Wandel, Dramen und Skandale

Super League, Eriksen, Messi: Die Fußball-Schocks des Jahres

Das Drama um Eriksen bleibt im kollektiven Gedächtnis. Foto: Getty Images
Das Drama um Eriksen bleibt im kollektiven Gedächtnis. Foto: Getty Images

Das Fußballjahr 2021 neigt sich überall in Europa dem Ende entgegen. Es wird als ein zweites Jahr in die Historie eingehen, das von der Covid-19-Pandemie geprägt wurde. Aus sportlicher Sicht bleiben zum Beispiel die Titelgewinne Italiens bei der EURO und Argentiniens bei der Copa America in Erinnerung.

Auch wenn die Turniere, die Pandemie und der ganz normale Fußball-Wahnsinn genügend Gesprächsstoff für dutzende Jahresrückblicke bieten, gab es doch einige Momente, die ihren ganz eigenen Platz darin einnehmen müssen. Es spielten sich Dramen ab, es gab Veränderungen mit gewaltigen Auswirkungen, hin und wieder konnte mit Fug und Recht die Rede von Skandalen sein. fussball.news liefert eine Auswahl an Schocks des Jahres 2021, die in chronologischer Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit präsentiert werden.

09. März: Joachim Löw kündigt Rücktritt an

Dass Löw über die EURO hinaus nicht Bundestrainer bleiben würde, war schon zuvor eine allseits beliebte Spekulation, obwohl sein Vertrag beim DFB-Team noch bis 2022 lief. Schließlich fehlte nicht viel, und der Weltmeister-Trainer von 2014 wäre schon nach dem Debakel von Russland vier Jahre später gegangen. Dennoch schlug die Ankündigung seines Rückzugs zum Sommer im März riesige Wellen. Die Auswirkungen werden wohl noch viele Jahre zu spüren sein: Immerhin machte Löw den Weg für Hansi Flick frei, der den FC Bayern ansonsten vielleicht nicht verlassen hätte. Die Münchner holten bekanntlich Julian Nagelsmann von RB Leipzig. Die Kettenreaktion hat so einige der wichtigsten Trainerbänke des Landes betroffen und wird den deutschen Fußball so noch lange prägen.

18. April: Gründung der Super League

Die Gründung einer Eliteliga für reiche Klubs, die angeblich in den nationalen Wettbewerben zu wenig Geld verdienen können, ist seit Jahrzehnten immer wieder mal im Gespräch. Mitte April schien der Moment ziemlich unvermittelt gekommen, da aus der Idee, manch einer würde sagen, aus der Drohung, Realität wird. Zwölf Klubs aus der Premier League, LaLiga und Serie A versuchten sich an der Revolution. Heute lässt sich sagen, dass die Sache ein ziemlicher Rohrkrepierer war und die Vereinsbosse wohl vor allem den Unmut der Anhänger ihrer Klubs unterschätzt haben. Doch im Frühjahr wirkte es kurzzeitig so, als komme das gesamte Fußball-System ins Wanken. 

22. Mai: Werder folgt Schalke in die 2. Liga

Mit dem Abpfiff des 34. Spieltags der Bundesliga-Saison 2020/21 stand fest, dass nach dem bereits abgestiegenen FC Schalke 04 mit Werder Bremen ein zweites Schwergewicht des deutschen Fußballs den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten muss. Beide Klubs hatten in den Vorjahren bisweilen damit geflirtet, vor allem Schalke war in der Abstiegssaison über Monate klar auf Kurs Unterhaus. Der späte Absturz von Werder aber bleibt im Rückblick ziemlich bemerkenswert. Nach einem Sieg über Arminia Bielefeld in einem Nachholspiel hatten die Hanseaten Anfang März elf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den sie am Ende um zwei Zähler verpassten. Zwei Traditionsklubs, die dem Hamburger SV in die 2. Liga folgen, dieses Szenario hätten die wenigsten Fans erwartet.

