Corona-Chaos

"Völlig abwegig": Sportjurist sieht keine Chance für Profi-Impfpflicht

Die Debatte ums Impfen hält an. Foto: Getty Images
Die Debatte ums Impfen hält an. Foto: Getty Images

Der Druck auf ungeimpfte Fußballprofis nimmt dieser Tage deutlich zu. Der FC Bayern steht voll im Scheinwerferlicht der öffentlichen Debatte, weil bei den Münchnern bisher wohl gleich fünf Spieler ohne den Schutz gegen das Coronavirus sind und dem Klub deshalb zuletzt zeitweise fehlten oder es noch tun.

Wie der kicker am Dienstagabend berichtete, haben sich mit Serge Gnabry und Jamal Musiala zwei Profis zwischenzeitlich zur Erstimpfung begeben. Ob sie dabei auf die Gehaltskürzungen während Quarantäne-Zeiten reagiert haben, oder sich anderweitig überzeugen ließen, sei dahingestellt. Diskutiert wird längst über noch drastischere Maßnahmen, etwa eine Impfpflicht für Fußballprofis. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kann sie sich beispielsweise wohl ganz gut vorstellen. Sportjurist Christoph Schickhardt sieht aber keine Chance.

"Rechtlich kein plausibler Anknüpfungspunkt"

"Eine Impfpflicht nur für Fußballprofis ist völlig abwegig. Dies ist auch ein gutes Stück Populismus", sagt der 66-Jährige gegenüber der Münchner Abendzeitung. Bei einer allgemeinen Impfpflicht wären natürlich auch Profis betroffen, isoliert nur für die Branche fehle es aber an einer rechtlichen Grundlage. "Wie kommt man denn gerade ausschließlich auf Fußballprofis? Dafür gibt es rechtlich keinen plausiblen Anknüpfungspunkt", betont Schickhardt.

"Völlig falsch, eine Vorbildfunktion zuzuschreiben"

Der Jurist argumentiert dabei auch gegen den wiederholt vorgebrachten Standpunkt, Spieler müssten sich einer besonderen Verantwortung gegenüber der Gesamtgesellschaft stellen. "Ich halte es für völlig falsch, Fußballern diesbezüglich eine Vorbildfunktion zuzuschreiben. Damit sind sie doch völlig überfordert. Wer zu seiner Entscheidung, ob er sich impfen lässt oder nicht, ein Vorbild benötigt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen", meint Schickhardt. Vereinen wie dem FC Bayern rät er, Profis nicht zu sehr in die Ecke zu drängen. "Dies würde nur eine weitere Trotz-Haltung hervorrufen." Zumindest in den Fällen Gnabry und Musiala scheint nun aber das Gegenteil eingetreten zu sein. Laut Medienberichten erwägen auch Joshua Kimmich und Michael Cuisance nun, sich gegen das Virus impfen zu lassen.

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Lars Pollmann  
24.11.2021