Eintrachts Führungsspieler

Trapp statt Hinteregger: So kam es wirklich zum Kapitänswechsel

Martin Hinteregger (m.) mit Kevin Trapp (r.) beim Auswärtsspiel in München. Foto: Getty Images

In der Halbzeit zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt (1:0) kam Frankfurts Schlussmann Kevin Trapp überraschend mit der Kapitänsbinde aus der Kabine. Obwohl der etatmäßige Vizekapitän Martin Hinteregger ebenfalls auf dem Platz stand. fussball.news erklärt die Hintergründe. 

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich 

Martin Hinteregger hat in dieser Saison bei Eintracht Frankfurt noch nicht seine Topform gefunden, kämpfte mit Verletzungen und seiner eigenen Leistung. Vor der Saison allerdings bestimmte der neue Trainer Oliver Glasner seinen Landsmann zum Vizekapitän. Neben Routinier Makoto Hasebe und hinter Kapitän Sebastian Rode. Folgerichtig wäre Hinteregger nach dem Ausscheiden Rodes zur Halbzeit beim Spiel in Köln und durch das Fehlen Hasebes der logische Spielführer für die zweite Hälfte gewesen. Doch stattdessen übernahm Trapp die Binde.

Hinteregger lehnt Kapitänsamt ab 

Nach fussball.news-Informationen kam es in der Pause zu einem Sechs-Augen-Gespräch zwischen Hinteregger, Rode und Trapp. Der 29-jährige Innenverteidiger hat in diesem deutlich gemacht, dass er sich derzeit auf seine eigene Leistung konzentrieren will und die Führungsrolle gerne an Torhüter Trapp abgeben würde. Eine reife Denke, die dem Defensivspieler intern Respekt einbringen dürfte. Auf diese wurde sich schließlich schnell und einvernehmlich geeinigt. Eine Entscheidung aus dem Führungskreis der Eintracht heraus. Trainer Glasner oder gar Sportvorstand Markus Krösche waren nicht involviert. Die Entscheidung hat deshalb auch noch keine Aussagekraft für die kommenden Spiele. 

Instabiler Führungskreis 

Dennoch stellt die aufgekommene Thematik erneut die Frage nach den Führungsspielern der Eintracht. Mit Sebastian Rode wurde ein Kapitän bestimmt, der auch beim 1. FC Köln zur Halbzeit verletzt rausmusste und bislang in der Bundesliga nur in 25 Prozent der Spielzeit auf dem Platz stand. Diesmal musste er aufgrund einer Bauchmuskelzerrung weichen, nicht wegen des lästigen Knies. Makoto Hasebe ist mit seinen 38 Jahren ein Vorzeigeprofi, aber fällt er aus, muss etatmäßig Hinteregger die erste Führungsrolle übernehmen, obwohl seine Nominierung im Sommer schon Fragen aufwarf. Die Eintracht und Glasner erhofften sich dadurch einen weiteren Schub des Nationalspielers, der allerdings ausblieb. In der Nachbetrachtung eine zumindest fragwürdige Entscheidung. 

Fehlt es der Eintracht an Typen?

Dass Trapp in Köln auf einmal wieder erste Wahl war, ist bezeichnend. Der 31-Jährige wurde schließlich im Sommer nicht in die engste Führungsriege berufen, was beim Nationalkeeper auch schwer aufstieß. Dabei wäre seine Nominierung folgerichtig gewesen. Als einziger deutscher Nationalspieler im Diensten der Eintracht ist er Aushängeschild und Gesicht des Klubs. Hinter Trapp, Rode, Hasebe und Hinteregger wird es in Sachen Führungsspielern allerdings dünn. Auch ein Grund für die derzeitige Krise der Frankfurter, bei denen es in stürmischen Zeiten an Typen fehlt. Dass sich Hinteregger aus diesem Kreise verständlicherweise zeitweise ausklinken will, kommt daher auch zur Unzeit. 

Benjamin Heinrich  
20.02.2022