SGE-Hoffnungsträger

DFB-Team in der Krise - verpasst die Eintracht eine historische Chance?

Frankfurts Dominik Kohr (l.) und Sebastian Rode wären für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt. Foto: Imago

Die deutsche Nationalmannschaft steckt seit der Weltmeisterschaft 2018 in Russland in einer sportlichen Krise. Zuletzt kamen im Testspiel gegen die Türkei sogar zahlreiche Reservisten aus der Bundesliga unter Bundestrainer Joachim Löw zum Zug. Einzig Eintracht Frankfurt kann scheinbar kein Kapital aus der Schwächephase des DFB-Teams schlagen.

Kevin Trapp, Danny da Costa, Sebastian Rode und Dominik Kohr: Bei Eintracht Frankfurt tummeln sich durchaus gestandene Bundesligaprofis, die auch für Deutschland spielberechtigt wären. Während Torhüter Kevin Trapp weiter um sein EM-Ticket als Nummer drei hinter DFB-Kapitän Manuel Neuer und Barca-Keeper Marc-Andre ter Stegen kämpft, sieht es bei den anderen allerdings nicht danach aus, als könnten sie sich bei Bundestrainer Joachim Löw aufdrängen. Mit Torhüter Markus Schubert und Stürmer Ragnar Ache stehen zudem zwei U21-Nationalspieler im Kader, die aber noch auf den Durchbruch in der Bundesliga warten. Mittelfeldtalent Aymen Barkok entschied sich zuletzt gegen eine Karriere im DFB-Dress und für das marokkanische Nationalteam.

Dabei wäre die Chance wohl so groß wie nie, für die deutsche Auswahl nominiert zu werden. Vom einstigen Weltmeister und Weltfußballer Lothar Matthäus hagelte es zuletzt schon heftig Kritik am Bundestrainer und dessen Nominierungen. Ersatzspieler aus der Bundesliga wie Nico Schulz, Mo Dahoud (beide Borussia Dortmund) und Benjamin Henrichs (RB Leipzig) wirkten beim 3:3-Testkick gegen die Türkei mit. Die europäische Spitzenklasse vertraten die drei Akteure in jedem Fall nicht.

Da Costa und Rode waren mal Thema

Aus dem Kader der Eintracht allerdings drängte sich zuletzt kein deutscher Akteur auf. Rechtsverteidiger Danny da Costa war in der Saison 2018/19 noch ein heißes Thema in der DFB-Elf, sprach selbst auch vom großen Traum in der A-Nationalmannschaft aufzulaufen. Für die deutsche U21 absolvierte der 27-Jährige fünf Länderspiele, insgesamt deren 32 in deutschen Jugendauswahlteams. Auch Teamkollege Dominik Kohr lief als Mittelfeldspieler 27-mal in den Nachwuchsmannschaften auf. Beide Spieler fanden sich zuletzt in Frankfurt aber auf der Bank wieder - eine Nominierung von Bundestrainer Joachim Löw scheint in weite Ferne gerückt.

Eintrachts Mittelfeldmann Sebastian Rode spielte sich dagegen zuletzt bei den Hessen in den Blickpunkt, machte sich in der Zentrale unverzichtbar und legte sogar seine Verletzungsanfälligkeit ab. Auch er lief immerhin sechsmal für die deutsche U21 auf, bei seinen Stationen in Dortmund (2016 bis 2019) und München (2014 bis 2016) blieb dem 30-Jährigen der internationale Durchbruch allerdings verwehrt, dort wurde er trotz berechtigter Hoffnungen nicht für Deutschland nominiert. Neben seinem Alter, was konträr zur zuletzt verordneten Verjüngungskur von Joachim Löw steht, spricht vor allem die Konkurrenzsituation im DFB-Mittelfeld gegen eine Berufung Rodes. Mit Leon Goretzka, Joshua Kimmich (beide FC Bayern) und Toni Kroos (Real Madrid) duelliert sich der gebürtige Hesse mit Spielern aus der Kategorie Weltklasse.

Packt Younes den Sprung nochmal?

Ein Ass im Ärmel besitzt die Eintracht aber noch. Alle Hoffnungen in Sachen Einsätze im DFB-Team ruhen in Frankfurt nun auf Neuzugang Amin Younes, der zuletzt vom SSC Neapel zur Eintracht wechselte. Younes lief schon fünfmal für die deutsche A-Nationalmannschaft auf, wurde 2017 Confed-Cup-Sieger unter Coach Löw. Der 27-jährige Offensivspieler steht für Kreativität, Eins-gegen-Eins-Duelle und Spielwitz. igenschaften, die der Nationalmannschaft zuletzt sehr abgingen. Mit einer herausragenden Saison könnte sich Younes nochmal in die Notizbücher des DFB spielen. Ein bisschen Resthoffnung bleibt also, dass die Eintracht aus Ihrer Sicht die Krise der Nationalmannschaft doch nicht ganz ungenutzt lässt.

Historische Dimension

Und eine Nominierung und ein Einsatz von Younes - oder eben eines anderen Eintracht-Feldspielers - würde durchaus eine historische Dimension annehmen. Denn in diesem Jahrtausend hat noch kein Feldspieler im Dienst von Eintracht Frankfurt ein Pflichtspiel für die deutsche Nationalmannschaft bestritten. Überhaupt gelang dies mit Keeper Kevin Trapp nur einem Eintracht-Profi in diesem Jahrtausend. Trapp stand Anfang September 2020 beim 1:1 gegen Spanien zwischen den Pfosten des deutschen Tors.

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Benjamin Heinrich  
13.10.2020