Ziele der Eintracht

Top 6? Deshalb gerät Hütter nun mehr unter Druck

Nach unten oder nach oben? Wohin geht es für die Eintracht in dieser Saison? Foto: Imago

Eintracht Frankfurt spielt in dieser Saison erstmals unter Trainer Adi Hütter nicht europäisch. Der Druck auf den Österreicher allerdings ist groß, den Sprung mit der Eintracht in die Top 6 der Bundesliga soll gelingen.

Zwei Jahre lang tourte Eintracht Frankfurt durch Europa, zelebrierte die Europa League regelrecht und stärkte die eigene Marke auf dem ganzen Kontinent. Erstmals, seitdem Adi Hütter bei den Frankfurtern im Sommer 2018 das Zepter übernommen hat, muss der Anhang der Eintracht auf europäische Festspiele verzichten. Das wiederum zieht nach sich, dass der Druck in der Liga auf Team und Trainer größer wird. Ein Platz in den Top Sechs ist zwar nicht zwingend von der Vereinsführung vorgegeben, doch zu spüren ist dieser Anspruch an Hütter und seinem Team im kompletten Eintracht-Kosmos. Der Druck auf den SGE-Coach nimmt nun zu. Die Gründe:

1. Dreifachbelastung entfällt

Trotz aller Euphorie im Frankfurter Umfeld waren die vergangenen zwei Jahre für die Spieler der Eintracht mit einer hohen Belastung verbunden. Über 100 Spiele absolvierten die Hessen innerhalb von zwei Runden, viel Zeit ging für Regenerationsphasen drauf. Nun besitzt Trainer Adi Hütter endlich die Möglichkeit, auch vermehrt unter der Woche, zwischen zwei Spielen, Inhalte zu trainieren und an Taktiken zu feilen. Die nachvollziehbare Argumentation "Dreifachbelastung" für so manche überraschende Punktverluste entfällt nun. Daran wird sich auch der Österreicher messen lassen müssen. Das 1:1 zum Saisonauftakt gegen Arminia Bielefeld war bereits ein Warnschuss, das Umfeld geriet bereits in Unruhe, bevor Hütter zwei Siege gegen Berlin und Hoffenheim folgen ließ.

2. Leistungsträger sind geblieben

In den vergangenen beiden Sommern war Hütter immer in der Situation, einen Umbruch im Kader moderieren zu müssen. Nach dem Pokalsieg 2018 gingen Leistungsträger wie Kevin Prince Boateng, Lukas Hradecky, Marius Wolf und Omar Mascarell. Im vergangenen Jahr verlor der 50-Jährige seine gesamte "Büffelherde" aus Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic. In dieser Periode allerdings blieben alle Leistungsträger an Bord. Weder Keeper Kevin Trapp noch Außenbahnspezialist Filip Kostic oder Innenverteidiger Martin Hinteregger verließen die Frankfurter. Erstmals seit langer Zeit können die Verantwortlichen auf ein bestehendes Fundament aufbauen und auf eine eingespielte Mannschaft setzen. Auch Nationalspieler Trapp sagte zuletzt: "Wir haben nicht viele Wechsel im Vergleich zum letzten Jahr, sind eingespielt." Ein möglicher Erfolgsfaktor, der auch Hütter zugute kommen wird - und ihn gleichzeitig unter Druck setzt, regelmäßig Siege einzufahren.

3. Erwartungshaltung gestiegen

Nach zwei Jahren Europa League sind die Fans der Eintracht verwöhnt. Nach dem Pokalsieg ging es stetig bergauf, das soll so bleiben. Die logische Folge wäre wieder eine Platzierung im oberen Tabellendrittel. Ambitionen haben sowohl der Trainer als auch die Spieler. Hütter erklärte zuletzt: "Es steht außer Frage, dass wir zurück nach Europa wollen." Auch Mittelfeldspieler Dominik Kohr erklärte das eindeutige Ziel: "Wir sollten auf jeden Fall die internationalen Plätze angreifen. Das ist mit unserem Kader möglich." Das schürt nicht zuletzt auch im Umfeld Erwartungen und Ansprüche, an denen sich die Akteure in Frankfurt messen lassen müssen.

Die Erwartungshaltung an die Frankfurter Mannschaft ist in allen Bereichen gestiegen. Manch einer im Umfeld träumt sogar von der Champions League. Der Glaube an Europa ist in jedem Fall da. Sowohl Verantwortliche als auch Spieler, Medien und Fans sind überzeugt von einer starken Saison der Eintracht. Das Zutrauen in Trainer Adi Hütter ist von allen Seiten groß. Doch auch das schürt wiederum eine Erwartungshaltung, der die Beteiligten nun gerecht werden müssen.

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Benjamin Heinrich  
06.10.2020