Pochettino oder Potter?

Tuchel überraschend entlassen: Wer folgt bei Chelsea?

Pochettino und Potter gelten als Favoriten bei Chelsea. Foto: Getty Images
Pochettino und Potter gelten als Favoriten bei Chelsea. Foto: Getty Images

Die Entlassung von Domenico Tedesco bei RB Leipzig ist am Mittwochvormittag rasch in den Schatten gestellt worden. Überraschend hat sich auch der FC Chelsea von seinem Cheftrainer getrennt. Keine anderthalb Jahre nach dem Triumph in der Champions League ist Thomas Tuchel bei den Blues Geschichte.

Insbesondere in Anbetracht der horrenden Investitionen in den Kader der Londoner in der abgelaufenen Transferperiode verwundert, dass der dabei involvierte Cheftrainer nun keine große Geduld bei den neuen Besitzern des Klubs vorgefunden hat. "Nun da die neue Besitzer-Gruppe seit 100 Tagen im Amt ist, und da sie weiter hart daran arbeitet, den Klub voranzubringen, glauben die Besitzer, es sei die richtige Zeit, diese Veränderung vorzunehmen", heißt es im entsprechenden Statement von Chelsea. Das 0:1 zum Auftakt in die Champions League bei Dinamo Zagreb am Dienstag hat womöglich das Fass zum Überlaufen gebracht. Über eine Nachfolgeregelung wolle man demnächst informieren, heißt es derweil kurz angebunden. fussball.news nennt einige denkbare Kandidaten.

Mauricio Pochettino

Der größte verfügbare Name auf dem Trainermarkt ist wohl ohne große Zweifel Pochettino. Der Argentinier erhielt am Saisonende bei Paris Saint-Germain keinen neuen Vertrag, nachdem er daran gescheitert war, mit dem Starensemble um Kylian Mbappe, Lionel Messi und Neymar die erhofften Erfolge in der Champions League zu feiern. In England genießt der Ex-Profi aus seiner Zeit beim FC Southampton und den Tottenham Hotspur einen glänzenden Ruf. Der 50-Jährige wäre die logische Wahl, wenn Chelsea sich am eigenen Status als Fußball-Weltmacht orientiert.

Graham Potter

Die Entlassung von Tuchel nicht einmal eine Woche nach dem Deadline Day der Transferperiode, in der Chelsea annähernd 300 Millionen Euro ausgegeben hat, legt nahe, dass die neuen Besitzer des Klubs nicht zwingend den üblichen Gepflogenheiten des Geschäfts folgen. Insofern wäre auch die kostenintensive Verpflichtung eines aktuell gebundenen Trainers denkbar. Die erste Wahl in der Premier League wäre Potter, der mit Brighton and Hove Albion einen Höhenflug erlebt und für eine klare fußballerische Linie steht. Es wäre wahrscheinlich eine Rekordablöse fällig, aber wann hat Geld Chelsea in den letzten Jahren abgeschreckt?

Marcelo Bielsa

Wenn es um einen Trainer mit klarem Konzept geht, der zudem frei verfügbar wäre, könnte auch ein Blick auf Bielsa lohnen. Der Argentinier gilt als Exzentriker, heißt nicht umsonst bisweilen bloß 'El Loco'. Seine Expertise ist jedoch unbestritten. Pep Guardiola ist nur eine von vielen erfolgreichen Coaches, die im 67-Jährigen eine der wichtigsten Inspirationen für den heute erfolgreichen Fußball sehen. Gerade für ein kurzfristiges Engagement könnte Bielsa Sinn machen, der die Premier League aus Zeiten bei Leeds United bestens kennt. 

Andriy Shevchenko

Bevor Tuchel im Januar 2021 von Klublegende Frank Lampard übernahm, war bei den Buchmachern auf der Insel auch Shevchenko ein sehr beliebter Name. Als Stürmer mag der Ukrainer bei Chelsea gefloppt sein, als Trainer seiner Nationalmannschaft hat der 45-Jährige sehr überzeugende Arbeit geleistet. Beim FC Genua als erste Klubstation hat es für 'Sheva' überhaupt nicht funktioniert, was seine Verpflichtung als Nachfolger von Tuchel sehr mutig dastehen ließe.

Joachim Löw

Seit der Weltmeister-Trainer nach der EURO beim DFB freiwillig von seinem noch gültigen Vertrag zurückgetreten ist, gilt eine Rückkehr in den Vereinsfußball als sein erklärtes Ziel. Löw soll dabei aber wählerisch sein und nur für absolute Spitzenklubs zur Verfügung stehen. Ob Chelsea nach Tuchel gleich den nächsten deutschen Trainer engagieren würde, ist wohl fraglich. 

Zinedine Zidane

Nach seinen Erfolgen bei Real Madrid gilt 'Zizou' als ein Trainer, der sich seinen nächsten Posten aussuchen kann. Dem Vernehmen nach schielt der einstige Weltstar auf die französische Nationalmannschaft, weshalb er die Nachfolge von Pochettino bei PSG abgelehnt haben soll. Wenn sich an der Haltung etwas geändert haben sollte, wäre Chelsea sicher eine reizvolle Aufgabe. 

John Terry

Mit Lampard als Spieler-Ikone, die zum Cheftrainer wurde, hat es bei den Blues letztlich nicht funktioniert. Ob es mit Terry besser liefe, käme wohl auf einen Versuch an. Der früher beinharte Abwehrmann und absolute Leader der Chelsea-Generation unter Jose Mourinho ist Anfang des Jahres nach London zurückgekehrt, arbeitet im Nachwuchsbereich, er hegt aber klar formulierte Cheftrainer-Ambitionen. Dafür kommt es wahrscheinlich noch deutlich zu früh, aber zu 100 Prozent ist wohl aktuell nichts auszuschließen.

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Lars Pollmann  
07.09.2022