Krösches Transferstrategie

So tickt der neue Eintracht-Boss (2)

Eintrachts neuer Sportvorstand Markus Krösche plant eifrig den neuen Kader. Foto: Imago

Markus Krösche erwartet als Sportvorstand von Eintracht Frankfurt ein heißer Transfersommer. Leistungsträger sind begehrt, der Kader muss für eine Dreifachbelastung aufgestellt werden. fussball.news stellt in Teil 2 einer mehrteiligen Serie über Frankfurts neuen Sportchef dessen Transferstrategie und Kaderplanung vor. (Hier geht es zu Teil 1)

Von der Eintracht berichtet fussball.news-Reporter Benjamin Heinrich

Christopher Antwi-Adjei spielte bis 2017 noch in der Regionalliga West. Dort entdeckte ihn Markus Krösche als Sportboss des SC Paderborn bei einem Pokalspiel und lotste ihn in die 3. Liga zum SCP. Mit den Paderbornern gelang anschließend der Durchmarsch in die Bundesliga - mit dem Linksaußen, der im Oberhaus 34 Spiele absolvierte und 2019 sogar für die ghanaische Nationalmannschaft debütierte. Krösche sah 2017 etwas im heute 27-Jährigen, was vielen bis dato entgangen war. In diesem Sommer wird Antwi-Adjej nach 146 Pflichtspielen für den SC Paderborn in die Bundesliga zurückkehren und zum VfL Bochum wechseln und dort wieder auf Krösche treffen. 

Durchwachsene Transferbilanz in Leipzig

Antwi Adjei ist einer von vielen Transfers, die Krösche mit Weitsicht und Phantasie getätigt hat, das alles mit bescheidenen Mitteln. Nach seinem Wechsel zu RB Leipzig im Sommer 2019 verfügte der 40-Jährige dann plötzlich über ein ganz anderes Budget. Sphären, in denen sich der gebürtige Hannoveraner erst zurechtfinden musste. Alexander Sörloth (Trabzonspor), Hannes Wolf und Hee-chan Hwang (beide RB Salzburg) schlugen nicht so ein wie erwartet, Dani Olmo (Dinamo Zagreb), Angelino (Manchester City) und Christopher Nkunku (Paris Saint-Germain) hingegen schon. Im Kollektiv funktionierte das Team von RB Leipzig, Platz 3 und Platz 2 in der Bundesliga, dazu das Halbfinale in der Champions League. Markus Krösche hat bei den Sachsen Spuren hinterlassen. "Es war eine sehr erfolgreiche Zeit, die vergangenen zwei Jahre waren die erfolgreichsten in der Vereinsgeschichte", sagte er.

Krösche plant mit 23 Spielern und drei Talenten

In Frankfurt nun erwarten ihn andere Voraussetzungen. In Sachen Budget ist es für Krösche wieder ein Rückschritt. Dass er mit einem begrenzten Etat durchaus erfolgreich arbeiten kann, hat seine Zeit in Paderborn aber eindrucksvoll belegt. Bei der Eintracht wird er den quantitativ aufgeblähten Kader für die Europa League-Saison sogar noch ausdünnen. "In der Regel plane ich mit 23 Spielern plus drei Talenten", erklärte er und ergänzte: "Ich denke, das wird trotz der Europa-League-Teilnahme reichen. Es sind ja nur elf Plätze zu vergeben und dazu die Auswechslungen. Man muss sicher rotieren, aber nicht so extrem stark, dass alle drei Tage elf Mann ausgetauscht werden." 

Heterogen und homogen zugleich

Bei der Kaderplanung legt Krösche auf zwei Dinge besonders wert: Mannschaftliche Geschlossenheit steht über individueller Qualität und das Aufgebot soll eine möglichst hohe taktische Flexibilität garantieren: "Die Mannschaft muss heterogen sein, aber homogen agieren." Unterschiedliche Spielertypen, aber gleichzeitig eine Einheit: "Du musst sehen, dass du in dieser gläsernen Welt des Fußballs unberechenbar bist. Das schafft man nur über Variabilität im Kader, du brauchst unterschiedliche Fähigkeiten auf einzelnen Positionen, damit der Trainer auf die unterschiedlichen Anforderungen reagieren kann." Der Kader steht deshalb schon im großen Ganzen, sollten Leistungsträger den Klub verlassen, müssen diese adäquat ersetzt werden, die Mannschaft insgesamt aber nur punktuell verstärkt werden.Tempo, Pressingstärke und Tiefgang in der Offensive steht ganz oben auf der Agenda. Auf Kaderplaner Ben Manga hält Krösche große Stücke, der habe schon einige Spieler „in der Pipeline“.

"Nehme immer denjenigen, der besser reinpasst"

Der Charakter eines Spielers steht dabei immer im Vordergrund. "Wenn ich zwei Spieler habe und der eine deutlich mehr Fähigkeiten hat, der andere passt aber charakterlich besser in unsere Mannschaft, dann nehme ich immer denjenigen, der besser reinpasst", sagte er einst auf der SPOBIS, als er noch für Leipzig arbeitete. Die Devise ist dabei klar: "Eine funktionierende Gruppe ist immer in der Lage, individuelle Defizite auszugleichen. Ich achte extrem darauf, dass einer bei uns reinpasst." Dabei fühlt Krösche den Spielern in Transfergesprächen auf den Zahn, nimmt sich viel Zeit und will auch wissen, was ein Profi neben dem Platz treibt, wie familiäre Verhältnisse und Interessen aussehen und ob sich ein Spieler selbst gut einschätzen kann. Hat er kein gutes Gefühl, nimmt er Abstand von einer Verpflichtung. 

Geringe Fluktuation, große Marktwertsteigerung 

Im Gespräch mit fussball.news ließ Krösche durchblicken, dass er einerseits mit dem Kader sehr zufrieden ist, es andererseits aber durchaus die eine oder andere Transferphase brauchen könnte, bis dieser komplett seiner Philosophie entspricht. Einen großen Umbruch plant er in diesem Sommer dennoch nicht: "Ich bin kein großer Freund von hohen Fluktuationen im Kader. Es geht um Automatismen, es geht um Timing, um Kontinuität, denn das macht Erfolg auf Dauer wahrscheinlicher." Ein Faible hat der ehemalige Mittelfeldspieler dabei für entwicklungsfähige Talente: "Grundsätzlich macht es Sinn, hauptsächlich auf junge Spieler zu setzen. Meine Aufgabe besteht hier auch darin, Marktwerte bei Spielern zu schaffen." Christopher Antwi-Adjei im übrigen hatte seinerseits einen Marktwert (transfermarkt.de) von 125.000 Euro. Unter Krösche verzehnfachte sich dieser binnen zwei Jahre. Eine Strategie, die auch in Frankfurt gefragt sein wird. 

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Benjamin Heinrich  
27.06.2021