Einbau junger Talente

Von Netz bis Zakaria: Warum der Umbruch Hütter Punkte kostet

Gladbachs Luca Netz (M.) wird von Unions Rani Khedira (l.) und Christopher Trimmel in die Mangel genommen.
Gladbachs Luca Netz (M.) wird von Unions Rani Khedira (l.) und Christopher Trimmel in die Mangel genommen. (Foto: Lukas Schulze/Getty Images)

22 Punkte nach 20 Spieltagen sind für Borussia Mönchengladbach viel zu wenig. Derzeit wird viel darüber diskutiert, wie viel Anteil Trainer Adi Hütter daran hat und ob er noch der Richtige für den Job sei. Doch wenn man sich einige Spielsituationen ansieht, ist es nicht nur eine Frage der Trainerqualitäten.

Vor der Saison forderte Sportdirektor Max Eberl den Einbau junger Spieler ein. Hütter nahm sich der Sache an und folgte den Vorgaben seines Chefs. Bei der Ursachenforschung für die schlechte Punktausbeute spielt mitunter genau dieser Umbruch eine große Rolle, weil der sich auf die gesamte Mannschaft niedergelegt hat.

Fehlende Erfahrung junger Talente

Joe Scally, Luca Netz, Manu Kone und Jordan Beyer sind vier Youngsters, die in dieser Saison schon mehrmals eine tragende Rolle gespielt haben. Allerdings läuft bei ihnen noch nicht alles glatt. Unglücklich sah der 18-jährige Netz zum Beispiel gegen Union Berlin (1:2) aus. In der Schlussphase hatte er sogar den Siegtreffer auf dem Fuß, erwischte den Ball aber nur mit dem Schienbein und verfehlte somit das Tor um wenige Zentimeter. Bleibt zu spekulieren, ob er mit mehr Erfahrung in puncto Positionierung den Treffer gemacht hätte. Dann würde wohl keiner von einer Niederlage sprechen. Stattdessen erzielte FCU-Angreifer Max Kruse kurz darauf das entscheidende Tor für die Berliner.

Überperformance der feststehenden Abgänge

Im vergangenen Jahr wurde es versäumt, mit Denis Zakaria und Matthias Ginter zu verlängern. Seit Wochen steht fest, dass beide die Borussia spätestens im kommenden Sommer verlassen werden. Für beide Akteure geht es derzeit darum, sich für einen neuen Klub anzubieten - sie hoffen jeweils auf einen großen Vertrag. Dies kann dafür sorgen, dass das Duo überperformen will. Gegen Eintracht Frankfurt (2:3) waren Zakaria und Ginter am zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich entscheidend beteiligt. Zakaria ging ins Dribbling und verlor den Ball in der eigenen Hälfte, Ginter hob anschließend beim Treffer von Rafael Borre das Abseits auf. Ohne diesen Doppelfehler wäre Gladbach mit einer Führung in die Halbzeitpause gegangen. Der Spielverlauf wäre so vielleicht ein ganz anderer geworden.

Teils mentale Probleme der Führungsspieler

Weil die jungen Wilden sich noch Fehler leisten dürfen, müssen die Altstars liefern. Doch teilweise ließen sich auch diese von falschen Entscheidungen anstecken. Eine schlechte Figur machte zuletzt der sonst so solide Nico Elvedi. Vor dem 0:1-Rückstand in Hannover (0:3) versuchte der Innenverteidiger den Ball etwas eigenwillig mit der Hacke zu klären. Die Szene endete mit einem Gegentor. Schon in der Hinrunde war er bei der 0:1-Pleite in Augsburg der Leidtragende. Neben der köperlichen Dauerbelastung könnte auch die mentale Komponente als Grund für die Misere dienen, denn nach einer anstrengenden Vorsaison und einer kräftezehrenden EURO gab es bislang kaum Verschnaufpausen für den Schweizer.

Tom Jacob  
25.01.2022