Bayern-Stürmer musste viel Kritik einstecken

Turnier-Bilanz von Lewandowski: Erfüllt Polens Kapitän nun die Erwartungen?

Die Hoffnungen der polnischen Nationalmannschaft ruhen wieder einmal auf Robert Lewandowski. Foto: Imago.
Die Hoffnungen der polnischen Nationalmannschaft ruhen wieder einmal auf Robert Lewandowski. Foto: Imago.

Robert Lewandowski ist das Aushängeschild der polnischen Nationalmannschaft. Der Angreifer des FC Bayern soll seine Mitspieler nicht nur mit der Kapitänsbinde, sondern auch durch seine Tore anführen. Für seine Leistungen bei den vergangenen großen Turnieren auf Nationalmannschaftsebene geriet Lewandowski jedoch in die Kritik - ein Rückblick.

In den vergangenen drei Jahren hat Robert Lewandowski nochmal einen großen Sprung in seiner Entwicklung gemacht. Schon zuvor war der Angreifer des FC Bayern und der polnischen Nationalmannschaft für seine zahlreichen Tore bekannt, mit Beginn der Saison 2018/19 erreichte der 32-Jährige allerdings eine neue Dimension. Auf 40 Tore und 13 Vorlagen (2018/19) folgten 55 Tore und 10 Vorlagen (2019/20), die frisch abgelaufene Saison beendete Lewandowski mit wettbewerbsübergreifend 48 Treffern und 9 Assists.

Der letzte Schritt

Durch den Triple-Triumph mit dem FC Bayern ist Lewandowski in der Weltspitze angekommen, wurde zu Europas Fußballer des Jahres 2020 und zum Weltfußballer des Jahres 2020 gewählt. Darüber hinaus brach er den von Gerd Müller im Jahr 1972 aufgestellten Rekord von 40 Saisontoren in der Bundesliga, als er beim 5:2-Sieg der Bayern über den FC Augsburg am 34. Spieltag der abgelaufenen Saison sein 41. Tor erzielte. 

Turnier-Bilanz in der Nationalmannschaft überschaubar

Auch bei der Nationalmannschaft ist Lewandowski treffsicher, in 118 Länderspielen gelangen ihm 66 Tore. Doch für einen Aspekt musste sich der Kapitän Kritik gefallen lassen: In den großen Spielen vermochte er nicht zu treffen. Zwar titelte die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach dem 1:1-Remis zwischen Polen und Griechenland zum Auftakt der EM 2012 "Ein Lewandowski reicht Polen nicht", nachdem der damalige Dortmund-Profi noch in Minute 17 den ersten Treffer des Turniers erzielt hatte. Ein zweites Tor blieb ihm in den Partien gegen Russland (1:1) und Tschechien (0:1) jedoch verwehrt. Polen schied bei der Heim-EM dann bereits in der Vorrunde aus.

EM 2016: Aus trotz frühem Treffer

Die Europameisterschaft 2016 war ebenfalls nicht das Turnier des Top-Stürmers, in fünf Spielen stand erneut ein Treffer zu Buche. Im Viertelfinale gegen Portugal erzielte Lewandowski nach 100 Sekunden das 1:0, nach 120 Minuten inklusive Elfmeterschießen schieden die Biało-Czerwoni jedoch gegen den späteren Titelträger aus. Bereits nach dem ersten Gruppenspiel gegen Nordirland (1:0) urteilte der kicker, Lewandowski habe in der Luft gehangen, nach dem Sieg im Achtelfinale gegen die Schweiz (6:5, n.E.) resümierte die Welt: "Bislang fand der 27-Jährige bei der EM überraschend wenig statt, dabei waren vom überragenden Bundesliga-Torschützenkönig Treffer wie am Fließband erwartet worden." 

Torlose WM 2018

Bei der Weltmeisterschaft 2018 blieb Lewandowski derweil torlos, nach Niederlagen gegen Senegal (1:2) und Kolumbien (0:3) war trotz des 1:0-Sieges über Japan nach der Gruppenphase Schluss. "Lewandowski war in der ersten Halbzeit wohl gar nicht auf dem Feld", sagte Ex-Nationalspieler Maciej Szczesny nach der Auftakt-Pleite gegen Senegal im polnischen Fernsehen, mit Bezug auf die damaligen Gerüchte über einen Wechsel zu Real Madrid zog die Welt nach dem Ausscheiden ein herbes Fazit: "Die WM-Bilanz von Lewandowski ist keine Bewerbung für Real Madrid."

Neues Turnier, neues Glück

Die diesjährige Europameisterschaft bietet Lewandowski nun eine weitere Gelegenheit, seine Mannschaft zum Erfolg zu führen. Das muss angesichts der großen Konkurrenz um Frankreich, England, Spanien, Portugal & Co. nicht der EM-Titel sein, das Erreichen der K.o.-Runde mit Toren und Assists sollte aber der Maßstab sein. Denn wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo wird sich auch Lewandowski als Weltfußballer an seinen Leistungen in großen Turnieren messen lassen müssen, wie Ex-Stürmer Andrzej Juskowiak in Sport Bild betonte: "Er sollte auch in der Nationalmannschaft eine absolute Führungsfigur sein und den Unterschied machen - gerade wenn es nicht läuft und wir in Rückstand geraten."

Florian Bajus  
10.06.2021