U21-Coach hofft auf "Projekt Zukunft"

Kuntz schlägt Alarm: In der Jugend sind "Basics zu Lasten der Taktik verloren gegangen!"

U21-Coach Stefan Kuntz kommt bei der Nachwuchsausbildung ins Grübeln. Foto: Getty Images

Im Rahmen der EM-Qualifikationsspiele der deutschen U21-Nationalmannschaft gegen Moldau und Belgien macht Trainer Stefan Kuntz auf Probleme in der Ausbildung des Nachwuchses aufmerksam und setzt dabei große Hoffnungen in das vom DFB-Bundestag beschlossene "Projekt Zukunft."

Aus der Brita-Arena in Wiesbaden berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Trotz der coronabedingten fünf Wechsel zum Ende der vergangenen Saison sind die Zahlen, auf die U21-Trainer Stefan Kuntz bei einer digitalen Medienrunde unter anderem mit fussball.news aufmerksam machte, alarmierend. Am letzten Spieltag der Bundesliga kamen in Deutschlands Eliteliga gerade einmal 15 potentielle oder tatsächliche deutsche U21-Nationalspieler zum Einsatz, nur fünf davon standen in der Startelf. Zum Vergleich: In der Premier League waren es 34 bei 21 Startelfeinsätzen, in der Serie A 31 (10 von Beginn an) und in der spanischen La Liga 25 bei 10 Startelfspielern. 

Taktik verdrängt individuelle Qualität

Deutschland hinkt in der Nachwuchsausbildung weiter hinterher. Denn bei den ausländischen U21-Profis liegt die Bundesliga weit vorne im Vergleich zu den anderen Topligen Europas. "Generell wird die Ausbildung im Projekt Zukunft überdacht. Wie können wir individuelle Basics wieder mehr trainieren? Die sind zu Lasten der Mannschaftstaktik verloren gegangen", kritisierte Deutschlands U21-Trainer. Das bekommt auch der Europameister von 1996 in seiner Arbeit zu spüren: "Das merken wir Jahr für Jahr, wenn Jungs zu uns kommen, die jahrelang als Toptalente gehandelt wurden. Diese würden beim Übergang in den Seniorenbereich staunen und denken: 'Toptalent? Das nutzt mir ja gar nichts, ich spiele gar nicht. Da werden sie dann erstmals damit konfrontiert, was andere haben."

Deutsche Spieler haben "soft skills"

Doch Kuntz sieht auch durchaus Positives in der Entwicklung des eigenen Nachwuchses. Trotz höherer individueller Qualität bei den Konkurrenz aus England, Frankreich, Spanien und Italien, nimmt der Saarländer bei seinen Spielern in Deutschland vor allem sogenannte "soft skills" wahr. "Das ist auch eine Form von Qualität, wenn ich einen Matchplan umsetzen kann, so diszipliniert bin, dass ich etwas aktiv für den Mannschaftsgeist tue und meiner Mannschaft nicht mit Undiszipliniertheiten schade." Faktoren, die sich "auf Dauer durchsetzen werden" und die das Trainerteam der U21 bewusst fordert und fördert. Der Rest soll folgen: "Das Projekt Zukunft wird bald hoffentlich beschlossen und damit wird dann auch wieder etwas anderes auf den Weg gebracht."

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Benjamin Heinrich  
02.09.2020