Wechselkontingent nicht genutzt

Auswechselregel: War Löws Attacke gegen die UEFA nur Ablenkung?

Löw nutzte sein Wechselkontingent zuletzt nicht aus.
Löw nutzte sein Wechselkontingent zuletzt nicht aus. Foto: Getty

Die Belastung für die Profis ist durch den engen Spielplan, verursacht durch die Corona-Zwangspause zu Beginn des Jahres, enorm. Bundestrainer Joachim Löws Forderung aus dem September, fünf Wechsel beizubehalten, kam die UEFA nach. Nach den letzten Länderspielen von Deutschland wirkt allerdings der Eindruck, Löw wollte damit nur von den eigentlichen Problemen ablenken.

Im September nach dem ersten Länderspiel im Kalenderjahr 2020 gegen Spanien (1:1) regte sich Bundestrainer Joachim Löw im Anschluss mächtig auf. "Die ganze Zeit gab es fünf Wechsel, das fand ich sinnvoll. Jetzt wird es zurückgenommen - gerade jetzt!", beklagte der 60-Jährige damals die gewohnte Wechselkapazität von drei Spielern. Nur wenig später änderte die UEFA das Regelwerk in puncto Auswechselkontingent wieder und entschied: vorübergehend dürfen weiterhin in allen europäischen Fußball-Wettbewerben fünf Wechsel vorgenommen werden.

Gegen Ukraine und Schweiz zusammen nur sieben Wechsel

Löw dürfte das Nachkommen der UEFA eigentlich zufriedengestellt haben, doch zeigte der Bundestrainer im Oktober keine großen Ansätze davon. Im Zeitraum von nur einer Woche trat Deutschland neben dem Testspiel gegen die Türkei (3:3) in der Nations League gegen die Ukraine (2:1) und die Schweiz (3:3) an. Während Löw gegen die türkische Auswahl sechs Spielerwechsel (bei Freundschaftsspielen möglich) vornahm, schöpfte er seine Möglichkeiten mit jeweils nur drei vorgenommen Auswechslungen gegen die Ukraine und die Schweiz aber nicht völlig aus. Ukraine-Coach Andriy Shevchenko mit vier Wechseln und  Schweiz-Trainer Vladimir Petkovic mit allen fünf wussten hierbei besser zu profitieren.

Löw will im November größeren Kader

"Wir müssen einen größeren Kader nominieren", teilte Löw im Hinblick auf die nächsten drei Länderspiele im November beim ARD-Interview mit und fügte an: "Ansonsten ist es kaum machbar für die, die auch ständig im internationalen Wettbewerb spielen, die ständig englische Wochen haben." Laut dem Bundestrainer wolle der DFB "auch Rücksicht nehmen, das werden wir auch tun."

Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Schwachstellen?

Zuletzt hatte sich der Bundestrainer viel Kritik an seiner Haltung und seiner Taktik gefallen lassen müssen. Insbesondere der Defensivbereich zeigte zuletzt immer wieder eine Problemstelle im DFB-Team. So auch schon im September, als Deutschland nur unmittelbar vor Schlusspfiff gegen Spanien noch ein Gegentor kassierte und somit den Sieg verspielte. Löws Probleme sind auch ihm bekannt, das hat er zuletzt öfter unmissverständlich betont. Doch die Wechselforderung war wohl nur ein Ablenkungsmanöver, um von den eigentlichen Schwachstellen abzulenken.

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Adrian Kuehnel  
14.10.2020