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Trapp, Hinteregger & Kostic: Weltklasse bei der Eintracht

Kevin Trapps Weltklasse-Parade gegen die Glasgow Rangers. Foto: Getty Images

Was haben Kevin Trapp, Martin Hinteregger und Filip Kostic gemeinsam? Sie alle starteten mit Eintracht Frankfurt nur mäßig in die Saison, stiegen dann aber zur Weltklasseform auf und krönten den Traditionsklub am Ende zum Europa League-Sieger. 

Der eine hat das Spiel der Eintracht mit seiner Dominanz auf der linken Seite limitiert, die beiden anderen wurden für ihre schwachen Leistungen zum Saisonstart teils heftig, an mancher Stelle überhart, kritisiert: Filip Kostic, Kevin Trapp und Martin Hinteregger hatten zum Neubeginn der Saison keinen einfachen Stand in der Frankfurter Medienlandschaft. Doch spätestens mit dem historischen Triumph in der Europa League ist nun klar: Alle drei Spieler belehrten ihre Kritiker eines Besseren und waren zum richtigen Zeitpunkt wieder voll auf der Höhe, regelrecht in Weltklasseform, um mit den Hessen nach 42 Jahren wieder einen europäischen Titel nach Hause zu holen. fussball.news blickt zurück. 

Deutschlands Nummer 1b? 

Kevin Trapp, dieser Wahnsinnskeeper, kam nur schwerfällig in die Saison. Die Gedanken noch bei einer Katastrophen-EM mit der deutschen Nationalmannschaft, seiner Nicht-Berücksichtigung bei der Frankfurter Kapitänsfrage, war er zu Höchstleistungen nicht im Stande. Beim 2:5 in Dortmund und dem 0:0 gegen den FC Augsburg sah er nicht gut aus. Doch mit dem 2:1-Auswärtssieg beim FC Bayern München Anfang Oktober berappelte er sich plötzlich. Mit der wohl besten Torhüterleistung in der Bundesliga in 2021/22. Sein Fokus war wieder auf der eigenen Leistung, er selbst veränderte laut eigener Aussage ein paar Kleinigkeiten. Seit jenem Tag in München gab es kein einziges schlechtes Spiel des 31-Jährigen mehr. Im Gegenteil. Die Ausreißer nach oben gab es immer wieder. Darunter auch der 3:2-Sieg beim FC Barcelona im Europa League-Viertelfinale. Im Finale gegen die Glasgow Rangers rettete er die Eintracht mit einer Monsterparade in der 118. Minute ins Elfmeterschießen und hielt dort den entscheidenden Elfer. Trapp ist in der Form seines Lebens, war zwischenzeitlich auch wieder Kapitän. Zu seinem Unglück lebt er in einer Zeit mit Manuel Neuer (FC Bayern München) - sonst wäre er zum gegenwärtigen Stand wohl Deutschlands Nummer Eins. In Frankfurt ist er es unumstritten und soll es auch noch eine ganze Weile bleiben.

Der verhinderte Held war zur 'Crunchtime' wieder da

Das will auch Martin Hinteregger. Der Frankfurter Publikumsliebling ist bei der Eintracht heimisch geworden. Doch auch seine Saison hatte Höhen und Tiefen. Auch der 28-Jährige hatte eine EM mit Österreich in den Knochen, spielte lange unter Einfluss von Schmerzmitteln mit einer Schulterverletzung. Im Nachhinein wohl ein großer Fehler. Denn seine Form konnte "Hinti" nicht finden. Deshalb fand er sich zeitweise auch auf der Bank wieder. Der absolute Tiefpunkt beim 0:2 gegen den VfL Wolfsburg in der Bundesliga Mitte Februar. Doch der Tiefpunkt sollte auch der Wendepunkt für den Innenverteidiger werden. Beim Rückspiel gegen Betis Sevilla im Achtelfinale der Europa League war er der beste Mann auf dem Platz, war am Treffer in der Nachspielzeit maßgeblich beteiligt. Was er im Viertelfinale gegen den FC Barcelona in zwei Spielen ablieferte, war fast von einem anderen Stern und vor allem eines: Weltklasse. Zur rechten Zeit befand sich Hinteregger wieder in seiner absoluten Topform. Dass er sich ausgerechnet im Halbfinal-Rückspiel gegen West Ham verletzte und so das große Finale verpasste, machte ihn zum tragischen, zum verhinderten Helden. Doch ohne seine Performances gegen Barca wäre die Eintracht dort ohnehin niemals gelandet. Sein Chelsea-Trauma von 2019 hat er so oder so überwunden. Hintereggers Vertrag läuft noch bis 2024, seine spezielle Art, die bei den Fans Kult ist, wird intern des Öfteren auch mal hinterfragt. Ein Kritikpunkt: Hinteregger liefert "nur" in den großen Spielen. Doch eine Eintracht ohne den Österreicher ist derzeit nur schwer vorstellbar.

Rekordscorer Kostic auf den Spuren Hölzenbeins 

Ähnlich verhält es sich mit Filip Kostic. Der 29-jährige Serbe wollte vor der Saison noch weg. Ließ dafür sogar das Abschlusstraining vor dem Auswärtsspiel in Bielefeld sausen. Nachdem der Wechsel zu Lazio Rom aber platzte, zeigte er sich geläutert und lieferte. 22 Scorerpunkte (sieben Tore, 15 Vorlagen) in 43 Einsätzen sind Bestwert bei der Eintracht. Vier Saisons in Folge lieferte der Nationalspieler mindestens 20 Scorerpunkte ab. Nach Bernd Hölzenbein der erste Spieler seit Gründung der Bundesliga, dem dieses Kunststück bei der Eintracht gelang. Das schafften im Adlertrikot weder Alex Meier noch Anthony Yeboah oder Uwe Bein. Im Camp Nou, beim 3:2-Sieg gegen den FC Barcelona, überragte Kostic mit zwei Treffern. In den Halbfinalspielen gegen West Ham United war er vor allem eines: Verlässlich. Dass ausgerechnet der Linksaußen im Finale gegen Glasgow den einzigen Treffer in der regulären Spielzeit mit einer seiner Flanken vorbereitete, war fast schon zu erwarten. Durch Neuzugang Ansgar Knauff sind die Frankfurter auch auf der rechten Seite plötzlich offensiv aufgestellt, das Spiel der Eintracht ist nicht mehr einseitig. Die Kritik zu Saisonbeginn löste sich damit in der Rückserie, zumindest auf europäischer Bühne, in Luft auf. Bislang standen die Zeichen bei Kostic auf Abgang nach der Saison. Sein Vertrag läuft 2023 aus. Doch aktuell scheint selbst eine Verlängerung nicht mehr ausgeschlossen. In Frankfurt ist der Linksfuß schließlich in Regelmäßigkeit Weltklasse und damit wie Trapp und Hinteregger eigentlich unverzichtbar. 

Benjamin Heinrich  
22.05.2022