Zulassung in der Bundesliga?

Trotz Nizza: Keller will offenen Pyro-Dialog

Pyrotechnik soll in der Bundesliga womöglich erlaubt werden. Foto: Getty Images
Pyrotechnik soll in der Bundesliga womöglich erlaubt werden. Foto: Getty Images

Der erste Spieltag in den Gruppenphasen der Europapokale unter der Woche hat für viel Gesprächsstoff außerhalb des Sports gesorgt. Unter anderem bei den Spielen von Borussia Dortmund gegen den FC Kopenhagen sowie Inter Mailand gegen den FC Bayern kam es zu Pyro-Shows auf den Rängen, das Gastspiel des 1.FC Köln bei OGC Nizza wurde von gewalttätigen Ausschreitungen überschattet.

Die beiden Themen haben nur am Rande miteinander zu tun, werden in der öffentlichen Diskussion aber häufig vermengt. Vor allem konservative Fußball-Beobachter sehen im Abbrennen von Pyrotechnik den Vorboten von Gewalt, wie sie sich etwa an der Cote d'Azur abgespielt hat. Diese Kräfte schlagen nun regelrecht Alarm, weil in der Bundesliga eine teilweise Legalisierung der gerade unter Ultra-Gruppierungen beliebten Pyrotechnik im Raum steht. Wie Bild am Sonntag berichtet, könnten sich Politik, DFL und DFB darauf einigen, künftig das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik in sicheren Bereichen des Stadions zu erlauben.

"Losgelöst von den gewalttätigen Vorfällen in Nizza"

Mit Christian Keller spricht sich auch der Sportchef des 1.FC Köln dafür aus, offen über das Thema zu diskutieren. "Grundsätzlich ist es sinnvoll, dass sich DFB und DFL Gedanken darüber machen, wie sich der Umgang mit Fankultur weiterentwickeln kann. Planungen zu einem legalisierten, kontrollierten Einsatz von Pyrotechnik müssen dabei in jedem Fall losgelöst von den gewalttätigen Vorfällen in Nizza betrachtet werden", lässt er sich zitieren. Dem Boulevardblatt zufolge soll Ende November eine Konferenz der Innenminister das weitere Vorgehen entscheiden.

Watzke gegen "Schnellschüsse"

Dabei sei zu erwarten, dass Pyrotechnik, die die Hand verlässt und andere Personen verletzen kann, weiterhin verboten bleibt. Sogenannte Bengalos, die der jeweilige Zuschauer in der eigenen Hand hält, könnten aber in dafür vorgesehenen Bereichen auf den Tribünen erlaubt werden. Allerdings sind noch viele Fragen zu klären, weshalb Hans-Joachim Watzke in BamS "vor Schnellschüssen" warnt: "Wenn sich die Politik plötzlich die Legalisierung von Pyrotechnik in den Stadien vorstellen kann, müssten die Klubs als Veranstalter aus der Haftung genommen werden. Mir fehlt jegliche Fantasie, wie das funktionieren soll." Als Aufsichtsratschef der DFL und Vizepräsident des DFB wird Watzke am Entscheidungsprozess beteiligt sein. Ob dabei eine Rolle spielt, dass Pyrotechnik unter den Fans des BVB mindestens genauso beliebt ist wie beim 1.FC Köln, sei dahingestellt.

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Lars Pollmann  
11.09.2022