach entscheidet 50:50-Duelle

Die 1:0-Führung gegen Hoffenheim hatte nur für einen kurzen Moment Bestand, weil Wout Weghorst zwei Minuten nach Alassane Pleas verwandeltem Elfmeter den Ausgleich erzielte. Das Tor hätte einen Kipppunkt zugunsten der TSG darstellen können, stattdessen traf Nathan Ngoumou in der 80. Minute zum 2:1. Im Pokal-Achtelfinale hatte Wolfsburg in der Schlussphase die besseren Chancen und lediglich eine Abseitsstellung von Tiago Tomas verhinderte den Knockout in der 86. Minute, doch Borussia blieb standhaft und löste mit der letzten Aktion das Viertelfinal-Ticket. Die Mannschaft, geprägt von jungen Gesichtern wie Luca Netz, Rocco Reitz, Manu Kone, Joe Scally und nun auch Fabio Chiarodia, lässt sich nicht mehr so leicht unterkriegen. Selbst die 2:4-Niederlage gegen Borussia Dortmund hätte abgewendet werden können, wenn Christoph Kramer in der 94. Minute etwas mehr Präzision an den Tag gelegt hätte.

Die Entwicklung zählt

Unter Seoane, dessen klare Kommunikation Anklang findet, entwickelt Borussia eine neue Identität und einen neuen Kampfgeist. Auf fußballerischer Ebene herrscht ebenso Nachholbedarf wie in den Ergebnissen, letzteres ist in dieser Saison jedoch fast zweitrangig. Mit 16 Punkten rangiert Gladbach auf dem zehnten Tabellenplatz, doch das Pokal-Viertelfinale, vier ungeschlagene Heimspiele in Serie und die gewonnenen 50:50-Spiele gegen Hoffenheim und Wolfsburg haben das Band zwischen Spielern und Fans mehr gestärkt, als es die zwischenzeitlichen Höhenflüge der vergangenen beiden Jahre getan haben. Der Eindruck einer nachhaltigen Entwicklung überwiegt jedes kurzfristige Highlight - deshalb macht Borussia den Fans wieder Spaß.

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Florian Bajus  
07.12.2023