Krösches Verhältnis zu Trainern

So tickt der neue Eintracht-Boss (5)

Markus Krösche (r.) mit Julian Nagelsmann bei RB Leipzig in der Königsklasse. Foto: Imago

Mit Oliver Glasner verpflichtete Eintrachts neuer Sportvorstand Markus Krösche gleich als erste Amtshandlung einen neuen Trainer. In der Vergangenheit arbeitete der 40-Jährige bereits mit Steffen Baumgart und Julian Nagelsmann zusammen. Im fünften und letzten Teil einer mehrteiligen Serie widmet sich fussball.news Krösches Verhältnis zu Trainern und welche Erwartungen er nun an SGE-Coach Oliver Glasner hat.

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Markus Krösche weiß durchaus, wie ein Trainer tickt. Der neue Sportboss von Eintracht Frankfurt stand schließlich in der Saison 2014/15 in der Westfalenliga für die Reserve des SC Paderborn als Cheftrainer an der Seitenlinie, von 2015 bis 2017 dann als Co-Trainer von Roger Schmidt bei Bayer Leverkusen. Krösche vertrat Schmidt in der Bundesliga sogar ein paar Spiele als Chef, als Schmidt vom DFB zeitweise gesperrt wurde. Wenig verwunderlich ist es deshalb, dass der gebürtige Hannoveraner ein besonderes Verhältnis zu Trainern hat. Der Fußballlehrer arbeitete in Paderborn beim Durchmarsch in die Bundesliga mit Steffen Baumgart zusammen, bei RB Leipzig zuletzt mit Julian Nagelsmann.

Krösche schwärmt von Nagelsmann

Vier Fragen sind für Krösche in der Zusammenarbeit mit einem Trainer elementar: "Wie authentisch ist ein Trainer? Erkennt er das Potenzial von Spielern und setzt sie dort ein, wo sie ihr Leistungsvermögen ausschöpfen? Macht er Spieler besser? Wie greift er während eines Spiels ins Geschehen ein?" Gerade in dem letzten Punkt, dem Ingame-Coaching, habe ihn Julian Nagelsmann bei RB Leipzig beeindruckt. Dass dieser während des Spiels auch das System mehrfach umstellen kann, um auf Spielverläufe zu reagieren, sei nahezu einzigartig. "Er hat wirklich eine sehr gute Auffassungsgabe. Er erkennt veränderte Situationen in kürzester Zeit und hat sofort Maßnahmen dafür im Kopf", schwärmte Krösche von Nagelsmann, der nun in München coacht.

Klare Kompetenzverteilungen

Im Verhältnis zum Trainer gilt für Krösche der Teamgedanke. "Ich bin der Partner des Trainers", lautet sein Motto. "Und wenn es unterschiedliche Einschätzungen gibt, werden wir darüber offen kommunizieren, das habe ich immer so gemacht, ob mit Steffen Baumgart in Paderborn oder zuletzt mit Julian Nagelsmann in Leipzig. Fest steht: Jeder hat sein Aufgabengebiet, ich mische mich nicht in die Mannschaftsaufstellung ein, der Trainer wird keinen Vertragsentwurf vorbereiten", legte Frankfurts neuer Boss fest. Mit Glasner habe er bei Eintracht Frankfurt deshalb Folgendes vereinbart: "Wir haben zwei unterschiedliche Spielfelder, auf denen sich jeder von uns beiden bewegt. Dazwischen gibt es eine Auslinie, die keiner von uns überschreiten wird." Seine Kernaufgabe sieht Krösche vor allem darin, einem Trainer einen Kader zusammenzustellen, der die höchstmögliche Variabilität bietet, damit dieser auf alle Umstände reagieren kann.

Hier geht es zu Teil 4 der Krösche-Serie

Roger Schmidt als wichtige Gemeinsamkeit

Der neue Eintracht-Coach Oliver Glasner, den Krösche in seiner ersten Amtshandlung verpflichtete, erfüllt seine Erwartungen an einen Trainer: "Er führte Wolfsburg in die Champions League, was eine herausragende Leistung ist. Dabei schaffte er es, eine Mannschaft zu formen, ihr einen Spielstil zu implementieren und einzelne Spieler zu entwickeln. Auch vorher in Linz leistete er mit seinem Team sehr gute Arbeit." Eine Überschneidung in den Lebensläufen von Krösche und Glasner hat zudem zur Folge, dass ihre Idee vom Fußball nahezu identisch ist: "Sie ähneln sich sehr, zumal er ebenfalls unter Roger Schmidt als Co-Trainer arbeitete." Für Krösche ist Schmidt der Vater des stilprägenden RB-Fußballs - Glasner arbeitete in Salzburg mit Schmidt zusammen.

Geduld mit Glasner 

Beim Österreicher warnt Krösche aber auch vor zu hohen Erwartungen. Platz fünf in der Bundesliga aus der vergangenen Saison ist eine hohe Messlatte, die Ex-Trainer Adi Hütter gelegt hat. Hinzu kommt in der kommenden Runde die Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League. Auch deshalb sagte Krösche: "Wenn ich von einem Trainer überzeugt bin, und das gilt auch für andere Mitarbeiter, dann habe ich gar keine Probleme damit, wenn wir in eine negative Situation geraten. Mir ist auch bewusst, dass neue Trainer ihre Zeit brauchen, um mit einer Mannschaft gewisse Dinge zu entwickeln." Für Krösche ist es aber zweifelsohne auch wichtig, mit Glasner bei der Eintracht Erfolg zu haben. Den Luxus, sich zum Amtsbeginn einen Trainer aussuchen zu können, hat schließlich nicht jeder neue Sportvorstand.

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Benjamin Heinrich  
05.07.2021