Juventus um Sieg gebracht

VAR-Skandal in Turin: Entscheidende Kamera nicht verfügbar

Nach dem vermeintlichen Tor kam es zu einer Rudelbildung mit drei Platzverweisen. Foto: Getty Images
Nach dem vermeintlichen Tor kam es zu einer Rudelbildung mit drei Platzverweisen. Foto: Getty Images

Die Einführung des Videobeweises im Profifußball sollte für mehr Gerechtigkeit sorgen. Es lässt sich trefflich streiten, ob das Hilfsmittel diesem Anspruch gerecht wird. Einen solchen Skandal wie beim Spiel Juventus gegen Salernitana in der Serie A am Sonntag hat es dabei sicher nicht oft gegeben.

Arkadiusz Milik glaubte, die Alte Dame tief in der Nachspielzeit zum 3:2-Sieg gebracht zu haben und zog sich in Ekstase das Trikot vom Leib. Dafür sah der Stürmer Gelb-Rot, was umso bemerkenswerter war, als dass sein Treffer nachträglich aberkannt wurde. Das Problem: Die vermeintliche Abseitsstellung von Leonardo Bonucci ließ sich im Nachhinein widerlegen, Antonio Candreva stand deutlich näher zur Grundlinie als sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege. Die entscheidenden Bilder machten die Runde in den sozialen Medien, ein Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten.

 

Bilder aus der Taktik-Kamera

Die italienische Schiedsrichterorganisation A.I.A. hat den Vorfall nun kommentiert. Demnach stammen die entlarvenden Bilder von einer Kamera, die dem Videoassistenten nicht zur Verfügung stand. Bei einem Abgleich der kursierenden Bilder mit denen den Videoschiedsrichtern zur Verfügung stehenden Bildern sei keine Übereinstimmung festzustellen gewesen, gibt die Sportzeitung Tuttosport die Einschätzung der A.I.A. weiter. Es habe sich um die Aufnahmen einer Kamera gehandelt, die Bilder für Taktik-Analysen liefert.

Kein Teil der Live-Übertragung

Wie der ESPN-Journalist Gabriele Marcotti ferner berichtet, gehört die entsprechende Kamera nicht zur Live-Übertragung der Spiele aus dem Allianz Stadium in Turin. Vielmehr würden die Aufnahmen auf eine Festplatte gespielt. Aus den zur Verfügung stehenden Bildern ließ sich für Hauptschiedsrichter Matteo Marcenaro die Abseitsposition von Bonucci zweifelsfrei feststellen. Mit dieser Fehlentscheidung hat er dem Videobeweis in Italien einen Bärendienst erwiesen.

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Lars Pollmann  
13.09.2022