12. Juni: Christian Eriksen kollabiert bei der EURO

Die Szene, die sich wohl am stärksten ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat, spielte sich bei der EURO ab. Kurz vor der Halbzeitpause des Spiels zwischen Dänemark und Finnland kollabierte Mittelfeldmann Eriksen ohne Fremdeinwirkung nahe der Seitenlinie. Schnell war klar, dass hier ein medizinischer Notfall vorlag. Es ist der schnellen Reaktion von Mitspielern und Ärzten zu verdanken, dass der 29-Jährige seinen Herzstillstand überlebte. Jeder Fußballfan wird sich noch in Jahrzehnten daran erinnern, wie er die bangen Momente verfolgte, in denen Fußball zur Nebensache wurde und die Welt stillzustehen schien. In Erinnerung bleibt aber auch, dass die Teamkollegen, die sich schützend um den um sein Leben kämpfenden Profi gestellt hatten, nach zweistündiger Unterbrechung weiterspielen mussten. Und, dass in den sozialen Medien Profilierungssüchtige sowie Verbreiter von Fake News ihr Unwesen trieben.

05. August: Lionel Messi verlässt Barca

Wenn es einen Verein gibt, der das Jahr 2021 ungewollt geprägt hat, dann war es wohl der FC Barcelona. Die Katalanen waren Mitbetreiber der gescheiterten Super-League-Pläne, vermeldeten Rekordschulden, schlitterten in eine tiefe sportliche Sinnkrise und verloren Anfang August auch noch den vielleicht besten Spieler aller Zeiten. 101 Worte war die Meldung des Abschieds von Messi dem Klub am Abend des 05. August auf seiner Homepage wert. Unvergessen bleibt, wie sich der Argentinier unter Heulkrämpfen drei Tage später von seinem Herzensklub verabschiedete. Dass Messi wiederum nur zwei Tage später als Neuzugang von Paris Saint-Germain vorgestellt wurde, hatte ein gewisses Geschmäckle.

20. November: Markus Anfang tritt nach Impftäuschung zurück 

Ganz ohne Hinweise auf Covid-19 kommt auch eine Liste der Schocks des Jahres 2021 natürlich nicht aus. Die späte Einsicht von Joshua Kimmich, dass eine Impfung trotz vielleicht noch nicht vollkommen einsehbarer Langzeitfolgen das weitaus kleinere Übel darstellt als eine Krankheit mit womöglich schwerem Verlauf, hätte es womöglich in die Liste geschafft. Jedoch muss der Skandal um Markus Anfang rückblickend ein deutlich höherer Stellenwert zugeordnet werden. Dass sich der Trainer von Werder Bremen einen gefälschten Impfpass besorgt hat und dabei mit allerlei Terminen durcheinander kam, wie er inzwischen selbst eingestanden hat, dürfte ihn vermutlich auf Jahre hinaus die Möglichkeit kosten, in Deutschland ein Traineramt auszuüben. Der Profifußball in Deutschland hatte sich bis dahin achtbar aus der Covid-Affäre gezogen, wehrte sich mit einiger Berechtigung gegen den Vorwurf, aus reiner Geldgier sein Programm stur durchzuziehen. Anfang erwies seiner eigenen Branche einen gewaltigen Bärendienst und wird die Konsequenzen noch lange spüren. 

15. Dezember: Sergio Agüero muss seine Karriere beenden

Auch zum Abschluss des Jahres ging es bei Barca heiß her. Die Verpflichtung von Xavi Hernandez als Chefcoach und Nachfolger von Ronald Koeman war Anfang November nach den bisherigen Ereignissen 2021 ein heller Lichtstreifen am Horizont für die Millionen von Fans der Katalanen. Doch nur knapp einen Monat später gab es den letzten Tiefschlag, der natürlich vor allem Agüero persönlich trifft. Der 33-Jährige muss seine Karriere auf ärztlichen Rat wegen Herzproblemen beenden. Kein halbes Jahr nach seinem ablösefreien Wechsel zu Barca ist der Argentinier dazu gezwungen, unter Tränen den viel zu frühen Schlussstrich unter die eigene Laufbahn zu ziehen. Für den FC Barcelona sollten es nur fünf Einsätze sein, in denen Agüero seinen einzigen Treffer immerhin im Clasico gegen Real Madrid erzielen konnte.

Profile picture for user Lars Pollmann
Lars Pollmann  
27.12.2021