Bundesliga-Tabellenkeller

Von Dardai bis Leitl: Welcher Coach rettet sich in die Winterpause?

Pal Dardai und Frank Kramer kämpften mit Hertha BSC und Arminia Bielefeld um den Klassenerhalt (v.l.). Foto: Getty Images.
Pal Dardai und Frank Kramer kämpften mit Hertha BSC und Arminia Bielefeld um den Klassenerhalt (v.l.). Foto: Getty Images.

Mit Mark van Bommel wurde in dieser Bundesligasaison erst ein Trainer entlassen. Der Niederländer musste den VfL Wolfsburg nach dem neunten Spieltag verlassen und wurde durch Florian Kohfeldt ersetzt. Bis Weihnachten dürfte der eine oder andere Coach noch um seinen Job bangen, insbesondere die Übungsleiter auf den Tabellenplätzen 14 bis 18 stehen im Fokus. Ein Überblick.

Nach zwölf Spieltagen zeichnet sich ein erstes Bild über die Kräfteverhältnisse in dieser Bundesligasaison ab. Während der FC Bayern und Borussia Dortmund einen Zweikampf um die Tabellenspitze führen und der SC Freiburg überraschend auf Platz drei liegt, bleibt Hertha BSC auf dem 14. Tabellenplatz erneut hinter den Erwartungen zurück. Dahinter rangiert der FC Augsburg auf Platz 15, mit dem VfB Stuttgart belegt die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison den Relegationsplatz. Die Schwaben lassen lediglich Arminia Bielefeld und Greuther Fürth hinter sich. Um die Saisonziele nicht zu gefährden, könnte der eine oder andere Verein im unteren Tabellendrittel einen Trainerwechsel in Betracht ziehen - welcher der Coaches muss am ehesten um seinen Job bangen?

Pal Dardai - Hertha BSC

Pal Dardai ist seit fast exakt zehn Monaten bei Hertha BSC im Amt. Der Ungar, bereits zwischen Februar 2015 und Juni 2019 Cheftrainer der "Alten Dame", erreichte in der vergangenen Saison den Klassenerhalt mit den Hauptstädtern, die im Sommer einen erneuten Umbruch vollzogen haben. Doch positiv gewirkt haben die zahlreichen Transfers offensichtlich noch nicht, nach sieben Niederlagen in zwölf Partien weist Hertha erst 13 Punkte vor. Im Zuge der 0:5-Niederlage gegen den FC Bayern am dritten Spieltag stellte Dardai bereits seinen Job zur Verfügung, Sportchef Fredi Bobic sah jedoch von einer Entlassung ab. "Pal hat gemerkt: Er hätte nach drei Niederlagen und seinem emotionalen Fehler eigentlich fliegen müssen", erläuterte Bobic Anfang November bei DAZN. Davon habe er allerdings abgesehen, "weil ich ihm und dem Verein zeigen wollte: Wir brauchen Ruhe und Stabilität", betonte der 50-Jährige. Zuletzt gab es für die Hertha eine 0:2-Derby-Niederlage gegen Union Berlin. In den verbleibenden fünf Bundesliga-Spielen bis Weihnachten sollte die Hertha mindestens sechs Punkte einfahren, damit es keine weiteren Diskussionen um den Trainer gibt.

Markus Weinzierl - FC Augsburg

Auch Markus Weinzierl erlebt seine zweite Amtszeit beim FC Augsburg. Von 2012 bis 2016 formte der 46-Jährige die Fuggerstädter vom Abstiegskandidaten zum Europa-League-Teilnehmer, fünf Jahre später steht wieder der Abstiegskampf im Vordergrund. Der Druck war nach fünf Niederlagen in neun Spielen groß, der 4:1-Sieg über den VfB Stuttgart am zehnten Spieltag gab allerdings neuen Aufwind. Zwar verlor Augsburg das darauffolgende Spiel gegen den VfL Wolfsburg mit 0:1, doch am vergangenen Freitag wurde der FC Bayern mit 2:1 bezwungen. Bringt der FCA die Intensität und Leidenschaft aus dem Bayern-Spiel auch gegen andere Mannschaften auf dem Platz, dürften die Klub-Bosse den Weg mit Weinzierl fortsetzen - enttäuschen die Spieler jedoch in den Duellen mit Hertha BSC (27.11), dem VfL Bochum (04.12) und dem 1. FC Köln (10.12), könnte die Trainerdiskussion neu aufflammen und Weinzierl ernsthaft um seinen Job bangen.

