Kollektive Verunsicherung

Verzockt sich Glasner beim Rechtsverteidiger-Roulette?

Glasners "alter Haudegen" Timothy Chandler stand zuletzt als Rechtsverteidiger bei der Eintracht auf dem Platz. Foto: Getty Images

Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison bislang viele Baustellen. Eine große allerdings ist und bleibt die Position des rechten Außenverteidigers. Mit fünf Spielern experimentiere Trainer Oliver Glasner, kein Akteur wurde Stammspieler. Die Folge: Fehlende Konstanz und kollektive Verunsicherung. 

Aus dem Sportpark Ronhof in Fürth berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich 

Es war die Höchststrafe für Almamy Toure in der Auswärtspartie bei der SpVgg Greuther Fürth (2:1): Der Franzose wurde zur Halbzeit für den schwachen Erik Durm eingewechselt und kurz vor Spielende wieder ausgewechselt. "Er wurde nicht verletzungsbedingt ausgewechselt", sagte Frankfurts Trainer Oliver Glasner nach dem Spiel auf Nachfrage von fussball.news. Gemeinsam mit dem ausgewechselten Durm hatte Toure an jenem Abend im Frankenland die zweitschlechteste Passquote (50 Prozent) bei der Eintracht nach Filip Kostic (43). Bezeichnend: Sogar Keeper Kevin Trapp konnte mit 58 Prozent mehr Zuspiele zum Mitspieler bringen. Der 25-jährige Defensivspieler konnte laut Glasner aufgrund seiner Verletzungshistorie im Kalenderjahr 2021 zwar keine Konstanz verkörpern, "trotzdem erwarte ich ein Stück weit mehr in der Defensive, als er es hier gezeigt hat. Die Fürther sind zu einfach hinter ihm durchgekommen." Deutliche Kritik an Toure, den sich Glasner schon nach dem 2:1 beim FC Bayern München zur Brust genommen hatte. Dabei ist Toure der Spieler, der in Sachen Marktwertentwicklung auf der Position wohl die größten Chancen auf eine Steigerung hat.

Da Costa-Abgang rückt immer näher

Die haben seine Konkurrenten nur bedingt. Bei Danny da Costa läuft der Vertrag im kommenden Sommer aus. Der 28-Jährige saß in der Bundesliga zuletzt viermal auf der Tribüne, nachdem sich Sportboss Markus Krösche im Sommer früh auf dessen Verbleib festgelegt und im Juli noch eine Vertragsverlängerung forciert hatte. Seit seiner Einwechslung beim FC Bayern München, wo er nach rund einer Stunde für Toure in die Partie kam, um den Defensivverbund zu stärken, ist da Costa komplett außen vor. Dabei gehörte bei seinen Einsätzen zuvor gegen Fenerbahce Istanbul (1:1) und beim VfL Wolfsburg (1:1) noch zu den zweikampfstärksten Frankfurtern. Und doch sagte Glasner nun etwas kryptisch: "Ich denke, wir erwarten, dass es hier vielleicht ein Stück weit besser möglich ist für ihn." Trotz der etwas unklaren Ausdrucksweise auch hier deutliche Kritik am Spieler. Ein Abgang des Pokalsiegers von 2018 könnte nach fussball.news-Informationen auch im Winter schon konkret werden.

Kurioses Wechselspiel mit Durm und Barkok 

Das Rechtsverteidiger-Roulette bei der Eintracht hatte zuletzt aber auch zwei Kuriositäten zur Folge. Erik Durm (Vertrag bis 2023), der in der Europa League bei Olympiakos Piräus noch mit einem Magen-Darm-Infekt ausgefallen war, landete drei Tage später in Fürth in der Startelf. Der in Piräus noch in der Startelf aufgebotene Aymen Barkok (Vertrag läuft aus) saß dort hingegen auf der Tribüne. "Aymen hat in den 30 Minuten gegen Leipzig aufgezeigt, dass er es gut machen kann. In Piräus hat er die Konstanz, von der wir sprechen, nicht gezeigt", erklärte Glasner. Gegen den griechischen Topklub war die Aufstellung des 23-jährigen Eigengewächses aber auch ein klassisches Missmatch. Der Platz auf der Tribüne kann einerseits als leistungsgerecht, andererseits aber auch als Höchststrafe gewertet werden. Die Verunsicherung dürfte auch bei ihm nun groß sein. In Fürth übrigens wechselte Glasner Timothy Chandler ein. "Da habe ich nochmal den alten Haudegen Timmy Chandler ausgegraben", sagte er. Auch der war zwischenzeitlich nach drei Einsätzen am Stück drei Spiele draußen. Fünf eingesetzte Spieler auf der Rechtsverteidigerposition, keiner bekam aber langfristig das Vertrauen. Glasners Roulette-Spiel kennt bislang nur Verlierer. 

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Benjamin Heinrich  
09.11.2021