Eintracht-Coach

Super League? Hütter schlägt Alarm: "Man muss die Spieler schützen!"

Eintracht-Trainer Adi Hütter hat eine klare Meinung zur Super League. Foto: Imago

Adi Hütter äußert sich als Trainer von Eintracht Frankfurt selten zu gesellschaftsrelevanten Themen, behält gerne den Fokus auf dem Sportlichen. In Sachen Super League und Entfremdung des Fußballs kam der Österreicher nun allerdings aus sich heraus und richtete deutliche Worte an die Verantwortungsträger im Profifußball.

Die Einführung der Super League ist wohl gescheitert, doch eines hat sie gezeigt: Der Fußball bleibt trotz der weltweit herrschenden Corona-Pandemie nicht demütig, will immer höher, immer weiter. Die Fans wehrten sich in aller Welt gegen das Vorhaben einiger europäischer Topklubs, doch auch die Champions League-Reform verfolgt ähnliche Ansätze. fussball.news hat bei Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt, nachgefragt, wie er die Entwicklung im Profifußball sieht und wo für ihn möglicherweise eine Grenze erreicht ist und er als Teil des Geschäftes nicht mehr mitmachen würde. Der 51-Jährige fand deutliche Worte: "Irgendwie ist man in dieser ganzen Geschichte nur ein Beifahrer oder Mitfahrer. Entscheiden tun das grundsätzlich ganz andere. Aber wenn ich meine Meinung dazu abgeben darf, dann ist es die, dass ich das für mich nicht mehr sinnvoll und realistisch genug ist, immer noch etwas neues Zusätzliches zu machen, wie jetzt mit der Super League."

"Man muss das auch menschlich einordnen"

Der Österreicher, der in der kommenden Saison als Trainer zu Borussia Mönchengladbach wechseln wird, hat bei alldem vor allem seine Spieler im Blick, die für ihn bei all den Diskussionen viel zu kurz kommen: "Wir vergessen immer die Spieler, die das spielen müssen. Wenn man denkt, wie viele Spiele jetzt schon absolviert werden, dann die Reisen noch dazu und die Nationalspieler. Das ist schon eine unglaubliche Menge, was die da absolvieren müssen." Die Akteure seien schon jetzt am Anschlag: "Man muss die Spieler auch einfach mal schützen, die Unfassbares leisten, teilweise 60 Spiele pro Jahr haben. Und das nicht nur ein Jahr, sondern über Jahre hinweg. Dann werden sie stark kritisiert, wenn sie mal nicht ihre Leistung bringen. Ich finde, man muss das auch menschlich einordnen, dass die Spieler über so viele Jahre die Leistung gar nicht bringen können." 

"Da kennt sich ja keiner mehr aus"

Doch auch die Konsumenten des Fußballs sieht Hütter nicht gerade gut bedient in dieser Gemengelage: "Man verliert irgendwann mal den Überblick: Super League, Conference League, Euro League, Champions League, Super League, Nations League, Europameisterschaft, Weltmeisterschaft. Wir tun uns als die, die in diesem Sport tätig sind, schon relativ schwer. Was sollen denn die Leute denken, die eher oberflächlich Fußball schauen? Da kennt sich ja keiner mehr aus." Dass der Eintracht-Coach, der mit Borussia Mönchengladbach in der kommenden Saison womöglich sogar in der neuen Conference League antreten muss, die Super League selbst gleich zweimal nannte und die Orientierung verlor, war womöglich keine Absicht, zeigte aber wohl auf, dass er sich mit der Vielzahl an Wettbewerben nicht identifizieren kann. Hütter, der als Spieler in den 90er-Jahren ganz andere Strukturen kennenlernte, kommt mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen deshalb zum Schluss: "Man muss das alles ganz klar überdenken. Es sind ja jetzt schon einige abgesprungen und das kann ich zu hundert Prozent nachvollziehen." 

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Benjamin Heinrich  
22.04.2021