Pellegrino Matarazzo - VfB Stuttgart

Der VfB Stuttgart beendete die vergangene Saison als Aufsteiger auf einem beeindruckenden neunten Tabellenplatz. Doch die von vielen Verletzungen geplagten Schwaben haben in dieser Saison mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, von zwölf Partien wurden lediglich zwei gewonnen. Auch gegen Borussia Dortmund (1:2) gingen Pellegrino Matarazzo und die Seinen trotz eines leidenschaftlichen Auftritts leer aus. Dennoch sitzt der Cheftrainer fest im Sattel: "Wichtig ist, dass wir solchen Situationen mit unseren Tugenden begegnen und dazu gehört eben auch, ehrlich in den Spiegel zu schauen und nicht aus dem Fenster. Wir sagen nicht umsonst, dass der Trainer hier nicht zur Diskussion stehen wird, selbst wenn wir absteigen würden, würde er Trainer bei uns bleiben", sagte Sportdirektor Sven Mislintat vor knapp zwei Wochen gegenüber Sport1. Bereits im Juli verkündete Mislintat, Matarazzo werde selbst im Abstiegsfall VfB-Coach bleiben (fussball.news berichtete). Eine Trennung wirkt daher ausgeschlossen.

Frank Kramer - Arminia Bielefeld

Arminia Bielefeld hat die wenigsten Niederlagen aller Mannschaften im unteren Tabellendrittel kassiert (5), allerdings konnten die Ostwestfalen auch erst ein Spiel gewinnen: Vor der Länderspielpause feierte die Arminia einen 1:0-Sieg in Stuttgart. Am Samstag hätte die Arminia mit Coach Frank Kramer auch den VfL Wolfsburg besiegen können, binnen weniger Sekunden gab die Mannschaft jedoch eine 2:0-Führung aus der Hand und musste sich mit einem 2:2 begnügen. Allen voran die mangelnde Chancenverwertung ist ein großes Problem, mit neun erzielten Treffern stellt Bielefeld die zweitschwächste Offensive der Liga, nur Greuther Fürth (8) traf noch seltener. Vor der Partie in Stuttgart betonte Sportchef Samir Arabi gemäß dem kicker, der Verein denke "mit keiner Pore unseres Körpers" an einen Trainerwechsel und sei "mit der Arbeit des gesamten Trainerteams zufrieden". Sollte die Arminia bis zur Winterpause den Anschluss an das rettende Ufer verlieren, könnte in der T-Frage wohl ein Umdenken stattfinden.

Stefan Leitl - Greuther Fürth

Greuther Fürth ist überraschend in die Bundesliga aufgestiegen - aber bisher noch nicht wirklich im Oberhaus angekommen. Das 0:4 gegen Borussia Mönchengladbach war bereits die vierte Niederlage mit mindestens drei Toren Unterschied, darüber hinaus feierten die Franken mit dem 1:1 gegen Bielefeld am zweiten Spieltag den einzigen Punktgewinn dieser Saison. Cheftrainer Stefan Leitl steckt gemeinsam mit seiner Mannschaft nicht auf und kämpft jede Woche auf ein Neues um wertvolle Zähler, allerdings leistet sich das Kleeblatt desolate Auftritte. Mit 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen, Union Berlin und Borussia Dortmund warten nun schwere Gegner im Hinrunden-Endspurt auf Fürth. Sollten die Franken ihren Punkteschnitt bis Weihnachten nicht erhöhen, wäre es ein logischer Schritt, mit einem neuen Trainer nochmal alles zu probieren, um den Klassenerhalt zu erreichen.

Welche Chance bietet die Winterpause?

Sollte sich einer der Vereine für einen Trainerwechsel entscheiden, hat der neue Übungsleiter kaum Zeit, um die Mannschaft kennenzulernen und auf die Rückrunde einzustellen. Die Winterpause beginnt am 20. Dezember und endet mit dem Auftakt des 18. Spieltags am 7. Januar 2022. Dass andererseits nicht immer eine lange Anlaufzeit nötig ist, hat Mainz 05 letztes Jahr eindrucksvoll bewiesen. Als Bo Svensson vor dem 15. Spieltag am Bruchweg anheuerte, belegten die Rheinhessen mit sechs Punkten den 17. Tabellenplatz - in der Endabrechnung stand Platz zwölf mit 39 Zählern zu Buche. Auch die Transfers von Dominik Kohr, Danny da Costa und Robert Glatzel hatten ihren Anteil am Aufschwung. Zwar schränkt die Corona-Pandemie die Handlungsmöglichkeiten der Vereine ein, im Umkehrschluss fallen jedoch auch Ablösesummen und Gehälter meist geringer aus. Durch kluges Transfermanagement und eine frühzeitige Entscheidungsfindung in der Trainerfrage kann der Turnaround durchaus noch gelingen.

Florian Bajus  
22.11.2021